Hilge kündigt für TEC-Erweiterung in Erfurt „Mischvarianten“ an

Erfurt  Die CDU-Mittelstandsvereinigung MIT lud zur Decathlon-Debatte ein und tritt für eine Ansiedlung des Sportfachmarktes ein.

Die Frage, ob Decathlon im Obergeschoss des TEC-Anbaus einen Sportfachmarkt eröffnen darf, ist so spannend wie das Wetter: Immer wieder und stundenlang kann man sie diskutieren – wie zuletzt die CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) am Dienstagabend im TEC.

Die ganze Diskussion um Innenstadt, Kaufkraft, Internet, Einwohnerentwicklung und Einzelhandelskonzept ändert freilich nichts an der Fragestellung. Allerdings darf man gespannt sein, wie genau die Stadtverwaltung die Frage an den Stadtrat formulieren wird. Im März soll abgestimmt werden.

„Es ist wichtig, dass Decathlon nach Erfurt kommt“, sagte der für die Stadtentwicklung zuständige Dezernent Alexander Hilge (SPD) als Gast der MIT. „Wir sind uns bewusst, dass wir auch eine Verantwortung für das TEC haben“, sagte er auch.

Doch wenn das wie ein Bekenntnis für eine Ansiedlung klang, gab er zugleich eine „ausgewogene Entscheidung“ als Ziel aus. Hilges Vorlage könnte deshalb darauf hinauslaufen, die TEC-Pläne an anderer Stelle einzubremsen – Hilge sprach von „Mischvarianten“.

Denn die TEC-Pläne sehen nicht nur Decathlon auf 3200 Quadratmetern vor. Die Fläche für die Waren, die nach den Vorgaben der Stadt eigentlich nur im Zentrum verkauft werden dürfen, soll insgesamt um 5000 Quadratmeter wachsen.

Neben Umzügen im Haus sind zusätzlich ein Siemes-Schuhcenter und eine TK-Maxx-Filiale geplant. Wobei TK-Maxx laut TEC-Manager Emanuel Michael die Bahnhofstraßen-Filiale keinesfalls aufgeben wolle.

Was Decathlon betrifft, steht zumindest die CDU voll hinter einer Ansiedlung im TEC. Die zusätzlichen Argumente von Unternehmens-Vertreter Steffen Böhm trafen deshalb auf fruchtbaren Boden.

Von den 85 Millionen Euro, die rechnerisch im Einzugsgebiet für Sportartikel ausgegeben werden, landen bisher nur 30 Millionen in der Stadt, sagte er zum Beispiel. 90 Prozent der angebotenen Produkte seien zudem Eigenmarken, mit der Spezialisierung auf Randsportarten. „Wir verdrängen nicht nur, sondern füllen fehlende Sortimente auf“, meinte Böhm. Das Unternehmen werde zudem in Erfurt die Gewerbesteuer zahlen.

TEC-Manager Michael wies auf Investitionen von 20 Millionen Euro und 80 neue Arbeitsplätze hin, sollte die Umstrukturierung genehmigt werden. „Wenn nicht, befürchten wir eine Abwärtsspirale“, sagte er.

Was folgte, war ein Chor der Unterstützung durch die MIT. „Decathlon gehört hierher“, sagte etwa Stadtrat Jörg Kallenbach. „Ich sehe keinen anderen Standort.“ Wie Dezernent Hilge deutete er allerdings Zweifel an den zusätzlich geplanten Schuh- und Textilmärkten an.

Hannelore Moos meinte, Decathlon werde zusätzliche Besucher nach Erfurt locken, die dann auch die Innenstadt besuchten – ob dieser Effekt einen möglichen Umsatzverlust in der Innenstadt ausgleicht oder nicht, ist eines der Lieblingsstreitpunkte der Debatte. Stadtrat Thomas Pfistner wies auf die Ikea-Ansiedlung hin: Sie habe einst ähnliche Zweifel ausgelöst, die sich aber nicht bestätigten.

„Niemand will die Innenstadt schädigen“, betonte Stadtrat Michael Hose. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir die Debatte nicht zu einseitig führen.“ In Erfurt lebten viele Familien und „einfache Leute“, die preisbewusst einkaufen wollten.

Da die Rahmenbedingungen nun alle bekannt seien, müsse eine baldige Entscheidung her, forderte MIT-Kreischef Steffen Peschke. „Die gefühlte Meinung der Bevölkerung ist eindeutig“, sagte er und erhielt sogar Zustimmung von Dezernent Hilge. „Die Bürger zeigen uns den Vogel“, gestand dieser ein.

Stadtentwicklungsleiter Paul Börsch drang mit seiner Warnung, dass die Pläne den Innenstadthandel gefährden könnten, kaum durch. „Wir können Fehler nicht mehr zurücknehmen“, warnte er. „Die Altstadt macht den Markenkern Erfurts aus.“

Das TEC hatte vor drei Jahren eine Sortimentserweiterung beantragt. Wichtigstes Element ist die Ansiedlung von Decathlon im früheren Baumarkt-Anbau, der seit Jahren leer steht. Ein Gutachten bescheinigt, dass die Pläne der Innenstadt keine größeren Schäden zufügen, ist aber dennoch gegen die Umstrukturierung, weil sie die für Erfurt günstigere Ansiedlung eines solchen Sportfachmarktes in der Innenstadt verhindern würde.

Decathlon hat aber die Innenstadt ausgeschlossen. „Wenn man uns die Pistole auf die Brust setzt, dann kommen wir nicht“, stellte Expansionsleiter Steffen Böhm am Dienstag erneut klar.

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