Mit Know how aus Thüringen in der Salzpfanne Afrikas

Sondershausen/Sowa  Kaliforscher der Kutec Salt Technologies in Sondershausen verhelfen Bergwerksunternehmen in Botswana zu neuem wirtschaftlichen Standbein.

Kutec-Experten für Verfahrenstechnik mit Vorstand Heiner Marx (links) und den beiden Ingenieuren aus Botswana Othusitse Seokamo und Modisagaarekwe Kgaodi vor einer Versuchsanlage.

Kutec-Experten für Verfahrenstechnik mit Vorstand Heiner Marx (links) und den beiden Ingenieuren aus Botswana Othusitse Seokamo und Modisagaarekwe Kgaodi vor einer Versuchsanlage.

Foto: Dieter Lücke

Salz ist in diesen Tagen die Brücke zwischen den Kontinenten, zwischen Sondershausen und dem kleinen Städtchen Sowa im Norden von Botswana, wo mit dem Know how Thüringer Ingenieure und Forscher der Kutec AG Salt Technologies im fernen Süden Afrikas einem bedeutendem Soda-Bergwerk eine neue Produktlinie entstehen soll. Ein großes Vorhaben, bei dem nicht nur Kaliforscher und Verfahrensingenieure gefragt, sondern an dem auch deutsche Anlagenbauer interessiert sind. Dazu trafen sich die Experten aus Thüringen und Botswana jetzt sowohl auf der Achema, der weltweiten Leitmesse der Prozessindustrie in Frankfurt, als auch in Sondershausen, der ehemaligen „Hochburg“ der mitteldeutschen Kaliindustrie und Kaliforschung.

Salz einfach übersetzt in die afrikanische Khoisan-Sprache heißt Sowa. Eben das ist der Name der kleinsten selbstverwalteten Stadt in Botswana. Das „weiße Gold“ in der Erde, das Salz, verbindet das afrikanische Sowa mit dem thüringischen Sondershausen. Mit knapp 4000 Einwohnern ist Sowa eigentlich nur ein Dorf. Der Ort liegt inmitten der Sua Pan, der Salzpfanne, und gehört zur Makgadikgadi-Region, die zudem ein Nationalpark ist. Noch vor drei Jahrzehnten lebten dort nur einige Viehtreiber.

Dort schlummern rund 400 Millionen Tonnen Soda

Erst 1990 wurde das Örtchen Sowa auf Parlamentsbeschluss errichtet und eröffnet, und ein Jahr später das Bergwerk, welches heute 485 Mitarbeiter beschäftigt. Dort schlummern rund 400 Millionen Tonnen Soda (Natriumcarbonat), das vor allem für die Glasindustrie und die chemische Industrie gebraucht wird. In der Salzpfanne bei Sowa produziert heute das dortige Unternehmen Botswana Ash jährlich rund 300 000 Tonnen Soda und noch etwa die gleiche Menge an Natriumchlorid (Kochsalz).

Aus gewaltigen Rückständen, die das Bergwerk aber heute noch als Abfall zutage fördert, könnte nach entsprechender Aufbereitung auch noch Kaliumsulfat produziert werden, etwa für die Düngemittelindustrie.

Das Know how dafür gibt es im nordthüringischen Kalirevier und soll künftig in Botswanas Salzpfanne angewendet werden. Verfahrensingenieure der Kutec AG Salt Technologies in Sondershausen haben dafür eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und sollen nun den Minenbetreibern in Botswana helfen, eine neue Produktlinie mit Hilfe deutscher Anlagenbauer und Maschinenhersteller zu realisieren. Bernd Schultheis, stellvertretender Abteilungsleiter für chemisch-physikalische Verfahrenstechnik bei der Kutec, war schon vor Ort in der botswanischen Salzpfanne, um die Machbarkeit des Großvorhabens zu prüfen, und konnte grünes Licht geben.

Mit firmeneigenem Flugzeug der Minenbetreiber zur Hauptstadt Garborone

Deshalb machten sich nun Othusitse Seokamo, Leiter Entwicklung Verfahrenstechnik, und sein Ingenieur Modisagaarekwe Kgaodi auf den langen Weg von der Sua Pan aus nach Sondershausen zu den Thüringer Kalispezialisten. Am einfachsten geht das vom Sua Pan Airport aus, einem international registrierten Verkehrslandeplatz, der aus einer knapp 1700 Meter langen asphaltierten Landebahn besteht.

Denn nur eine Fernstraße erreicht Sowa, eine Bahnlinie mit Verladeanlagen dient lediglich dem Güterverkehr. Unter einem Hangar an der Landebahn von Sowa steht ein firmeneigenes Flugzeug der Minenbetreiber von Botswana Ash. Mit der Maschine werden die beiden Ingenieure zur Hauptstadt Garborone gebracht.

Von dort aus geht es im Flieger weiter über Johannesburg im benachbarten Südafrika Richtung Deutschland. Zwei Tage sind die beiden Männer unterwegs, bis sie zuerst in Frankfurt und anschließend in Sondershausen ausführliche Gespräche mit den Kali-Experten der Kutec führen können.

Am Ende steht fest: Mit Thüringer Know how der Verfahrensingenieure und Kaliforscher der Kutec AG Salt Technologies in Sondershausen kann auch in der afrikanischen Salzpfanne von Botswana ein neues bedeutendes Industrieprojekt verwirklicht und zu wirtschaftlichem Erfolg geführt werden.

Weltweit gefragt

Mithilfe der Kutec-Spezialisten aus Sondershausen wird derzeit das erste Kali-Werk Australiens am Salzsee „Beyondie Lake“ für das Unternehmen „Kaliums Lakes“ in Perth geplant und gebaut. Dessen Geschäftsführer Brett Hazelden ist deshalb in diesen Tagen nach Sondershausen zu den Thüringer Kali-Spezialisten gereist.

Heiner Marx, Sprecher des Vorstands der Kutec AG Salt Technologies, ist überaus zufrieden: „Unser Expertenwissen ist weltweit gefragt. Mittlerweile hinterlassen wir auf allen Kontinenten mit unseren Projekten wirtschaftliche und technologische Erfolgsspuren: in Nord-, Mittel- und Südamerika, Iran, Indien, Laos, Vietnam, Thailand, China, Russland, Saudi Arabien, Nord- und Südafrika. Auf unserer Referenzen-Weltkarte haben wir bestimmt 30 Länder markiert.

Gerade war eine Delegation aus der Mongolei in unserer Firma. Man darf wohl sagen, dass wir schon seit Jahren das meiste Geld im Ausland verdienen“, so Marx.

Deshalb sind bei der Kutec Experten aus verschiedenen Ländern beschäftigt. „Und während der Achema-Messe in Frankfurt interessierten sich viele Hochschulabsolventen für unser Unternehmen. Denn wir haben die Experten und Talente und brauchen sie auch in der Zukunft in Sondershausen!“, sagt Heiner Marx.

Salz ist für ihn und seine Firma die Brücke zu den Kontinenten und der Treibstoff für den Unternehmenserfolg. Die Kutec macht das alles mit mal gerade rund hundert Mitarbeitern. Allerdings wachstumsorientiert.

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