Krach im MDR: Wird Thüringen zum Verlierer der Sender-Reform?

Erfurt  Erfurt. Regierung sieht Sachsen und Sachsen-Anhalt bevorteilt. Heute findet eine Krisensitzung der Rundfunkräte mit Intendantin in Erfurt statt.

Für Thüringen sind Investitionen kaum vorgesehen. Foto: Marco Kneise

Für Thüringen sind Investitionen kaum vorgesehen. Foto: Marco Kneise

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Thüringen wird bei der geplanten Strukturreform des MDR zusätzlich benachteiligt. Dies befürchten neben der Landesregierung und der Opposition auch die hiesigen Rundfunkräte. Auf einer Sondersitzung in Erfurt wollen sie heute gegenüber Intendantin Karola Wille ihren Protest formulieren.

„Ich erwarte, dass auch der Standort Thüringen fair, substanziell und nachhaltig beteiligt wird“, sagte Medienstaatssekretär Malte Krückels (Linke). „Derzeit kann ich das leider noch nicht erkennen.“ Es könne nicht sein, dass vor allem Sachsen und Sachsen-Anhalt profitierten. „In einer Drei-Länder-Anstalt müssen alle drei Länder gleichberechtigt stattfinden.“ Darauf dränge Thüringen.

Der MDR produziert bisher – jenseits der Landesfunkhäuser in Erfurt, Dresden und Magdeburg – sein zentrales Fernsehprogramm im sächsischen Leipzig. Die länderübergreifenden Radioprogramme kommen aus Halle (Sachsen-Anhalt).

Da inzwischen auch viel online produziert wird, will man nun das Programm inhaltlich aufteilen. Das Stichwort lautet Trimedialität: Fernsehen, Radio und das Internet-Angebot sollen aus einer Hand kommen. Das Nachrichtengeschäft wird deshalb in Leipzig gebündelt, wo nun etwa Kapazitäten für „mdr info“ entstehen müssen, das bisher aus Halle sendet.

Zwölf Millionen werden investiert – nicht in Erfurt

Das Kulturprogramm will man dafür vollständig in Halle konzentrieren, weshalb dort neue Fernsehstudios entstehen sollen. Zudem wird dort gerade ein neues digitales Kinderradio entwickelt.

Die MDR-Zentrale teilte auf Nachfrage mit, dass noch nichts offiziell beschlossen sei. Allerdings wird im Sender eine Investitionssumme bis zu zwölf Millionen Euro gehandelt, die vor allem nach Halle fließen soll.

Für Thüringen plant man hingegen vor allem interne Veränderungen in der Führungsstruktur, die bereits teilweise umgesetzt wurden. Investitionen sind kaum vorgesehen. Einzige ernsthafte Ausnahme: Nach TA-Informationen hat Wille vor, Thüringen eine Schlagerwelle mit einem jährlichen Budget von 500 000 Euro anzubieten.

Im Rundfunkrat stößt dies laut Mike Mohring auf Unverständnis. Der CDU-Landes- und Fraktionschef ist Mitglied des Aufsichtsgremiums. „Es kann nicht sein, dass das Geschäft nur zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen abläuft“, sagte er unserer Zeitung. „Ich hoffe, dass die Intendantin nicht mit leeren Händen kommt.“

Funkhausdirektor Werner Dieste verwies hingegen darauf, dass der Online-Bereich in Erfurt gestärkt worden sei. Zudem sei die Förderung der Medienkompetenz eine neue Aufgabe des MDR, die gerade in Erfurt angesiedelt werde.

DGB-Landeschef und Rundfunkrat Sandro Witt hält dies für ungenügend. „Ich sehe nicht, wie Thüringen da gestärkt heraus gehen soll“, sagte er. „Halle und Leipzig stehen im Fokus.“ Es gehe um Programmanteile und Produktion in Erfurt.

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