Landwirtschaft der Zukunft stärkt in Thüringen biologische Vielfalt

Dermbach.  Acht Agrarbetriebe in Thüringen nutzen eine neue Anbautechnologie. Felder verlieren dadurch weniger Wasser. Doch das ist nicht der einzige Effekt im Interesse des Natur- und Umweltschutzes.

Das Aussaatteam mit Johannes Groth, Robin Weber und Wolfgang Nürnberger (von links) im Einsatz auf einem Feld in Dermbach. 

Das Aussaatteam mit Johannes Groth, Robin Weber und Wolfgang Nürnberger (von links) im Einsatz auf einem Feld in Dermbach. 

Foto: Bernd Jentsch

Auf drei Feldern der Agrargenossenschaft Rhönland wächst über insgesamt 52 Hektar Raps. Nicht ungewöhnlich für einen Thüringer Landwirtschaftsbetrieb, neu ist allerdings das Aussaatverfahren, welches auf diesem Acker zum Einsatz kommt. Von der künftigen „Präzisionslandwirtschaft“ spricht der Unternehmer Wolfgang Nürnberger aus Rastenberg im Landkreis Sömmerda, wenn er das Verfahren erläutert. Er ist der Chef der Fachagentur für Bodenbearbeitung, Saat und Pflanzenschutz. „Wir verzichten dank der neuen Technik auf die bisher übliche Bearbeitung der Böden nach der Ernte“, sagt Nürnberger. Lediglich auf einem schmalen Streifen wird das Saatgut ausgebracht, gleichzeitig organisch oder anorganisch gedüngt und anschließend der Boden wieder verfestigt.

Die Felder werden nur noch auf sogenannten Fahrgassen befahren, man vermeidet ein permanentes Verdichten und späteres Auflockern der Böden und gibt der Natur die Möglichkeit, sich zu entfalten. Automatische Lenksysteme, die auf satellitengestützte Navigationssysteme zurückgreifen, die wesentlich präziser sind als die in normalen Autos, ermöglichen das Vorgehen.

Von Technik und Verfahren begeistert

Er sei von der Technik und dem Verfahren begeistert, bestätigt Robin Weber. Der Student der Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Neubrandenburg war den gesamten Sommer und Herbst über bei dem Projekt im Einsatz. Mit dem großen Traktor sind Weber, sein Kommilitone Johannes Groth und Wolfgang Nürnberger zwischen den acht beteiligten Unternehmen gependelt.

„Wir haben Raps ausgesät in Andisleben, Mechterstädt, Windehausen, Großrudestedt, Zeulenroda, Dittersdorf, Dermbach und Pfersdorf“, berichtet Weber. Andernorts kamen Roggen oder Triticale in die Felder. Immer unter Einsatz der neuen Technologie. Er habe durch eine Ausschreibung im Internet davon erfahren, dass hier Interessierte für die Mitwirkung an einem landwirtschaftlichen Zukunftsprojekt gesucht werden, berichtet der Student aus Hildesheim. „Ich bin schon länger an dem Vorhaben beteiligt, Johannes ist dieses Jahr zum Team dazu gestoßen“, sagt Weber.

Feldern wird weniger Wasser entzogen

Die acht beteiligten Betriebe haben eine genaue Fruchtfolge für ihre jeweiligen Ackerflächen festgelegt, sagt Nürnberger. Man bringe Mais, danach Weizen und schließlich Raps auf den Böden aus, ebenso wie Zwischenfrüchte. Durch die streifenförmige Bearbeitung kann sich der Boden erholen, das stärke die biologische Vielfalt, versichert Nürnberger. „Die Regenwürmer vermehren sich endlich wieder“, freut sich der Unternehmer. Doch das ist nicht der einzige Effekt im Interesse eines verbesserten Natur- und Umweltschutzes. Das neue System ermögliche es, zwischen 30 und 50 Prozent weniger Diesel zu verbrauchen als bei einer herkömmlichen Bodenbearbeitung. Zugleich wird den Feldern weniger Wasser entzogen, gerade angesichts der Klagen der Landwirte über die Trockenheit der letzten Jahre ein entscheidender Vorteil, so Nürnberger.

Positive Entwicklung erkennbar

Drei Jahre lang bearbeiten er und sein Team in den beteiligten acht Agrarbetrieben immer die gleichen Felder. Deren positive Entwicklung sei bereits erkennbar, die Chefs der Genossenschaften voll des Lobes. „Ich habe mir das vor ein paar Wochen in Polen angesehen, wo die Technologie bereits seit einiger Zeit eingesetzt wird, die biologische Vielfalt in den Böden ist beeindruckend“, erklärt Nürnberger.

Durch den nachweislich zielgerichteten Aufbau von Humus leisten die Böden demnach zusätzlich einen bedeutenden Beitrag der Landwirtschaft zur Bindung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Zudem würden die landwirtschaftlichen Unternehmen in erheblichem Umfang finanziell entlastet, weil sie einen verkleinerten Maschinen- und Anlagenpark benötigen, im Vergleich zur bisherigen konventionellen Bodenbearbeitung.

Test auf Feldern im Freistaat aufmerksam verfolgen

Als ein Werkzeug eines großen Instrumentenkastens, mit dem die Thüringer Landwirte auf die Trockenheit reagieren, bezeichnet Andre Rathgeber vom Thüringer Bauernverband die Technologie. „Das Stroh bleibt rechts und links des bearbeiteten Streifens auf den Feldern liegen, das erleichtert den Humusaufbau“, so Rathgeber.

Zudem werde weiniger Wasser aus dem Acker verdunstet, das schone die Böden, ermögliche darin einen Wasserspeicher und schütze vor Erosion und Ausspülungen bei Starkregenereignissen.

Er habe sich in Polen ein Bild davon machen können, wie sich die Technologie vorteilhaft für die Landwirte auswirken kann. „Allerdings haben die Bauern in Polen andere Voraussetzungen als unsere Landwirte“, erklärt Rathgeber. Im östlichen Nachbarland seien leichte, sandige Böden typisch, in Thüringen dagegen eher schwere, lehmhaltige Böden. Deshalb müsse man den derzeitigen Test auf Feldern im Freistaat aufmerksam verfolgen und genau auswerten, so Rathgeber.