Lederhosen aus Lederhose: 25-Mio-Investition und 300 Jobs für Produktion und Freizeitpark geplant

Münchenbernsdorf  Zwei österreichische Projektentwickler stellen die Idee einer Lederhosen-Produktion mit Freizeitpark vor. Doch es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden.

Vor einer Weile hing sie noch etwas verschämt am Ortsschild. Geht es nach den österreichischen Visionären, soll der einzigartige Ortsname künftig Programm sein. Archivfoto: Marcel Hilbert

Vor einer Weile hing sie noch etwas verschämt am Ortsschild. Geht es nach den österreichischen Visionären, soll der einzigartige Ortsname künftig Programm sein. Archivfoto: Marcel Hilbert

Foto: Marcel Hilbert

Das passende Beinkleid zum Anlass hatte sich Andreas Weber (FWG Pro Kommune) am Mittwochabend schon einmal ausgesucht. Der Bürgermeister von Lederhose kam in selbiger ins Kulturhaus von Münchenbernsdorf. Die „Lederhose aus Lederhose“ war aber nicht nur ein Gag am Rande, sondern tatsächlich Programm der Veranstaltung von CDU Münchenbernsdorf und der Mittelstandsvereinigung der Union. Vor gut 70 Gästen stellten zwei Gäste aus Österreich ihre Idee vor, wie aus dem ungewöhnlichen Ortsnamen Kapital für Investoren und die Region geschlagen werden kann.

Lederhosen-Marke bereits geschützt

„Es gibt auf der ganzen Welt nur einen Ort Lederhose, aber weltweit werden Lederhosen getragen“, sagten die aus dem Raum Salzburg stammenden Projektentwickler Kevin Dax (27), Chef des Unternehmens „Start Up Dax“, und sein „Stratege“ Erwin Roth (65). Ihre Vision, die sie bereits seit einem Jahr verfolgen: Sie wollen in Lederhose Lederhosen produzieren. Nicht nur jene Trachten, die man sofort assoziiert, sondern Hosen aus Leder in allen Formen und Farben, erklärt Roth, stellt aber klar, dass die angedachte Produktion keine eigene Gerberei einschließe. Die Produkte sollen vom künftigen Firmensitz in Lederhose ohne Zwischenhandel direkt an den Endkunden gebracht werden, so dass großer Fokus auf Onlinehandel liegt.

„Original Lederhosen aus Lederhose“, das soll nicht nur Programm sein, sondern ist bereits eingetragene und geschützte Marke der Österreicher, ebenso wie die zugehörigen Internetseiten. Um diese Marke zu stärken, erklärt Kevin Dax, gibt es den zweiten, wesentlich progressiveren Teil des Projektes: Ein Freizeitpark – Arbeitstitel „Lederhosen World“. Orientiert an „Karls Erdbeerhof“ sieht die Idee vor, ein Fachwerkdorf zu errichten, in dem 365 Tage im Jahr jeweils von 9 bis 21 Uhr neben dem Werksverkauf Indoor-Fahrgeschäfte, ein ständiges Oktoberfest-Bierzelt, ein Hotel mit 50 Betten sowie ein lebendiges Museum, das traditionelles Handwerk zeigt, locken sollen. „Tradition trifft Moderne“, ist laut Erwin Roth ein Leitmotiv.

25-Millionen-Investition, 300 Arbeitsplätze

In der anschließenden Fragerunde ist von bis zu 300 Arbeitsplätzen – Produktion, Logistik, Administration, Gastronomie, Verkauf und so weiter – die Rede, die man, so Roth auf Nachfrage, natürlich zuerst in der Region akquirieren werde, „auch wenn dies ein Ringen wird“.

Auf 25 Millionen Euro schätzen die Ideengeber das Investitionsvolumen, privates Geld, versichert Erwin Roth. Als Investoren hofft man noch vor etwaigen Finanzinvestoren auf die Modebranche, sagt Kevin Dax. Und Erwin Roth erklärt, dass Freizeitparks für Investoren ein hochprofitables Geschäft seien.

Bevor hier jedoch die nächsten konkreten Schritte gegangen werden könnten, hänge derzeit alles an den Grundstücken für das zwischen 12 und 13 Hektar beanspruchende Projekt. Ins Auge gefasst habe man den Bereich rund um die Autobahn-Abfahrt „Lederhose“. Und hier speziell das gemeinsame Gewerbegebiet der Gemeinde und der Stadt Münchenbernsdorf. Jedoch, „hier kneift es ganz gewaltig“, sagt Erwin Roth: „Wir sind in intensiven, teils schwierigen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.“

Daran hänge derzeit alles, danach brauche es ein raumordnerisches Verfahren, wie ein Termin mit dem Landesverwaltungsamt ergab, sagte Bürgermeister Andreas Weber, der wie sein Münchenbernsdorfer Pendant Andreas Stehfest (Pro Kommune) von Beginn an in die Gedankenspiele der Österreicher involviert gewesen sei. Stehfest, der im Publikum den Abend verfolgte, hätte persönlich nichts gegen die Investition, sagt er. Die große Aufgabe sei es aber nun, das Eigentum an den Flächen zu erlangen. Dabei geht es auch, aber laut ihm nicht nur, um landwirtschaftlich genutzte Flächen der Agrar-Genossenschaft, deren stellvertretender Vorstandschef er ist.

Verhandlungen zu Grundstücken laufen

Andreas Weber jedenfalls scheint Feuer und Flamme für das Lederhosen-Projekt zu sein, sieht darin eine große Chance für seinen Ort und die ganze Region. Das hob auch Kurt Dannenberg (CDU) hervor, der als Mitglied der Mittelstandsvereinigung den Abend moderierte, dem als Geraer Bürgermeister aber an einer starken Region gelegen sei. Ulli Schäfer (CDU) betonte vor allem die grundsätzliche Bereitschaft, Investoren anzulocken, um Einnahmen, auch für den Erhalt der freiwilligen Angebote, zu generieren und nicht vom Land abhängig zu sein. Es gehe darum, Mut zu beweisen und sich nicht in ein paar Jahren vorwerfen lassen zu müssen, man hätte es nicht versucht.

Ähnlich sah es Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). Die Involvierten sollten nicht nach Hinderungsgründen suchen, sondern nach Wegen, möglich zu machen. Sie erinnerte an die Überzeugungsarbeit, die damals neue A9-Abfahrt tatsächlich „Lederhose“ nennen zu dürfen, heute ein Blickfang an der wichtigen deutschen Nord-Süd-Achse. Und sicher ein Argument für die österreichischen Projektentwickler. Die Region muss es wollen, erklärte die Landrätin, dann werde man eine Ansiedelung in ihrem Hause aktiv begleiten und unterstützen.

Meine Meinung