Junges Unternehmen aus Obermehler stellte Tragflieger vor

Obermehler (Unstrut-Hainich-Kreis). Das junge Unternehmen GGC will im November den ersten Tragflieger verkaufen. Zur endgültigen Zulassung fehlen noch einige Flugstunden. Mit dem ultraleichten Gyrocopter kommt man mit nur einer Tankfüllung Superbenzin zu jedem Flugplatz in Deutschland, so der Geschäftsführer.

Groß war das Interesse an dem am Freitagnachmittag vorgestellten ersten Tragflieger, der in Obermehler gefertigt wurde. Die im Jahr 2011 gegründete GGC GmbH zählt derzeit neun festangestellte Mitarbeiter. Foto: Jens König

Groß war das Interesse an dem am Freitagnachmittag vorgestellten ersten Tragflieger, der in Obermehler gefertigt wurde. Die im Jahr 2011 gegründete GGC GmbH zählt derzeit neun festangestellte Mitarbeiter. Foto: Jens König

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Der künstlich erzeugte Nebel verschwand - und gab den Blick frei auf den ersten Gyrocopter aus dem Hause GGC. Der stand im Hangar auf dem Flugplatz in Obermehler, "Vor sechs Jahren war die Idee dazu mitten in der Wüste Marokkos entstanden. Dass man einen Flugplatz braucht, der so gelegen ist, dass man mit den Probeflügen niemanden stört, war für mich so etwas wie die Heimfahrkarte."

Ronald Schoppe (43), aufgewachsen in Görmar, arbeitete 13 Jahre lang für Volkswagen - auch im Ausland. Seit 2011 ist er Geschäftsführer der Firma GGC. Die stellte am Freitagnachmittag ihren ersten Gyrocopter "Rotorvox C2A" vor.

Schulgebäude soll mit genutzt werden

Gefertigt wurde die Nullserie des Tragschraubers in der ehemaligen Turnhalle der Schule in Obermehler. Dort ist das Unternehmen heimisch - und trägt sich dennoch bereits mit den konkreten Gedanken, sich zu erweitern. Der Bauantrag für den Umbau des Schulgebäudes sei bereits abgegeben.

Im Erdgeschoss der Schule sollen die Vormontage und die Produktion stattfinden, soll das Lager Platz finden, so dass die Turnhalle allein der Endmontage vorbehalten bleibt, wagte Schoppe im Gespräch mit unserer Zeitung einen Blick voraus. Weitere 1,8 Millionen Euro werde der Umbau kosten.

Die ersten Flüge hat der Gyrocopter bereits hinter sich - alle mit Start und Landung in Obermehler, keiner länger als eine Viertelstunde. "Derzeit haben wir nur eine vorläufige Verkehrszulassung. Damit daraus eine endgültige Zulassung wird, brauchen wir insgesamt 150 Flugstunden", so der Geschäftsführer. Erst dann könne der Gyrocopter ausgeliefert werden.

Bisher liegen Schoppe und seinem Neun-Mann-Team - in den vergangenen Wochen wurden noch ein Techniker und ein Kfz-Meister eingestellt - "zwei ernst zu nehmende Anfragen aus dem Raum Nürnberg" vor.

Dass es nicht mehr sind, beunruhigt den Mühlhäuser nicht. "Wir haben unser Vorhaben bewusst lange geheim gehalten, um nicht die Konkurrenz auf den Plan zu rufen." Erst jetzt wolle man die Anstrengungen für das Marketing intensivieren. Die erste Auslieferung des Gyrocopters "Rotorvox C2A" erwartet er für November.

140.000 Euro netto werde wohl der ultraleichte aus Carbon gefertigte Gyrocopter kosten. Mit ihm kommt man von Obermehler aus mit nur einer Tankfüllung Superbenzin zu jedem Flugplatz in Deutschland.

Thüringens Wirtschaftsminister Uwe Höhn (SPD) sieht die Entwicklung der 2011 gegründeten GmbH als Beispiel für die Innovation in Thüringen. Sein Vorschlag: "Wenn schon alles ‚made in Thüringen‘ ist - warum heißt der Tragflieger statt Gyrocopter nicht Thürocopter?"

Vision eines viersitzigen Gyrocopters

Landrat Harald Zanker (SPD) lobte die "perfekten Bedingungen vor Ort" mit dem Flugplatz, dem erschlossenen Gewerbe- und Mischgebiet und den Zulieferern von Schweiß- und Frästeilen. Dass der Weg von der Vision bis zum Vorstellen des Prototypen durchaus nicht leicht war, weiß auch Matthias Wirlacher, Vorstand der Thüringer Aufbaubank. Auch in seinem Hause habe mancher, als Schoppe seinerzeit seine Pläne vorstellte, gedacht: Wieder so eine verrückte Nummer, erzählte er gestern in Obermehler.

Doch die nächste "verrückte Nummer" hat Schoppe schon im Kopf - einen viersitzigen Gyrocopter. "Noch ist es nicht mehr als eine Vision. Ich kann ja meine Gesellschafter und Geldgeber nicht noch mehr verwirren." Der Markt sei vorhanden, "und mit einer der angekündigten Gesetzesänderung ist das auch realisierbar."

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