Geld für Abriss und Beräumung von "Ilmkristall" in Gehren

Die Zugänge zum Gelände des ehemaligen Ilmkristall sind im Vergleich zu anderen Industriebrachen recht gut gesichert. Zumindest sieht es so aus. Aber auch Zäune sind letztlich kein wirkliches Hindernis, nicht einmal für Kinder. Ein Gefahrenpotenzial. Auch deshalb versucht die Stadt seit Jahren, für das 1,2 Hektar große Areal eine Lösung zu finden.

Es grünt bei Ilmkristall, sahen VG-Chefin Beate
Misch und Bürgermeister Bössel. Foto: Gerd Schmidl

Foto: zgt

Gehren. Die Aussicht auf eine Nachnutzung löste sich nicht erst mit dem Brand im vorigen Jahr auf. Nach fast 20 Jahren Leerstand hat die Bausubstanz stark gelitten, die Natur kämpft sich zurück. Hüfthoch steht das Gras, das aus den Fugen zwischen Asphaltstreifen wächst, Bäume haben selbst im Beton Wurzeln geschlagen.

Bürgermeister Ronny Bössel zeigt auf Gruben gefüllt mit dunkel gefärbtem Regenwasser, Schächte, auf denen die Abdeckungen fehlen. Was nicht niet- oder nagelfest und aus Metall war, hat längst den Weg zum Schrotthändler gefunden.

Das Thema Ilmkristall tauchte allenthalben in den Stadtratssitzungen auf. Nach dem Brand, bei dem rund 100 Feuerwehrleute stundenlang gegen die Flammen kämpften, seien die Fragen immer hartnäckiger geworden, sagt Bössel und gibt zu, sich in der Vergangenheit recht bedeckt gehalten zu haben. Schließlich ist es ein komplizierter Fall, der ihn und die Verwaltung seit 2005 beschäftigte.

Das Gelände war so etwas wie herrenlos, obwohl das Grundbuch anderes verhieß, so VG-Chefin Beate Misch. Eigentumsverhältnisse ungeklärt, Altschulden und damit Rechtsunsicherheit und vor allem kein Ansprechpartner. Selbst die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) hob ursprünglich bedauernd die Hände. Schließlich konnten wenigstens Restitutionsansprüche beschieden werden. Doch die Brache blieb. Nicht nur unansehnlich, sondern auch gefährlich. Bei einer Begehung stieß man auf Plastikbehälter: Die Steine, auf denen sie ruhten, in Auflösung begriffen. Von Säure zerfressen.

Mit Hilfe des Ilmkreises konnte wenigstens das Problem gelöst werden. Die Säure wurde abgepumpt und entsorgt - gerade noch so vor dem Brand, sagt Ronny Bössel.

Für ihn die Bestätigung, dass es richtig war, nach den jahrelang erfolglosen Geplänkeln 2009 die Lösungssuche zu forcieren. Ein in solchen Dingen erfahrenes Planungsbüro wurde mit dem Fall beauftragt. Mit Erfolg, Leute, die sich vorher für eigentlich nicht zuständig erklärten, zeigten sich nun gesprächsbereit. Ein Fortschritt. Aber noch kein Durchbruch. Die TLG konnte sich mit dem Gedanken einer unentgeltlichen Übertragung der Fläche an die Stadt anfreunden. Der Pferdefuß: Gehren hätte die Kosten für Abriss und Sanierung des Areals tragen müssen. Für die Stadt war das keine akzeptable Lösung, meint der Bürgermeister.

Weshalb man quasi zweigleisig fuhr, so Beate Misch. Auf der einen Seite verhandelte man mit der TLG nach dem Motto: Was kriegen wir, wenn wir das Gelände übernehmen?, auf der anderen hielt man Ausschau nach einer möglichen Förderung.

Die wurde dann auch gefunden in "Revitalisierung von Brachflächen", wenngleich in einem Programm, das ein wenig an der Stadtehre kratzt - die Dorferneuerung. Aber Gehren sei ländlich genug geprägt, befanden die Experten. Daraufhin wurden 382 000 Euro Fördermittel beantragt. Die Verwaltung schätzt die Kosten auf etwa 640 000 Euro. Darin enthalten eine Summe von 132 000 Euro für die Freiflächengestaltung. Leider wurde die Förderrichtlinie geändert, nur noch für Abriss und Beräumung gibt es Zuschüsse.

Dafür hat die Stadt seit einer Woche den Zuwendungsbescheid über 308 000 Euro, die TLG beteilige sich mit einem "Entwicklungsbeitrag". Bereits zum 1. November solle laut Beate Misch dem Fördermittelgeber ein erster Verwendungsnachweis vorgelegt werden. Die Zeit werde demzufolge knapp. Schließlich muss der Stadtrat erst einmal ein Ingenieurbüro beaufragen, das die Planung der Arbeiten übernimmt. Bereits da gilt es Fristen einzuhalten, was ebenso für Ausschreibung und Vergabe der Leistungen gilt.

"Wir werden uns sputen", verspricht der Bürgermeister. Ziel sei, bis Mitte 2012 den Rückbau abzuschließen.

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