Mitte nächsten Jahres startet der Probebetrieb auf der ICE-Trasse

Katzendorf. Die Brücken und Tunnel der ICE-Trasse zwischen Leipzig und Erfurt haben sich in ersten Tests bewährt. Die Sprinter fahren über Halle.

Stefan Paulisch von Vectorvision präsentierte gestern den neuen Internetauftritt des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 8 von München bis Berlin und Leipzig. Er steht vor einem Modell des 11,5 Kilometer langen Bahnabschnitts um die Saale-Elster-Brücke, an der sich die ICE-Strecke von Erfurt kommend in Richtung Halle/Saale (im Bild links) und den nach Leipzig führenden Teil aufspaltet. Foto: Bernd Jentsch

Stefan Paulisch von Vectorvision präsentierte gestern den neuen Internetauftritt des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 8 von München bis Berlin und Leipzig. Er steht vor einem Modell des 11,5 Kilometer langen Bahnabschnitts um die Saale-Elster-Brücke, an der sich die ICE-Strecke von Erfurt kommend in Richtung Halle/Saale (im Bild links) und den nach Leipzig führenden Teil aufspaltet. Foto: Bernd Jentsch

Foto: zgt

An der neuen ICE-Trasse von Berlin nach München über Erfurt wird derzeit an vielen Stellen kräftig gebaut.

"Wir bauen an allen Ecken und Enden der Strecke", bestätigte Gesamtprojekt-Leiter Olaf Drescher gestern im Informationszentrum Kalzendorf.

"Mitte 2015 soll der Probebetrieb auf dem Teilstück zwischen Leipzig/Halle und Erfurt aufgenommen werden. Zuvor stehen noch weitere Testfahrten im Frühjahr an, sagte Drescher. Bis dahin werte man die ersten Tests auf der Trasse im September aus, die positiv ausgefallen sind. "Wir müssen an der einen oder anderen Stelle noch nachjustieren", räumte Drescher ein.

In Leipzig werden nach den ersten vier Bahnsteigen inzwischen zwei weitere für den ICE-Halt ab Dezember nächsten Jahres verlängert. Danach will man eine Lücke zwischen Hauptbahnhof und Leipziger Messe schließen und ein elektronisches Stellwerk für die Trasse in Mockau errichten.

Als erste Bahnstrecke in ganz Deutschland kommt die ICE-Trasse Berlin-München komplett ohne Signale und Bahnübergänge aus. Gesteuert werden die Fahrten über Funk mittels eines elektronischen Steu-erungssystems.

Nach der Fertigstellung des Abschnitts durch den Thüringer Wald, die für Anfang 2017 geplant ist, sollen auch dort erste Testfahrten stattfinden. In der Jahresmitte 2017 will die Bahn den Probebetrieb auf der Strecke von Erfurt nach Nürnberg aufnehmen. Durch die neuen Trassen verkürzen sich die Fahrzeiten erheblich. So ist nach Angaben von Drescher geplant, einen Sprinter einzusetzen, der in 3 Stunden und 55 Minuten von Berlin nach München fährt und die Konkurrenz zum Flugzeug aufnimmt. Diese Sprinter würden über Halle und nicht über Leipzig fahren und unterwegs auch nur in Halle, Erfurt und Nürnberg halten.

Bisher noch nicht endgültig beschlossen ist die Zahl der ICE-Halte in Coburg. Die Bahn gehe von einem Stopp des Zuges in den Tagesrandlagen aus, der Freistaat Bayern und die Region würden dies gern noch öfter sehen, räumte Drescher ein.

Beim Umbau des Bahnknotens Erfurt liegt man nach Angaben des Projektchefs nicht nur im Plan, sondern ist sogar schon weiter gekommen als gedacht. Allerdings lassen sich weitere Vollsperrungen nicht vermeiden. Auch die Baustelle am Azmannsdorfer Weg in Erfurt soll bis 2017 abgeschlossen, die Straße dort zweispurig sein.

Seit gestern ist die neue Internetseite des Projektes freigeschaltet, die die Leipziger Firma "Vectorvision" im Auftrage der Bahntochter DB Projektbau so überarbeitet hat, das sie jetzt auf Handys und Tablets komfortabel nutzbar sei, sagte Stefan Paulisch von "Vectorvision".

Die Seite erfreue sich eines regen Zuspruchs und werde täglich von 500 Nutzern besucht, sagte Frank Kniestedt von der DB Projektbau.

Kommentar:

Großprojekt bringt Vorteile

Von Bernd Jentsch

In einem Jahr ist es soweit: Erfurt rückt näher an Leipzig und Berlin.

Zugegeben, an den Entfernungen zwischen den Städten ändert sich nichts, aber an der Erreichbarkeit eine Menge. Wenn die neuen ICE-Züge mit 300 Kilometern in der Stunde unter den Weinbergen an der Unstrut entlang donnern, dann dauert eine Fahrt von Erfurt nach Leipzig nur noch 39 Minuten. Es vergehen keine zwei Stunden mehr für die Reise in die Bundeshauptstadt und auch nach Dresden und Frankfurt verkürzen sich die Fahrzeiten.

Die nahende Vollendung des mit einem Aufwand von rund zehn Milliarden Euro größten Infrastrukturprojektes Deutschlands bringt für Thüringen viele Vorteile. Sie zu nutzen, das ist letztlich die Aufgabe der Thüringer.