LEG Thüringen kauft Bahnhof Apolda für Studentenprojekte

Apolda. Mit einem Paukenschlag ging am Freitag das Monate währende Tauziehen um den Sitz der Geschäftsstelle der Internationalen Bauausstellung (IBA) im Apoldaer Bahnhof zu Ende: Die Geschäftsstelle kommt entgegen mehrfacher Zusicherung, auch durch Thüringens Ministerpräsidentin, doch nicht nach Apolda.

An die Gäste Mike Mohring (v.l.), Christian Carius, Engelbert Lütke Daldrup und Frank Krätzschmar verteilte Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand (M.) nach der Unterzeichnung Schlipse in den Stadtfarben Apoldas. Foto: Peter Hansen

An die Gäste Mike Mohring (v.l.), Christian Carius, Engelbert Lütke Daldrup und Frank Krätzschmar verteilte Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand (M.) nach der Unterzeichnung Schlipse in den Stadtfarben Apoldas. Foto: Peter Hansen

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Im Gegenzug wird das IBA-Engagement rund um den Bahnhof enorm erweitert - sowohl finanziell als auch räumlich. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde im Rathaus zwischen Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand (FWW), Bauminister Christian Carius (CDU), dem Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), Frank Krätzschmar, dem Geschäftsführer der IBA Thüringen GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, und dem Fraktionschef der CDU im Landtag, Mike Mohring, unterzeichnet.

Kernpunkt der Vereinbarung ist die Wiederbelebung des Bahnhofs Apolda und seines rund 1,4 Hektar großen unmittelbaren Umfeldes. Entgegen den bisherigen Intentionen wird die LEG den Bahnhof und sein Umfeld kaufen, und zwar noch in diesem Frühjahr. Das Bahnhofsgebäude wird bis zum Sommer 2015 saniert und zu einem "IBA Campus.Lab" aus- und umgebaut. Dazu gehören eine Studentenwerkstatt mit Arbeitsflächen und Studentenappartements. In den Bahnhof einziehen solle zudem die Geschäftsstelle der noch zu gründenden Apoldaer Landesgartenschau-Gesellschaft.

Das Geld für die denkmalgerechte Sanierung des Bahnhofsgebäudes soll vom Thüringer Bauministerium und von der Stadt Apolda kommen. In diesem Zusammenhang will die LEG auch die Erschließungsflächen an die Stadt übertragen - im Klartext: Auch das letzte Stückchen Bahnhofstraße wird öffentlich gewidmet und kann dann endlich ausgebaut werden. Die Bahn als bisherige Eigentümerin hat sich um deren Zustand nicht gekümmert.

Insgesamt zwölf Punkte umfasst die Absichtserklärung. Sie zielt aber noch weit über das unmittelbare Bahnhofsumfeld hinaus. So sollen die Restflächen des ehemaligen Güterbahnhofs und auch die Industriebrache zwischen Sulzaer Straße und Flurstedter Marktweg, also das Ex-Nori-Gelände, "funktional und gestalterisch aufgewertet" werden. Wer dort was wie finanziert, lässt die Erklärung offen. Wörtlich heißt es: "Das TMBLV (Bauministerium - d. Red.) und die Stadt Apolda beabsichtigen die Begleitung dieser Maßnahmen durch Mittel aus der Städtebauförderung." Überhaupt wurden gestern noch keinerlei Investitionssummen genannt.

In das Projekt IBA-Bahnhof Apolda wird auch das ehemalige Weimarwerk - zuletzt genutzt durch die inzwischen insolvente Firma Rotationssymmetrisch Teile (RST) - einbezogen. Die wohl jüngste der Apoldaer Industriebrachen umfasst insgesamt 2,2 Hektar. Hier sollen die Studenten den Bestand aufnehmen und neue Nutzungsideen entwickeln.

Auch weit über die Landesgartenschau 2017 hinaus, nämlich bis ins Jahr 2024, soll der IBA-Bahnhof Apolda segensreich für die Stadt wirken. So soll die Fläche der Kernzone 1 der Landesgartenschau, also das Areal zwischen Bernhardstraße und Bahnhofstraße, nach der Landesgartenschau zu einem "Wohnstandort am Park" weiterentwickelt werden.

Die Beteiligten an der Unterzeichnung der Willenserklärung gaben sich am Freitag euphorisch. Mike Mohring sprach von einem "weiteren großen Tag für meine Heimatstadt", und für Rüdiger Eisenbrand war das Ereignis nur vergleichbar mit dem Tag, an dem die Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau erhielt.

Und die IBA-Geschäftsstelle für Apolda? Bauminister Carius gab auch nach zweimaliger TA-Nachfrage, was gegen die bereits mehrfach (auch von ihm) zugesicherte Geschäftsstelle im Bahnhof spräche, nur Erklärungen ab, keine Begründung. Die Aussage von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die Geschäftsstelle sei "das Mindeste für Apolda" wurde flugs uminterpretiert: Lieberknecht, so Carius, habe immer nur davon gesprochen, "Geschäftsstelle oder mehr". Und da Apolda nun mehr bekomme, sei das doch Antwort genug.

Gerüchte indes reden seit langem davon, dass Lütke Daldrup die Verlegung der Geschäftsstelle nach Apolda schlichtweg abgelehnt habe.

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