Historisches Weimarer Stadt-Quartier soll neu bebaut werden

Mit kleinteiliger Wohnbebauung will die Verwaltung in den nächsten Jahren Lücken im historischen Gebiet "Hinter der Badestube" schließen. Zwecks frühzeitiger Beteiligung der Öffentlichkeit daran fand dazu in Weimar eine Bürgerversammlung statt.

Als zum Parkplatz umgewidmete Baulücke kommt der Innenbereich des Quartiers Bornberg/Hinter der Badestube derzeit daher. In den 1990er Jahren plante man sogar Parkdecks. Entlang der historischen Raumkanten ist nun eine Wohnbebauung vorgesehen. Eine Tiefgarage unterm Bornberg hingegen ist laut Baugutachten nicht realisierbar. Foto: Thomas Müller

Als zum Parkplatz umgewidmete Baulücke kommt der Innenbereich des Quartiers Bornberg/Hinter der Badestube derzeit daher. In den 1990er Jahren plante man sogar Parkdecks. Entlang der historischen Raumkanten ist nun eine Wohnbebauung vorgesehen. Eine Tiefgarage unterm Bornberg hingegen ist laut Baugutachten nicht realisierbar. Foto: Thomas Müller

Foto: zgt

Weimar. Das Altstadtquartier Hinter der Badestube/Bornberg ist eines der ältesten Siedlungsgebiete in Weimar. Seine Geschichte begann lange vor der Stadtgründung und umfasst zwölf Jahrhunderte. Gleichsam in umgekehrter Chronologie soll es nun als Teil des 1992 festgelegten Sanierungsgebietes Innenstadt neu bebaut werden.

Der Stadtrat beschloss im Februar, den Bebauungsplan aufzustellen. Zugleich gab er der Verwaltung auf, die Öffentlichkeit mit einer Bürgerversammlung frühzeitig zu beteiligen. Denn das war nicht geplant. Das Stadtentwicklungsamt befürchtete wohl, nur mit gefürchteten Bedenkenträgern konfrontiert zu sein. Die sehr gut besuchte Versammlung im großen Rathaussaal belehrte es Mittwochabend eines Besseren.

Beabsichtigt ist eine kleinteilige Bebauung im Quartier. Damit solle die Kernstadt als Wohnstandort gestärkt werden, so das Stadtentwicklungsamt. Doch gehe es um nur wenige neue Häuser, sagte dessen Chefin, Ursula Grigutsch: "Wir reden hier nicht mal über 50 Wohnungen." Man hat die Flächen im Blick, die nach Abrissarbeiten der 1980er Jahre entstanden und aktuell als Parkplatz dienen. Zuvor hatten zunächst Bombenangriffe 1945 die Bausubstanz beschädigt, jahrzehntelanger Verfall tat danach ein übriges. Ziel ist nun die "Heilung der Stadtstruktur".

Das Quartier umfasst 1,5 Hektar. Es wird nördlich von der Mostgasse abgeschlossen, die zum Planungsgebiet gehört; anders als die Kaufstraße und die Schlossgasse, die westlich beziehungsweise südlich angrenzen.

Die Bauflächen gehören teils der Stadt, teils der Weimarer Wohnstätte. Lange Zeit waren diese Eigentumsverhältnisse ungeklärt, weshalb man das Gebiet erst jetzt in Angriff nehmen könne, hieß es auf der Versammlung. Private Eigentümer im Quartier blieben indes vom Bebauungsplan unberührt.

Wie derzeit am nordwestlich angrenzenden Herderplatz, so werden auch hier erst einmal Archäologen zum Zug kommen. Darauf wies Klaus Jestaedt von der Denkmalabteilung hin. Er sprach von "kulturtragenden Schichten", die von Bedeutung seien, weil die ersten 600 Jahre Siedlungsgeschichte kaum dokumentiert sind.

Als erstes verbürgt ist bislang die im späten 14. Jahrhundert entstandene Mühle auf dem Bornberg; dieser beschreibt den Ort, der heute in der Mitte der Kaufstraße ins Quartier führt. Die Wassermühle speiste sich aus einer Quelle (Born), die es noch heute unter dem Haus der Kaufstraße 16 gibt. Um 1400 wurde, mitten im Quartier, ein städtisches Badehaus errichtet, 1557/58 dann die Badestube als Renaissancegebäude. Sie verschwand 1986 ebenso wie die barocke Weinstube "Palette".

Der Baudenkmalpfleger Hermann Wirth sprach in der Versammlung von einem Flächendenkmal und forderte dessen denkmalgerechte Bebauung". Man solle eine Kopie der Badestube erwägen. Denkmalgerecht bedeute nun aber nicht die Rekonstruktion des Verlorenen, entgegnete Klaus Jestaedt. Man müsse dort auch unserer Epoche architektonisch Raum geben. Auf allgemeine Zustimmung traf indes Architekt Oswald W. Grube, der vorschlug, zumindest die Kubatur der Badestube wieder herzustellen und das Gebäude auch als Quartier-Treff zu nutzen.

Geplant ist auch eine neue Straße durchs Quartier. Bis es für das gesamte Projekt Baurecht gibt, geht allerdings noch geraume Zeit ins Land. Jetzt wird erstmal der B-Plan entworfen und danach ausgelegt.

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