Feinbäckerei Heberer schließt Produktionsstandort Weimar

Weimar.  Die Hälfte der Belegschaft soll gehen, 75 Arbeitsplätze in Verwaltung und Filialen bleiben

Ein Bild aus besseren Tagen: Kuchen-Produktion in der Wiener Feinbäckerei Heberer Weimar GmbH.

Ein Bild aus besseren Tagen: Kuchen-Produktion in der Wiener Feinbäckerei Heberer Weimar GmbH.

Foto: Michael Baar

Die Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH Weimar schließt ihren Produktionsstandort. Nicht nur in der Stadt schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Auch in der Firma selbst hatte das niemand so geahnt. Ein „Gespräch mit der Geschäftsführung“ war angesetzt, um Gerüchte auszuräumen. Statt der befürchteten Umstrukturierungen verkündete die Unternehmensleitung das Aus für die Produktion.

Betroffen sind 74 Arbeitsplätze, heißt es in einer Mitteilung der Firma. Die übrigen 75 Stellen aus Verwaltung und Thüringer Eigenfilialen der GmbH sollen nahezu komplett erhalten bleiben. Ziel sei es, beim Stellenabbau so wenige betriebsbedingte Kündigungen wie möglich auszusprechen. Betroffenen Mitarbeitern sollen Stellen in Filialen oder an anderen Standorten angeboten werden. Frühestens Ende Februar könne die Standortschließung wirksam werden.

Oberbürgermeister Peter Kleine reagierte bestürzt. Er will „in Kürze Gespräche mit der Unternehmensleitung führen“, sagte er auf Anfrage der Redaktion. Dass die Arbeitsplätze in den Filialen und der Unternehmensverwaltung großenteils erhalten werden sollen, nehme er als positive Nachricht auf. Die Stadt stehe bereit, „um dafür unbürokratisch die nötigen Rahmenbedingungen zu setzen“.

Die Unternehmensgruppe aus Mühlheim hatte nach der Wende den vormaligen Konsum-Backwarenbetrieb übernommen. Bis 2006 strukturierte Heberer den Weimarer Standort mit Förderung der Thüringer Aufbaubank für 3,5 Millionen Euro um. Die Weimarer wurden zum Blechkuchen-Spezialisten der Gruppe. Produziert wird nach der Schließung des Standortes Hoyerswerda noch in Mühlheim am Main, Weimar und Zeesen (bei Berlin). 2014 habe man die Tochter schuldenfrei in die Selbstständigkeit geführt, betonte das Unternehmen am Donnerstag.

Noch 2015 gab der Geschäftsführende Gesellschafter Georg Heberer in Gegenwart von Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee eine uneingeschränkte Bestandsgarantie für Weimar. Gestern hieß es dagegen, bereits seit mehreren Jahren sei die finanzielle Entwicklung problematisch. Das habe sich im Corona-Jahr 2020 zugespitzt.

Da auch die Muttergesellschaft die Auswirkungen der Corona-Krise bewältigen müsse, bestehe keine Möglichkeit mehr, die Verluste der Tochter auszugleichen. „Das trifft Kolleginnen und Kollegen, die hier seit 35, 40 oder 45 Jahren arbeiten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Kai Röttig. Auch er sei von der Schließung überrascht. In Absprache mit der Gewerkschaft NGG geht der Betriebsrat in Verhandlungen mit dem Unternehmen. Dabei stünden die Schließung der Produktion, der Interessenausgleich und der Sozialplan auf der Tagesordnung.

Kommentar: Schade, wie es zu Ende geht

  • Nach Coca-Cola ist Heberer die zweite Unternehmensgruppe, die nach der Wende ein hohes Lied auf den Standort Weimar im grünen Herzen Deutschlands gesungen hat und ihn nun doch abstoßen will. Die Unternehmensmitteilung am Donnerstag konnte man so lesen: Wir haben den Standort schuldenfrei in die Selbstständigkeit entlassen, mussten aber immer unterstützen. Mit Corona ist das nun nicht mehr möglich.
  • Von allzu großer Selbstständigkeit war allerdings nach außen nie viel zu merken. Sie sollte „mehr Freiräume für regionale Partnerschaften und Umsätze“ ermöglichen. Heute liest sich das eher wie der Beginn des Abschieds. Als unselbstständiger Standort, würde der Betriebsrat über einen Interessenausgleich im Gesamtunternehmen und nicht nur in Weimar reden.
  • Es ist wohl auch kein Zufall, dass die fünfte Heberer-Generation mit Sandra und Georg P. Heberer seit dem Sommer auch als Geschäftsführer in Weimar eingetragen ist. Da scheint die Selbstständigkeit dann doch eher eine Formalie. Schade: Wenn es ans Eingemachte geht, sitzt das Hemd eben doch näher als der Rock.
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