Im April vor 25 Jahren stellte das AWE die Fertigung des Wartburgs ein

Eisenach. Mit einem Tränenausbruch verabschiedete Holger Ebenau am 10. April 1991 den allerletzten im Automobilwerk Eisenach gefertigten Wartburg.

Am 10. April 1991 endete die Wartburg-Herstellung in Eisenach. Viele Mitarbeiter trugen an diesem Tag Trauerflor. Foto: Archiv Horst Ihling

Foto: zgt

Die Bilder gingen durch alle Medien. Vor vielen Journalisten und „Trauergästen“ rollte der rote Wartburg 1.3 vor 25 Jahren aus der Fertigmacherei direkt ins Automobilbaumuseum, in dem der 1 837 708. Wartburg noch heute vom traurigsten Tag des Eisenacher Autobaus zeugt.

Der letzte Wartburg verlässt um 10.48 Uhr die Werkhalle. An dieses Jubiläum soll an diesem Sonntag ab 11 Uhr gedacht werden. „Der Grundgedanke war eigentlich, zum Saisonstart eine Oldtimer-Ausfahrt zu organisieren, aber dann kam uns die Idee, das Jubiläum mit einem Fest zu begehen“, erzählt Enrico Martin vom Allgemeinen Wartburgfahrer-Club.

Neben den Wartburgfahrern laden auch die Stiftung „Automobile Welt Eisenach“ und der Verein „Automobilbau Museum Eisenach“ (AME) in das Museum und in das Vereinsdomizil „Ostkantine“.

Oldtimer und Listen für einstige AWE-Mitarbeiter

Da viele Oldtimer mit Saisonkennzeichen ab April wieder die Garagen verlassen dürfen, sind die Besitzer alter Karossen aus Eisenacher Fertigung sowie anderer IFA-Fahrzeuge eingeladen, an diesem Gedenktag ihre Wagen auf dem Museumsgelände zu parken. „Wir laden alle ehemaligen Werksmitarbeiter ein“, spricht Martin auch für den Geschäftsführer der Stiftung, Matthias Doht, und den Vereinsvorsitzenden Wolfram Böhnhardt. Die Geschichte des Automobilwerkes möchte Enrico Martin wach und erlebbar halten. So können sich an diesem Tag einstige Automobilwerker in Listen eintragen. Die Zeitzeugen kennen am besten die Abläufe in ihren Abteilungen und können so die AWE-Historie wachhalten.

25 Jahre nachdem der letzte Fließband-Wartburg ins Museum gerollt ist, wird ein ganz neuer, ein Wartburg, dem Museum anvertraut. Die Sommergewinnszunft übergibt am Sonntag, 12 Uhr, den Nachbau des Wartburg-Motorwagens ans Museum. AME-Vereinschef Wolfram Böhnhardt freut sich über den Museumseinzug des Vehikels aus dem Sommergewinnsfestzug, denn auch er hat viel freie Zeit dafür geopfert. Der Tischlermeister winkt ab: „Mein Beruf ist mein Hobby.“ Der Nachbau des Wartburg-Motorwagens war für ihn nur eine Übung zum warm werden. „Wir haben noch mehr vor, das komplett aus dem Rahmen fallen wird“, verfällt er aber in geheimnisvolles Schweigen.

Die Ostkantine wird ihrem Namen alle Ehre machen, denn dort wird in der hergerichteten Galerie-Kantine Kaffee und selbst gebackener Kuchen serviert. Im Außenbereich brutzeln die Vereinsmitglieder Rostbratwürste und schenken Durstlöscher gekühlt aus. „Im Saal der Ostkantine wird es eine Bilderfolge zum Automobilwerk in der Wendezeit geben“, verrät Böhnhardt. Um 14 Uhr flimmert dort noch einmal der von Enrico Martin und dem inzwischen verstorbenen Automobilbau-Experten Michael Stück produzierte Film „20 Jahre nach dem Ende des AWE“ über die Leinwand. Noch seien einige wenige dieser DVD erhältlich.

Im Halbstunden-Takt starten Führungen durch das Museum. „Diesmal steht aber die Geschichte der letzten 25 Jahre und das, was in Zukunft noch im Museum passieren soll, im Vordergrund“, verrät Matthias Doht. Der Eintritt beträgt an diesem Tag 5 Euro.

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