In Thüringen ist jeder Zehnte überschuldet

Erfurt. Der Trend zeigt nach oben. In Thüringen ist fast jeder zehnte Einwohner überschuldet. Das heißt konkret: Mehr als 170.000 Frauen und Männer können nach neuesten Statistiken ihre Schulden nicht mehr vertragsgemäß abtragen.

Der Trend zeigt nach oben. In Thüringen ist fast jeder zehnte Einwohner überschuldet. Foto: Oliver Berg/dpa

Der Trend zeigt nach oben. In Thüringen ist fast jeder zehnte Einwohner überschuldet. Foto: Oliver Berg/dpa

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Die Verlockungen sind groß. Das Kaufen wird einem leicht gemacht, „bezahlen können Sie dann später“, heißt es oft in Supermärkten und großen Ketten. Das Auto gibt es für null Anzahlung und die Raten für den PC sind ganz bequem zu tilgen. Kredit- und vor allem EC-Karten verführen zum schnellen Bezahlen. Leicht verliert man da den Überblick über die eigenen Finanzen, über all die Ausgaben und Darlehen.

Und wenn dann noch Arbeitslosigkeit, eine Trennung beziehungsweise Scheidung oder eine gescheiterte Selbstständigkeit hinzukommen, ist der Crash vorprogrammiert. Diese drei Faktoren sind die Hauptauslöser für Schulden, bestätigt die Fachberatungsstelle für Schuldner- und Verbraucherinsolvenzen sowie Schuldenprävention in Thüringen.

Die Beratungsstellen verzeichnen einen regelrechten Ansturm der Hilfesuchenden. Auch in Thüringen kommt es, wie in ganz Deutschland, in den Städten zu einer höheren Überschuldung als in den ländlichen Regionen. Ein Grund dafür sind hier stärkere Konsumanreize.

Die höchsten Überschuldungsquoten von mehr als zehn Prozent weisen Eisenach, Erfurt, Gera und der Kyffhäuserkreis auf, auch Suhl und Weimar. „Die Problemlagen werden immer komplexer“, so Susette Schubert von der Fachberatungsstelle der Liga der Freien Wohlfahrtspflege.

Auch ganz typisch: die Schuldenfalle Handy für junge Leute.

Ohne die Hilfe einer Schuldnerberatungsstelle dürften viele aus der Spirale nicht herauskommen. „Voraussetzung für die kostenfreie Beratung ist immer die Einsicht des Betroffenen, seine Freiwilligkeit sowie Vertrauen“, so Schubert.

Doch Betroffene scheuen oft den Weg zur Beratung oder gehen ihn zu spät. Wenn nichts mehr zu retten ist, bleibt die Antragstellung auf Privatinsolvenz. Laut Statistischem Landesamt waren es voriges Jahr in Thüringen 1892 private Verbraucher, die diesen Weg beschritten. Das waren 92 weniger als 2013. Vielleicht auch ein Verdienst der Schuldnerberatungsstellen.

Auf einer Liga-Fachtagung diskutieren Experten heute in Erfurt über Möglichkeiten zur akuten Hilfe und zur Prävention. „Überschuldung kann jeden treffen“, sagt Susette Schubert weiter. „Auffällig ist der Anstieg der Überschuldung bei den über 50-Jährigen und bei Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft.“

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