Flughafen Erfurt-Weimar verliert 120.000 Passagiere

Erfurt  Nach der Germania-Pleite will der Flughafen Erfurt-Weimar frühere Ziele wieder aktivieren. Zudem wird es Verhandlungen mit neuen Fluggesellschaften geben.

120.000 weniger Passagiere hat der Flughafen Erfurt-Weimar zu verkraften.

120.000 weniger Passagiere hat der Flughafen Erfurt-Weimar zu verkraften.

Foto: Martin Schutt/dpa

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Der Flughafen Erfurt-Weimar wird in diesem Jahr als Folge der Germania-Pleite rund 120.000 weniger Passagiere befördern als 2018 – da waren es 263.000. „Ein Ergebnis, das aus etwa 300 Passierflügen weniger resultiert“, sagt Geschäftsführer Uwe Kotzan.

Noch unklar ist, ob in diesem und im kommenden Jahr mehr Gelder als ursprünglich geplant vom Land eingesetzt werden, um eine eventuelle Finanzlücke zu schließen. 9,5 Millionen Euro erhält der Flughafen bis 2023 vom Freistaat. Mit diesem Geld ist sowohl die Liquidität als auch der Betrieb gesichert. Per Zuwendungsbescheid wurden 2019 vorsorglich rund zwei Millionen Euro für die „Germania Lücke“ bewilligt. Der Landeshaushalt würde dadurch aber nicht zusätzlich belastet, „da dies bereits genehmigte Mittel für die Folgejahre und keine neuen Haushaltsmittel sind“, betont Uwe Kotzan.

Antalya vor Hurghada und Palma de Mallorca

  • Nur 8 von 24 deutschen Flughäfen sind laut einer Studie profitabel – darunter die großen Flughäfen, wobei fast alle Zuwendungen erhalten.
  • Guy Katz, Professor für internationales Management, setzt sich dafür ein, dass die Regionalflughäfen aber bleiben. Sie würden auch gebraucht, um die großen Airports zu entlasten, müssten sich aber weiter um mehr Airlines bemühen und andere Geschäftsfelder erschließen.
  • In Erfurt war 2018 zum wiederholten Mal Antalya mit 74.927 Passagieren das beliebteste Urlaubsziel. Auf Platz zwei folgt Hurghada ( 38.281), auf dem dritten Rang landet Mallorca ( 37.426 Passagiere).

Er sieht den Flughafen, der 140 Angestellte hat, zu 95 Prozent dem Land und zu 5 Prozent der Landeshauptstadt gehört, nicht in der Krise. Man sei gut aufgestellt und verkrafte auch die jetzige Delle. „Nachdem wir im letzten Jahr einen Umsatz von etwa 13 Millionen Euro hatten, wird unser Ergebnis 2019 nach jetzigem Stand nicht deutlich unter dem Vorjahr liegen.“ Man werde fast die 9400 Flugbewegungen des vergangenen Jahres erreichen. Allerdings enthält diese Bilanz auch Frachttransporte, medizinische Flüge und Geschäftsflüge.

„Der Wegfall von Zielen 2019, beispielsweise von Griechenland, Portugal oder den Kanaren, schmerzt natürlich trotzdem sehr“, sagt Kotzan und berichtet über die Zurückhaltung bei Reiseveranstaltern. Diese resultiere auch aus weitreichenden Umbuchungen nach der Germania-Pleite, die auch dazu führte, dass Mallorca aktuell nur zweimal angeflogen wird. „Wir könnten locker fünf Flugzeuge füllen, doch es fehlt an Kapazitäten“, sagt Kotzan. Das betreffe auch andere Regionen, wo es ebenfalls genug Hotel-Angebote gebe. Die Auslastung der Flieger betrage in der Ferienzeit weit über neunzig Prozent. Haupt-Reiseziel ist nach wie vor Antalya – wobei dorthin gleich neun verschiedene Airlines aus der Türkei fliegen.

Der Kampf am Markt, um Airlines, ist aus seiner Sicht noch nicht ausgestanden. Der Verdrängungswettbewerb finde weiterhin statt und sei teilweise unerbittlich. „Der Versuch, die Sitzplätze im Flieger so billig wie möglich zu verkaufen, ist vor allem für die kleinen Anbieter gefährlich“, sagt Kotzan.

Er erläutert, dass man gerade dabei sei, den nächsten Sommer zu planen. Nachdem sich für die Türkei, Ägypten, Ungarn, Bulgarien oder Mallorca schon andere Airlines gefunden hätten, würde in Abstimmung mit Reiseveranstaltern und Reisebüros nach weiteren Alternativen gesucht. Der Idealfall sei aus Kotzans Sicht eine Stationierung von Fliegern in Erfurt – wie bei Germania. Der Geschäftsführer weist dabei darauf hin, dass der Flughafen nicht als Verkäufer von Reisen auftritt. „Wir bieten für nur Grundlagen wie Service oder Parken, alles andere ist Sache der Airlines und Reiseveranstalter.“

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