Fernwärmesatzung: Handwerker protestieren gegen Abnahmezwang

Arne Martius
| Lesedauer: 3 Minuten

Ilmenau (Ilm-Kreis). In einem offenen Brief an Verwaltung und Stadtrat kritisieren die Mitglieder der Handwerkerinnung Sanitär, Heizung, Klima, Lüftung (SHKL) des Ilm-Kreises die jüngste Erweiterung der Ilmenauer Fernwärmesatzung. Das Papier sieht für Gewerbetreibende "Am Vogelherd", "Am Eichicht",

Ilmenau (Ilm-Kreis). In einem offenen Brief an Verwaltung und Stadtrat kritisieren die Mitglieder der Handwerkerinnung Sanitär, Heizung, Klima, Lüftung (SHKL) des Ilm-Kreises die jüngste Erweiterung der Ilmenauer Fernwärmesatzung. Das Papier sieht für Gewerbetreibende "Am Vogelherd", "Am Eichicht", sowie für den Baumarkt die Pflicht zur Abnahme von Fernwärme vor - es sei denn, die Unternehmer können nachweisen, dass sie ihre Energie ökologischer beziehen können, als sie derzeit vom Ilmenauer Biomasse-Heizkraftwerk erzeugt wird.

"Durch die beschlossene Fernwärmesatzung wird den Bürgern, den Grundeigentümern und Gewerbetreibenden der Stadt Ilmenau im Nachhinein das Recht auf freie Energieträgerwahl in den ausgewiesenen Gebieten genommen, und unsere Heizungskunden werden in den "zwangsversorgten" Gebieten entmündigt", heißt es in dem von Dieter Krummrich unterzeichneten Schreiben, der stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelthüringen ist.

Mit der Satzung verordne die Stadt Energieträger oder und Heizsysteme, "die nicht für jeden Abnehmer und jedes Gebäude passen, geschweige denn energetisch effizient, sinnvoll, ökologisch und kostengünstig sind". Zudem übt die Innung Kritik an der Preisgestaltung: "Sie monopolisieren ein überteuertes Fernwärmesystem, was auf Grund seines Spezifikums, seiner Größe und technischen Beschaffenheit nicht konkurrenzfähig ist, und das auf Kosten eines Teiles der Bürger und Unternehmen der Stadt Ilmenau", argumentieren die Handwerker der Branche aus dem Ilm-Kreis.

Während die günstigsten Fernwärmeversorger in Deutschland fünf Cent pro Kilowattstunde anbieten, liegen nach Angaben der Innung die teuersten bei 10 Cent - die Ilmenauer Wärmeversorgung allerdings bei 13 Cent. Die Gewerbetreibenden seien nicht mehr bereit, diese Preise zu bezahlen, geht es aus dem offenen Brief hervor. Zugleich appellieren die Handwerker an die Stadträte: "Bitte verstehen Sie daher diesen Brief als nutzbringende Anregung und Denkanstoß und denken Sie bitte daran, wer Sie gewählt hat und wessen Interessen Sie ursprünglich zu vertreten haben", wird erklärt.

In der DDR sei damals aus Mangel an Gas, Koks und Öl die Braunkohle als Brennstoff für alle verordnet worden. "Jetzt nach über 25 Jahren ‚Demokratie‘ bestimmen freigewählte Volksvertreter der Stadt Ilmenau darüber, dass man überteuert Fernwärme in Ilmenau nutzen muss", wundern sich Handwerker. Eine monopolistische Anbieterstruktur und somit fehlender Wettbewerb werde sich auf das Wettbewerbsverhalten in Ilmenau negativ auswirken, ist die Innung überzeugt. Sie verweist zudem auf Entscheidungen der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) und der Ilm-Kreis-Kliniken, die sich teilweise von der Fernwärme unabhängig gemacht haben - gerade wegen der steigenden Preise.

Gegenüber unserer Zeitung äußerten inzwischen auch mehrere Leser Zweifel daran, ob die Verbrennung von Altholz im Biomasse-Heizkraftwerk tatsächlich so ökologisch ist, wie von der Stadt dargestellt wird.