Gefängnis in Ichtershausen sucht Nutzer

"Wir müssen gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung suchen", sagte Landrat Benno Kaufhold nach einem Rundgang durch die Jugendstrafanstalt Ichtershausen. Eigentlich geht ihn und die Gemeinde Ichtershausen dieses Gefängnis gar nichts an, es wird vom Land betrieben. Aber am Autobahnzubringer Arnstadt-Nord wurde am Komplex der neuen Jugendstrafanstalt bereits Richtfest gefeiert. Und wenn dieses Gefängnis fertig ist, ziehen die Häftlinge und Bediensteten aus Ichtershausen weg. Was danach mit der jetzigen JVA wird, weiß derzeit noch niemand.

Blick in den Innenhof des Gefängnisses mit einem kleinen Teil des Gebäudekomplexes. Im Hintergrund die Türme der Ichtershäuser Kirche, die früher ebenfalls zum Kloster gehörte, aber frei zugänglich ist. Foto: Eberhardt Pfeiffer

Blick in den Innenhof des Gefängnisses mit einem kleinen Teil des Gebäudekomplexes. Im Hintergrund die Türme der Ichtershäuser Kirche, die früher ebenfalls zum Kloster gehörte, aber frei zugänglich ist. Foto: Eberhardt Pfeiffer

Foto: zgt

Ichtershausen. Der verwinkelte Gebäudekomplex neben der stolzen Kirche von Ichtershausen hat eine lange Geschichte und hatte schon viele Bewohner. Von 1133 bis 1525 war dort ein Zisterzienserinnenkloster, ein herzogliches Schloss steht ebenfalls auf dem Gelände. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wären Kriegsgefangene dort untergebracht, danach dienten die Gebäude als "Kinderbewahranstalt". 1877 begann dann die Zeit der Nutzung als Landesgefängnis. Zunächst für Jugendliche beiderlei Geschlechts, später nur noch für junge Männer.

Zu DDR-Zeiten wurde ein "Jugendwerkhof" eingerichtet. Und nach der Wende wurde zwar einiges umgebaut und modernisiert, aber danach zogen dort wieder jugendliche Straftäter ein - bis heute.

Gegenwärtig sind die 280 Haftplätze nicht voll belegt, 168 Jugendliche sitzen in Ichtershausen ein. Durch Umstrukturierungen im Justizbereich haben sich sogar die Bedingungen in Ichtershausen verbessert, es gibt mehr Bedienstete. Grundsätzlich aber gibt es keinen Zweifel daran, dass der Neubau auf Rudislebener Gelände sinnvoll ist.

"Der Gebäudebestand in Ichtershausen ermöglicht keinen modernen Jugendvollzug", sagt Herbert Windmiller, Abteilungsleiter Strafvollzug im Justizministerium und Kreistagsmitglied im Ilmkreis. Er hatte den Kreisausschuss zu einem Besuch in Ichtershausen eingeladen, um auch die Politiker der Region fürs Problem der Nachnutzung zu sensibilisieren.

"Man sollte überlegen, ob die Nähe des Gewerbegebietes am Erfurter Kreuz nutzbar ist", sagt Windmiller, "vielleicht könnten sich kleinere Firmen wie Architekturbüros hier ansiedeln".

Aber das würde nur einen kleinen Teil der Gebäude betreffen. Für ein Konzept zur Gesamtnutzung ist der Bestand zu unterschiedlich -und verwinkelt. Einiges müsste abgerissen werden, ein Park für die Ichtershäuser könnte dort vielleicht entstehen.

Ob die sehr alten Gebäude, wie das Schloss, restauriert werden könnten, erscheint eher fraglich. Es wurde in den Jahrhunderten kräftig an- und umgebaut, so dass außer einer Fassade kaum noch Schützenswertes sichtbar ist. Und die Sanierung käme sicher sehr teuer.

So waren auch die Kreistagsmitglieder nach dem Rundgang relativ ratlos. "Man muss sich mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen", sagt Windmiller.

Allerdings stellte sich bei dem Besuch auch heraus, dass mehr Zeit bleibt, als bisher gedacht: Gerade wurde der Fertigstellungstermin für den Neubau des Gefängnisses weiter nach hinten verschoben. Vor 2014, hieß es, sei mit einem Umzug wohl nicht zu rechnen.

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