Mindestlohn könnte 2017 auf 8,80 Euro steigen

Berlin. Wie ein neuer Tarif in der Metallindustrie auch Arbeitnehmern in anderen Branchen zu mehr Lohn verhelfen wird.

Streik am Dienstag am Erfurter Kreuz. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Die derzeit laufenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie könnten weit größere Auswirkungen haben als bislang angenommen.

Neben mehr Geld für die Arbeitnehmer der Branche könnten sie auch eine Steigerung des gesetzlichen Mindestlohns zur Folge haben.

Da sich die Kommission, die die neue Lohnuntergrenze bereits Ende Juni bekannt gibt, an der Entwicklung der tariflichen Stundenlöhne seit 2014 orientiert, brächte ein Metall-Abschluss von 3 Prozent noch einen Aufschlag von 0,5 Prozentpunkten auf die Mindestlohnanhebung. Eine Simulationsrechnung hat das Statistische Bundesamt bereits durchgeführt.

Bezogen auf derzeit 8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde bedeutete allein ein solcher Metall-Abschluss einen Aufschlag zwischen 4 und 5 Cent auf die Lohnuntergrenze. Sollte sich die IG-Metall mit ihrer Forderung nach fünf Prozent Lohnerhöhung noch deutlicher durchsetzen, würde die Mindestlohnanhebung entsprechend größer ausfallen. Die Arbeitgeber haben bislang lediglich 2,1 Prozent verteilt auf zwei Stufen in 24 Monaten angeboten.

Vor der Metall-Einigung liegt die Steigerungsrate zur Anpassung des Mindestlohnes ab Januar bei drei Prozent. Bezogen auf die momentan 8,50 Euro beträgt die rechnerische Mindestlohnanhebung also 25 Cent. Mit einem Metall-Abschluss um drei Prozent läge der neue Mindestlohn dann bei etwa 8,80 Euro.

Unwahrscheinlich ist, dass der bereits bestehende neue Tarifabschluss für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes – hier gibt es rückwirkend zum März 2,4 Prozent mehr Geld – noch in die Entscheidungsgrundlage der mit Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden besetzten Mindestlohnkommission einfließen wird. Entscheidend sei nicht, seit wann der Tarifabschluss gelte, sondern wann das Geld tatsächlich gezahlt werde, heißt es aus dem Statistischen Bundesamt. Es sei „im höchsten Maße unwahrscheinlich“, dass Nachzahlungen für die Beschäftigten von Bund und Kommunen – anders als bei den Metallern im Falle eines Abschlusses – bereits auf den Juni-Gehaltszetteln auftauchen werden.

Die Statistiker werden der Kommission Ende Juni eine Simulationsrechnung mitliefern, wie sich der erzielte Abschluss des Öffentlichen Dienstes auf den Tarifindex auswirkt. Die Mindestlohnkommission könnte diese Zahlen berücksichtigen und noch ein paar Cent aufschlagen. Laut Geschäftsordnung haben die Mitglieder durchaus die Möglichkeit, bei triftigem Grund von der Orientierung am Tarifindex abzuweichen.

In Thüringen profitieren mindestens 200.000 Arbeitnehmer von der 2015 eingeführten gesetzlichen Lohnuntergrenze, die Gewerkschaften gehen von deutlich mehr Betroffenen aus.

Möglicherweise kann der Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie bereits heute gelöst werden, wenn Arbeitgeber und IG-Metall in Köln einen Pilot-Abschluss erzielen wollen. Die Gewerkschaft hat bereits ganztägige Warnstreiks angekündigt, sollte es bis Pfingsten keine Lösung geben.

Warnstreiks gehen unvermindert weiter

Unmittelbar vor der vielleicht entscheidenden Verhandlungsrunde in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ihre Warnstreiks mit hoher Beteiligung fortgesetzt. Zu den rund 95.000 Teilnehmern aus bundesweit mehr als 64 Betrieben gesellten sich am Mittwoch noch 61.500 VW-Arbeiter, die für ihren Haustarifvertrag vor die Werkstore zogen.

In Thüringen waren unter anderem Siemens und Schuler Umformtechnik betroffen, wo nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 250 Beschäftigte die Arbeit niederlegten. Im gesamten Gewerkschaftsbezirk Hessen-Thüringen streikten demnach 16.000 Arbeiter.

Leitartikel: Tarifpoker mit Nebenwirkungen

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