Jeder dritte Thüringer arbeitet für einen Niedriglohn

In Thüringen verdienen die Menschen weiterhin am schlechtesten. Laut einer Studie arbeiten nirgendwo mehr Menschen für weniger als 5 Euro pro Stunde als hier. Die SPD fordert daher zum 1. Mai erneut den Mindestlohn.

34 Prozent der Beschäftigten arbeiten für weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Foto: dapd

34 Prozent der Beschäftigten arbeiten für weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Foto: dapd

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Erfurt. Rund 270.000 Thüringen arbeiten für weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Ihr Anteil an der Zahl aller Beschäftigten beträgt 34 Prozent, damit liegt der Freistaat beim Lohnniveau bundesweit an letzter Stelle. Bundesweit arbeiten nur 16 Prozent für weniger als 8,50 Euro, in Baden-Württemberg sind es gerade 10 Prozent.

So lauten die Ergebnisse einer neuen Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die unserer Zeitung vorliegen. Danach ist der Abstand bei den Beschäftigten, die weniger als 5 Euro verdienen, sogar noch größer. In Thüringen beträgt deren Anteil 11 Prozent, der Bundesdurchschnitt liegt bei 4 Prozent. Im östlichen Nachbarland Sachsen sind es sogar nur 3 Prozent.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sieht durch die Studie die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro bestätigt. Gerade die Menschen in den neuen Ländern würden davon profitieren. Dies gelte besonders für Thüringen, "das die rote Laterne als Niedriglohnland immer noch nicht abgegeben hat", sagte gestern der Erfurter Abgeordnete.

Von einem Mindestlohn könnte laut der Studie auch das Gemeinwesen profitieren. Bei einer Untergrenze von 8,50 Euro würde der Staat durch zusätzliche Steuereinnahmen und Einsparungen um etwa sieben Milliarden Euro entlastet.

Das Thema Mindestlohn wird auch die Demonstrationen am 1. Mai bestimmen, zumal ab morgen Arbeitnehmer aus Osteuropa einfacher in der EU Beschäftigung finden können.

Die neue Freizügigkeit dürfte laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aber gerade wegen der Löhne kaum Auswirkungen haben. "Für das Geld, das hier oft gezahlt wird, verlassen zum Beispiel ungarische Fachkräfte nicht ihr Land", sagte Landeschef Torsten Wolf gestern unserer Zeitung. Er verwies darauf, dass bessere Gehälter nur mit höherer Bildung zu erreichen seien - was am Ende der Konjunktur nütze. Wolf warnte deshalb davor, nach dem auslaufenden Hochschulpakt in Thüringen die Mittel zu kürzen. "Das Gegenteil ist notwendig", sagte er.

Was in Thüringen den Lohn drückt

  • Ausbildung: In Thüringen gibt es vergleichsweise wenige Menschen mit "unzureichender Bildung" - aber sie verdienen zu 10 Prozent unter 5 Euro die Stunde.
  • Geschlecht: Frauen verdienen weniger: 43 Prozent erhalten 8,50 Euro - bei Männern beträgt der Anteil dagegen nur 21 Prozent.
  • Beruf: Mehr als zwei von fünf Arbeitern bekommen weniger als 8,50 Euro. Bei Angestellten ist es nur jeder vierte.
  • Alter: Junge und Alte werden besonders schlecht bezahlt. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist es jeder zweite. Bei 60- bis 69-Jährigen sind es 41 Prozent.