Lindenhof in Nordhausen soll abgerissen werden

Die Stadt Nordhausen will im Frühjahr einen Abbruchantrag für die Villa stellen und erwägt eine bauliche Nutzung des noch denkmalgeschützten Parks.

Es ist kein Dornröschenschlaf, in den der Lindenhof 1996 gefallen war. Denn ins Gebäude zieht wohl nie wieder Leben, der Abriss ist geplant. Foto: Marco Kneise

Es ist kein Dornröschenschlaf, in den der Lindenhof 1996 gefallen war. Denn ins Gebäude zieht wohl nie wieder Leben, der Abriss ist geplant. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Als Vermieter auf dem Wohnungsmarkt hat sich das Südharz-Klinikum längst etabliert: Für die Seniorenwohnungen im Achtgeschosser am August-Bebel-Platz gibt es Wartelisten, groß ist das Interesse an ähnlichen, insgesamt 31 Ein- und Zweiraum-Wohnungen, die derzeit im früheren Kinder- und Jugendsanatorium entstehen.

Doch damit nicht genug: 10 000 Quadratmeter groß ist das unternehmenseigene Areal hinter dem markanten Backsteinbau in der Alexander-Puschkin-Straße, viel Platz ist hier für Neubauten. Entsprechende Bebauungspläne liegen seit 2012 in der Schublade, sagt Klinikums-Geschäftsführer Guido Hage.

Demnach könnte mittelfristig etwa ein Dutzend Häuser entstehen: parallel zur Lindenhof-Grundstücksgrenze oder parallel zur Straße – je nachdem, ob die Stadt zum Verkauf des Lindenhofs bereit ist, sagt Hage. Hat man den Lindenhof, würde man ihn gern in die Pläne einbeziehen: „Das Gebäude ist unter keinen Umständen zu halten, aber wir könnten den Park als Denkmal integrieren“, so Hage.

Ja, man habe der Stadt bereits im August einen Kaufantrag gestellt, bis dato aber keine Antwort erhalten.

Das liegt nicht daran, dass die Stadt noch immer an eine mögliche Sanierung der Villa glaubt – im Gegenteil: Im Frühjahr soll ein Abbruchantrag beim Landesamt für Denkmalpflege als Denkmalfachbehörde gestellt werden, erklärt Mario Manolow, Sachgebietsleiter Stadtsanierung und Denkmalschutz. Das Gebäude habe „einen Zustand erreicht, der eine wirtschaftliche Sanierung nicht mehr erwarten lässt. Wir werden uns daher in den nächsten Monaten der Problematik stellen müssen, ob der Denkmalschutz für Gebäude und Parkanlage noch aufrecht zu erhalten ist.“

Eine Rettung des Denkmals ist vom Tisch, eine Bebauung des Parks selbst gerät in den Blick. Manolow zufolge stehe im Falle der Denkmalstatus-Aberkennung die Frage, „ob das Grundstück unter anderen Voraussetzungen baulich genutzt werden kann. In diesem Fall ist eine städtebauliche Planung mit der damit verbundenen öffentlichen und politischen Diskussion erforderlich. Der zur letzten Ausschreibung festgestellte Verkehrswert wird den Wert des Grundstücks dann sicher nicht mehr widerspiegeln.“ Im Klartext: Bauland kann zu viel höheren Preisen verkauft werden. Es geht um immerhin 14 000 Quadratmeter.

2014 hatte die Stadt den Lindenhof ausgeschrieben, als Mindestgebot den Verkehrswert von 100 000 Euro verlangt, damals aber zugleich Sanierung und Nutzungskonzept gefordert.

Drei Interessenten hatten sich beworben, mit einem habe man „lange und intensive Verhandlungen“ geführt, die „auch unter denkmalpflegerischen wie wirtschaftlichen Aspekten zielführend erschienen“, so Manolow. Doch 2016 trat die Interessentin von ihrem Angebot zurück.

Das Südharz-Klinikum hatte sich an der Ausschreibung nicht beteiligt – damals sah man keine wirtschaftlich darstellbare Perspektive für die Villa, genau wie in den Jahren zuvor.

Das kommunale Unternehmen hatte der Stadt das Denkmal 2008 verkauft, war froh, einen Klotz am Bein losgeworden zu sein. Im Rathaus gab es damals Pläne für ein Gästehaus. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) mochte für eine Viertelmillion Euro zunächst das Dach der Villa sanieren, doch Linke und CDU sagten im Stadtrat Nein – von einer „Euro-Zerreißmaschine“ war die Rede angesichts von veranschlagten Gesamtsanierungskosten von 2,4 Millionen Euro.

Wie hoch der Betrag heute wohl sein müsste? Wie man zum aktuellen Kaufantrag des Südharz-Klinikums stehe? Zu solchen Fragen will sich die Stadt nicht öffentlich äußern, „auch im Interesse der Bieter“, so Manolow.

Festzuhalten bleibt, dass das Südharz-Klinikum nach der Wende, 1996, unter Geschäftsführer Antonius Pille große Pläne für die Villa hatte: Es war noch nicht klar, dass die benachbarte Kinderpsychiatrie in einen Neubau zieht, auch eine Seniorenresidenz war vorstellbar. Deshalb hatte man das Objekt Ende der 1990er-Jahre von der Oberfinanzdirektion für rund 300 000 D-Mark gekauft. Zwei Jahre hatte es damals leer gestanden, nachdem das Institut für Lehrerfortbildung 1996 ausgezogen war.

Die Vandalen wüteten, das Krankenhaus blieb untätig, hatte das Landesamt für Denkmalpflege doch gefordert, dass auch Nebengebäude und Wintergarten erhalten blieben. So schritt der Verfall voran. Bis heute.