Investoren starten in Bleicherode drei neue Altstadt-Projekte

Bleicherode  Kalistädter und Urbacher Unternehmer sehen viel Potenzial in der Stadt und investieren trotz geringer Förderung.

Bürgermeister Frank Rostek (CDU) freut sich über das Engagement von Nick König und Alexandra Lange aus Urbach (rechts), Matthias Etzold (Dritter von rechts) sowie Thomas Rommel und dessen Planungschef Jens Heerwig.

Bürgermeister Frank Rostek (CDU) freut sich über das Engagement von Nick König und Alexandra Lange aus Urbach (rechts), Matthias Etzold (Dritter von rechts) sowie Thomas Rommel und dessen Planungschef Jens Heerwig.

Foto: Kristin Müller

„Bleicherode ist wunderschön und zentral gelegen, da sehe ich Potenzial.“ Zu hören ist der Satz am Dienstag nicht von einem Kalistädter, sondern von Nick König aus Urbach. Der Spross der Henning-Bau-Familie lässt seinen Worten Taten folgen.

Mit seiner Schwester Alexandra Lange hat er zwei Häuser in der Altstadt erworben, um sie zu sanieren: Hauptstraße 24 gegenüber der Alten Kanzlei und Hauptstraße 137. Beide stehen seit Jahren leer. Etwa 50 Interessenten habe er das Haus Hauptstraße 24 schon gezeigt, blickt Bürgermeister Frank Rostek (CDU) auf einen der vielen schwierigen Fälle im Denkmalensemble Altstadt. Auch hier sind die Schäden groß.

Mit König und Lange sind zwei Eigentümer gefunden, die binnen drei bis vier Jahren in dem stattlichen Dreigeschosser – ein vormals ausgeschlagenes Erbe – sechs bis acht Wohnungen entstehen lassen wollen. Auch ein Fahrstuhl ist vorgesehen, schließlich ist die Nachfrage nach barrierearmem Wohnraum groß. Der hintere Seitenflügel sei vermodert, hofft König auf eine Abrissgenehmigung.

Das zweite Objekt der Urbacher ist Hauptstraße 137. Dieses Gebäude soll durchsaniert, zum Einfamilienhaus umgebaut und sodann verkauft werden. Der Denkmalschutz hat positive Signale gesandt, was den geplanten Abriss des Anbaus angeht.

Was alles kosten könnte? Nick König ist zurückhaltend, verweist auf die zunächst nötige Schadensaufnahme und die noch ausstehenden Planungen.

Einen hohen sechsstelligen Betrag investieren die Bleicheröder Andreas und Thomas Rommel, um die schon 2015 begonnene Sanierung des früheren Möbelkonsums am Zierbrunnenplatz abzuschließen. Bis Jahresende sollen hier Wohnungen entstehen – von der Idee eines Ladengeschäfts rückte man ab. Der vormalige Eigentümer hatte schon das Dach saniert, dann aber aus gesundheitlichen Gründen das Vorhaben gestoppt. Der beauftragte Planer Jens Heerwig aber hatte die Pläne in der Schublade. Froh ist dieser deshalb, dass es nun weitergehen kann. Nach Pfingsten soll das frühere Lager im Hinterhof abgerissen werden, auch wenn der Antrag auf Fördermittel für die Arbeiten diese Woche abgelehnt wurde.

Überhaupt: Die Förderquote sei so gering, dass Heerwig von einem „Tropfen auf den heißen Stein“ spricht. Diese würden solch ein Objekt „in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht rentabel machen“. Rostek beklagt: „In die Unrentierlichkeitsberechnung fließen zwar die niedrigen Zinsen ein, nicht aber die erhöhten Baukosten. So bleiben viele Vorhaben auf der Strecke.“

Umso erleichterter ist er, dass es nun beim Möbelkonsum weitergeht. „Dieses stadtbildprägende Gebäude wertet den gesamten Zierbrunnenplatz auf.“

Unweit davon, in der früheren Touristinformation, verfolgt der Bleicheröder Mathias Etzold weiter sein Ziel, das Haus für eine Pension mit vier kleinen Wohnungen zu sanieren. Das Dach sowie die Vorderfassade sollen noch dieses Jahr gemacht werden, für alles weitere will sich Etzold noch drei, vier Jahre Zeit nehmen. Immerhin geht es auch hier um eine Investition von 350.000 bis 400.000 Euro.

Bleicherodes Altstadt ist nach wie vor in weiten Teilen ein Sanierungsfall. Von 302 Gebäuden im Sanierungsgebiet ist über ein Drittel energetisch unsaniert, der Leerstand ist hoch. Rostek ging schon vor Jahren in die Offensive, warb mit provokanten Bannern an verwaisten Häusern um Investoren, gab den Slogan „Bleicherode entwickelt sich“ aus. „Hier und da ist es gelungen“, resümiert er am Dienstag, wenige Tage vor dem Ende dieser Legislatur.

Rostek will Bürgermeister bleiben, strotzt weiter vor Optimismus – selbst wenn für die geplante Jugendfachwerkstatt noch keine Förderstelle gefunden ist, der Abriss von Hauptstraße 3 sich wegen Grundschulden des Eigentümers auf unbestimmte Zeit verzögert, der aktuelle Eigentümer von Haupt-straße 66 am Zierbrunnenplatz nicht investieren, sondern weiterverkaufen will. Immerhin, Gespräche mit einem Interessenten hierzu laufen.

Mit Blick auf Möbelkonsum und Hauptstraße 24 sagt Rostek: „Diese großen Projekte machen mir Mut. Wenn die realisiert sind, sieht die Stadt völlig anders aus, haben wir völlig andere Sichtachsen. Das sind Piloten, die wir brauchen um auch dem Letzten klarzumachen, dass es hier vorwärts geht.“

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