Mindestlohn im Gastgewerbe: Dramen bleiben bislang aus

Ilm-Kreis. Thüringer Dehoga-Chefin: Weniger Gäste, steigende Preise, aber keine Entlassungen. Ideen in der Branche sind gefragt

Gudrun Münnich aus Eischleben ist Gastwirtin, Hotelfrau und auch Dehoga-Chefin. Foto: Antje Köhler

Foto: zgt

Es wurde der Untergang des Abendlandes - wieder einmal - beschworen, als der Mindestlohn am 1. Januar dieses Jahres Einzug in Deutschland hielt. Apologeten der Wirtschaft stimmten ihren Klagegesang an. Besonders sorgte man sich vorab um die Gastronomie. Es werde ein massenhaftes Sterben von Gaststätten, Hotels, Kaffeehäusern geben, wurde prophezeit. Und, was ist passiert, jetzt, da sich nach den apokalyptischen Voraussagen erste Pleiten abzeichnen müssten?

"Nichts ist passiert, die Beschäftigten haben mehr Geld in der Tasche, sie profitieren von der neuen Gesetzesregelung, es gibt auch keine Entlassungen." Das sagt Gudrun Münnich. Und einer Gudrun Münnich macht man in punkto Gastronomie und Hotelerie nichts vor. Die 60-Jährige betreibt das Hotel und Gasthaus Krone in Eischleben. seit über 25 Jahren mit viel Engagement und Erfolg.

Was letzten Endes mit ein Grund gewesen sein dürfte, sie zur Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Thüringen zu wählen. Sie beobachtet in ihrer Funktion den Markt ihrer Branche ganz genau und kann sich ein fundiertes Urteil erlauben.

Zum Beispiel als Geschäftsfrau. Sie zahle, selbstverständlich, Mindestlohn für ihre Belegschaft in der Krone in Eischleben. Das sei aber nicht der Grund, weswegen sie die Öffnungszeiten verkürzt habe.

Apokalyptische Voraussagen unzutreffend

Standen die Türen zum Gasthaus früher ab 11 Uhr bis gegen 23 Uhr offen, wird heute erst ab 17 Uhr bedient. Arbeiten müsse das Personal aber trotzdem nicht weniger und bekäme dadurch auch nicht weniger Geld. Aber der Aufwand bei sinkenden Gästezahlen sei weniger geworden. Weil das Mittagsgeschäft so gut wie gar nicht mehr geht, wurde es abgeschafft. Das habe aber nichts mit dem Mindestlohn zu tun.

Gründe dafür sieht die Dehoga-Chefin, nicht nur bei ihrem eigenen Unternehmen, eher im Geiz der Deutschen, wenn es ums Essen geht. Viel auf dem Teller, wenig auf der Rechnung, so hätte man es gern. "Geiz ist geil" - der selbstzerstörerische Werbeslogan hat längst auch die Gastronomie erfasst. Was Gudrun Münnich aber beobachtet hat, ist, dass mancher Gastwirt den geldwerten Vorteil für seine Mitarbeiter gekürzt hat, seit er Mindestlohn zahlen muss.

Soll heißen, die Gutscheine, Mahlzeiten oder andere Gratifikationen wurden zurückgefahren. "Ich bin aber überzeugt, dass unsere Mitglieder gern den Mindestlohn zahlen", sagt die Fachfrau. Selbst wenn dadurch die Kosten gestiegen seien. Auch für die Gäste. Aber gutes Personal bekommt man nicht zum Nulltarif. Von nichts kommt eben nichts.

Erste Zahlen gebe es schon, so Gudrun Münnich. So seien wegen des Mindestlohns in der Hotelerie die Preise um 9 Prozent, in der Gastronomie allgemein um 13 Prozent und in der Gastronomie kleinerer Regionen sogar um 20 Prozent gestiegen. Wenn deswegen der Gast streike, treffe das besonders die kleinen Gaststätten. Dies treffe in Thüringen in besonderem Maß zu. "Denn wir haben uns seit vielen Jahren unsere Gäste über niedrige Preise regelrecht erkauft", so Münnich.

Dennoch, der Mindestlohn habe am Rückgang der Gästezahlen keine Schuld. Das könne man jetzt schon sagen, sagt die Dehoga-Chefin. Obgleich von ihr nicht alles gutgeheißen wird, was das Gesetz betrifft. Denn die Gastronomie stöhne unter der Papierflut, die man zur Nachweispflicht zu bewältigen habe. Das halte vom eigentlichen Anliegen, die Gäste zu betreuen und zu verwöhnen, nur ab.

Die Guten mit den besten Ideen werden überleben

Arbeitgeber und Angestellte in der Gastronomie sollen von ihrem Job leben können. Und es muss Geld übrig bleiben, um ins Geschäft zu investieren. Bleibe nach Abzug aller Ausgaben am Ende weniger Gewinn, müsse man sich etwas ausdenken, um die Verluste aufzufangen.

"Qualität, Service, Freundlichkeit sind das A und O in Hotelerie und Gastronomie", ist die Dehoga-Spitzenfrau überzeugt. Auch davon, dass der Mindestlohn die Spreu vom Weizen trennen werde. Übrig blieben nur die, die eben dieses A und O beherzigten. "Stiesel haben künftig kaum eine Chance, es werden nur die Guten mit den besten Ideen überleben", ist sie überzeugt. Dann fügt sie aber noch an: "Seit die A71 durch den Ilm-Kreis führt, haben es viele Gasthäuser links und rechts der Trasse noch schwerer, Kundschaft zu ziehen."

Zu den Kommentaren