Jeder zweite Existenzgründer kämpft in Thüringen ums Überleben

Erfurt.  In Thüringen stehen viele Firmengründer in der Corona-Krise wirtschaftlich erheblich unter Druck – jeder zweite Unternehmer fürchtet um seine Existenz.

Das Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx) in Erfurt

Das Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx) in Erfurt

Foto: Alexander Volkmann / TA

Dass ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Thüringer Zentrums für Existenzgründung und Unternehmertums (Thex), deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Demnach sehen sich 90 Prozent der Befragten durch die Krise in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Nahezu jede dritte Firma musste ihren Geschäftsbetrieb vorübergehend einstellen und erlitt dadurch einen kompletten Umsatzverlust.

Mehr als die Hälfte der Gründer (54 Prozent) fürchten in der Corona-Krise um ihre Existenz. Und auch die Zukunftsaussichten sind derzeit noch mehr als getrübt. So erwarten mehr als 90 Prozent der Unternehmer auch in den kommenden drei Monaten negative Auswirkungen auf ihren Umsatz. Allerdings halbiert sich der Anteil der Befragten, die einen kompletten Umsatzverlust befürchten.

Verlust der Kundenkontakte, ausgefallene Veranstaltungen, vertagte Kaufentscheidungen

Die Ergebnisse der Befragung seien noch sehr stark von den aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt, räumte das Thex ein. „Dennoch zeigen uns die Ergebnisse wichtige Impulse, die uns dabei helfen, unsere Unterstützungsangebote wirksam weiterzuentwickeln“, sagte Thex-Chef Dirk Wegler unserer Zeitung. Deshalb sei auch geplant, die Umfrage in drei Monaten zu wiederholen.

Die Hauptgründe für die Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Tätigkeit sind demnach der Verlust des direkten Kundenkontaktes, der Ausfall von Veranstaltungen, aufgeschobene Kaufentscheidungen der Kunden und der Ausfall von Messen und Events.

Gastronomie, Dienstleister sowie Kunst- und Kreativwirtschaft trifft es hart

Das alles habe – zusammen mit der oft fehlenden Kinderbetreuung – zu erheblich reduzierter Liquidität geführt. Von den existenzbedrohten Unternehmen sind 44 Prozent soloselbstständig, 65 Prozent sind Unternehmerinnen. Betroffen sind Firmen aus den Branchen Kunst, Unterhaltung und der Kreativwirtschaft sowie Dienstleister und Gastronomen.

Den größten Unterstützungsbedarf sehen die Gründer bei der Finanzierung von digitaler Infrastruktur und Angeboten zur optimalen Nutzung digitaler Tools. Auch bei der Weiterentwicklung und Überarbeitung ihrer Geschäftsmodelle und der Entwicklung von zukunftsorientierten Formen der Kooperation ist Hilfe gefragt.