Jenaer Software-Hersteller Intershop: Bessere Aussichten dank Mietmodell

Jena  Intershop setzt auf Angebote, bei denen Umsatz in kleineren Beträgen, aber regelmäßig kommt. Aktionären gefällt‘s.

Das Ende für die Intershop Communications AG im höchsten Gebäude Jenas ist absehbar. Ab Juni wird das Gebäude am Steinweg gebaut, wo künftig die Zentrale sitzen soll. Das Unternehmen will damit auch Geld sparen.

Das Ende für die Intershop Communications AG im höchsten Gebäude Jenas ist absehbar. Ab Juni wird das Gebäude am Steinweg gebaut, wo künftig die Zentrale sitzen soll. Das Unternehmen will damit auch Geld sparen.

Foto: Peter Michaelis

Beim Jenaer E-Commerce-Software-Hersteller Intershop Communications AG bessert sich die Stimmung. Das ist auf der Hauptversammlung des Unternehmens in der Jenaer Sparkassen-Arena am Mittwoch deutlich geworden. Obwohl das Unternehmen im ersten Quartal einmal mehr in die roten Zahlen rutschte, gewann die Mehrheit der Aktionäre den Eindruck, der gebeutelte Pionier für Software zum Handel über das Internet sei auf dem richtigen Weg.

Nachdem über mehrere Jahre oft von Cloud-Lösungen oder Software as a Service (SaaS) gesprochen wurde, will man es nun so richtig wissen. Schon 2020 soll fast die Hälfte des Umsatzes auf diesem Wege zustande kommen. Dieses stärker werdende Geschäftsmodell funktioniert wie folgt: Ein Kunde schließt einen Vertrag mit den Jenaern ab und bekommt über einen definierten Zeitraum, etwa 36 oder 48 Monate, Software und Dienstleistungen der Firma zur Verfügung gestellt. Er kauft keine Lizenz für einen sechsstelligen Euro-Betrag, sondern bezahlt monatlich für die Nutzung. Auch nötige Anpassungen für die Erfordernisse eines Kunden sollen schneller gehen.

2019 droht eine Delle beim Umsatz

Die Vergütung, so erläuterte Vertriebs- und Marketing-Vorstand Axel Köhler, funktioniere tatsächlich pro Monat und orientiert sich an bestimmten Umsatzschwellen. Wer die überschreitet, muss tiefer in die Tasche greifen. Man habe sich jedoch dagegen entschieden, vom Kunden anteilig je nach dessen Umsatz bezahlt zu werden.

So erwartet Vorstandschef Jochen Wiechen in diesem Jahr einen steigenden Umsatz, weil noch immer viele Kunden eine klassische Lizenz und anschließend auch Serviceleistungen beziehen. Im kommenden Jahr aber, so die Erwartung, werde dieses Geschäft spürbar abnehmen. Weil aber im neuen Mietmodell der Umsatz nicht sofort kommt, sondern über Jahre in kleineren Schritten fließt, rechnet er 2019 mit einem vorübergehenden Rückgang der Erlöse.

Zur Überbrückung will man sich die Option offenhalten, eine weitere Kapitalerhöhung zu vollziehen. Derzeit gibt es etwa 31,7 Millionen Aktien. Der Vorstand wollte sich die Option ermöglichen, bis zu 9,5 Millionen weitere Anteilsscheine auszugeben, um damit Kapital für weitere Investitionen zur Verfügung zu haben. 84,6 Prozent der Aktionäre – etwa ein Drittel des Kapitals war auf der Hauptversammlung vertreten – stimmten dafür. Bereits am Dienstag hatte die Firma bekanntgegeben, dass man ein ähnliches Unterfangen durchgeführt hatte, wenn auch in kleinerem Maße. Mehr als drei Millionen Aktien sind gezielt an Investoren verkauft worden zum Preis von 1,62 Euro. Damit steigt die Zahl der Aktien auf knapp unter 35 Millionen.

Der Widerspruch von Seiten der Aktionäre hielt sich in Grenzen. Zwar gab es Beifall für kritische Äußerungen gerade von langjährigen Aktionären, deren Einstiegspreis auch nach dem seit vergangenem Jahr gestiegenen Kurs noch längst nicht erreicht ist. Doch auch Vorstand und Aufsichtsrat erhielten Beifall – in den vergangenen Jahren keine Selbstverständlichkeit. Doch bei aller Harmonie wurden auch drängende Probleme angesprochen: So war zu erfahren, dass es auch für Intershop angesichts zahlreicher Firmen in der selben Branche in Jena schwieriger werde, gute Fachkräfte zu finden: „Es gibt einen Kampf um Talente. Wir werden auch von Wettbewerbern direkt angegriffen“, so Wiechen. Wenn die Geschäfte jedoch wie erwartet besser laufen, dürfte der Wettbewerb um die besten Köpfe der einst schwächelnden Firma wieder leichter fallen.

An anderer Stelle könnten die Kosten durch einen neuen Firmensitz sinken. Etwa 100 000 Euro Miete pro Jahr gegenüber dem „Jentower“ will man im neuen Domizil am Steinweg sparen. Anfang Juni wird Spatenstich für das Gebäude sein.

Zahlen im Überblick

Die Intershop Communications AG entwickelt und vertreibt Software, die für den Handel im Internet genutzt wird. Zuletzt hat man vor allem Großhändler als Kunden in den Fokus gerückt, die ihre Waren an andere Unternehmen verkaufen – sogenanntes Business-to-Business-Geschäft. Ende 2017 hatte Intershop mit Hauptsitz in Jena nach Angaben des Vorstands 338 Mitarbeiter. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen 35,8 Millionen Euro Umsatz – eine Steigerung von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich stand unterm Strich ein kleiner Gewinn vor Zinsen und Steuern. Dafür soll es auch in diesem Jahr reichen.