Innovation aus Ilmenau: Wie bald Leuchtdioden Notfallsanitätern helfen

Ilmenau.  Kandidat für den Thüringer Innovationspreis: Binz aus Ilmenau will Rettungswagen mit Licht desinfizieren – das Interesse an der Innovation ist sehr groß.

UV-C Strahler an der Decke der Rettungswagen desinfizieren den Patientenraum.

UV-C Strahler an der Decke der Rettungswagen desinfizieren den Patientenraum.

Foto: BINZ

Bislang gehört es zu den Aufgaben von Notfallsanitätern, nach Einsätzen den Rettungswagen zu desinfizieren. Diese Arbeitsschritte finden oft unter Zeitdruck statt, steht das Fahrzeug doch in dieser Zeit nicht für neue Aufträge zur Verfügung. Binz Ambulance- und Umwelttechnik Ilmenau hat eine Lösung entwickelt, dass Leucht­dioden die Desinfektion erledigen. Mit den UV-C Strahlern schafft es Binz in die Top 20 beim Thüringer Innovationspreis.

Wirkprinzip: UV-Licht zerstört Bakterien und Viren

Das Wirkprinzip ist von Niederdruck-Quecksilber-Röhren bekannt. Das ausgestrahlte ultraviolette Licht zerstört das Erbgut von Bakterien und Viren. Doch für die mobile Anwendung waren solche Lampen aus verschiedenen Gründen nicht geeignet, erläutert die Geschäftsführende Gesellschafterin von Binz, Cathrin Wilhelm: Neben dem hohen Energiebedarf und der Hitzeentwicklung bestand ein Sicherheitsrisiko, wenn eine solche Röhre bei einem Unfall splittert und giftige Quecksilberdämpfe freisetzt.

Mit dem in Ilmenau ansässigen Fraunhofer IOSB-AST entwickelte das Binz-Team Hochleistungsleuchtdioden, deren mobiler Einsatz gefahrlos möglich ist. 167 Leuchtdioden im Patientenraum strahlen das Licht sogar mit einer effizienteren Wellenlänge ab, so dass dieser in weniger als zehn Minuten zu 99,99 Prozent von Viren und Bakterien befreit ist – und zwar nicht nur die Flächen, sondern auch die Luft. Die patentierte Technologie erlaubt eine bessere Auslastung der Wagen, da die Desinfektion während der Fahrt zurück zur Rettungswache erfolgen kann. So braucht es nur noch einmal pro Tag eine händische Komplettreinigung des Innenraums, falls es bei Einsätzen zu keiner Verschmutzung kam.

Großes Interesse an der Innovation

Die ersten Fahrzeuge mit dem neuen System will Binz im kommenden Jahr ausliefern. Das Interesse an der patentierten Technologie ist sehr groß. „Betreiber von Rettungshubschrauber wollen unsere Lösung einsetzen. Aber auch Universitäten oder Opernhäuser haben angefragt“, sagt Cathrin Wilhelm.

Binz baut neben Rettungswagen auch Fahrzeuge für die Polizei, die Justiz oder das Technische Hilfswerk und beschäftigt in Ilmenau 220 Mitarbeiter – Tendenz steigend.