Keine Annäherung: Gewerkschaft kündigt erste Warnstreiks in Thüringen an

Eisenach  IG Metall-Chef nennt Angebot unzureichend. Arbeitgeber sprechen von fairer Beteiligung und einem realen Lohnplus

Die IG Metall hat ihre Wünsche für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hoch aufgehängt. Die Arbeitgeber sind nicht bereit, darauf einzugehen und haben einen eigenen Vorschlag gemacht.

Die IG Metall hat ihre Wünsche für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hoch aufgehängt. Die Arbeitgeber sind nicht bereit, darauf einzugehen und haben einen eigenen Vorschlag gemacht.

Foto: Marijan Murat

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie in Thüringen stehen die Zeichen auf Streik. In der zweiten Verhandlungsrunde in Eisenach hat es keine Annäherung gegeben. „Das Angebot der Arbeitgeber ist auch in Thüringen keine wirklich ernstzunehmende Verhandlungsbasis. 200 Euro Einmalzahlung für drei Monate und dann eine Steigerung der Entgelte um 2 Prozent sind ein großer Widerspruch zur hervorragenden Gewinnsituation der Branche. Das kann ich, das können unsere Mitglieder nicht als ernsthaftes Angebot verstehen“, sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall und deren Verhandlungsführer.

Die Anliegen der Beschäftigten zum Recht auf zeitweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit scheine den Arbeitgebern völlig egal, würden stattdessen als Nichtstun, für das es jedenfalls kein Geld geben werde, diffamiert. „Im Gegenteil: Die Arbeitgeber knüpfen ihr Angebot zur Erhöhung der Entgelte an die Möglichkeit zur Verlängerung statt Verkürzung der Arbeitszeiten. Damit verschärfen sie die Tarifverhandlungen völlig unnötig“, so Köhlinger.

Die Friedenspflicht endet zum 31. Dezember 2017. Da die dritte Verhandlung erst im Januar stattfindet, wird die IG Metall ab Januar die Thüringer Metallbetriebe zu Warnstreiks aufrufen, kündigte Köhlinger an.

Obwohl die IG Metall die Manteltarifverträge gekündigt und damit die Verhandlungen unnötig verschärft habe, seien die Arbeitgeber an einer raschen Einigung und einem lösungsorientierten Verlauf der Verhandlungen interessier, erklärte der Verband der Metall- und Elektroindustrie. Man habe bereits in der zweiten Verhandlung für die 17 200 Beschäftigten der Branche in Thüringen und damit noch innerhalb der Friedenspflicht – ein Angebot vorgelegt.

Verhandlungsführer Thomas Kaeser verwies darauf, dass das Angebot spürbar über dem liege, worauf sich andere Branchen für 2018 verständigt hätten. Zudem werde die gesamtwirtschaftliche Produktivität, also das, was zusätzlich erwirtschaftet werde, im kommenden Jahr um nur 1,2 Prozent steigen. „Wir haben ein Angebot auf den Tisch gelegt, das deutlich über dem liegt, was an Zuwachs erwartet wird. Das Angebot ist die versprochene faire Beteiligung unserer Beschäftigten und bedeutet erneutes Reallohnplus“, sagte Kaeser.

„Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich modernere und flexiblere Arbeitszeiten wünschen, geht das nur, wenn beide Tarifpartner weiter guten Willen zeigen. Die Arbeitszeit auch bedarfsorientiert und bezahlt erhöhen zu können, geht natürlich nur im beiderseitigen Einvernehmen. Im Gegenzug sollte es für die Beschäftigten möglich sein, zur Normalarbeitszeit zurückzukehren“, sagte Verhandlungsführer Kaeser. Derzeit gehe das nur für bis zu 13 Prozent der Beschäftigten. Die Umfrage der IG Metall habe gezeigt, dass gerne mehr Arbeitnehmer davon Gebrauch machen möchten, so Kaeser weiter. „Es ist nicht einzusehen, dass der Tarifvertrag diesen untersagt, deutlich mehr Einkommen zu erzielen. Die 13-Prozent-Quote muss also geöffnet werden. Die anderen 87 Prozent sollten auch die Chance haben, mehr zu verdienen. Was aber gar nicht geht, sind ungerechte, diskriminierende und rechtswidrige Teilentgeltausgleiche für reduzierte Arbeitszeit“, sagte Thomas Kaeser. Am 19. Januar werden die Verhandlungen fortgesetzt.

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