Mittelstands-Präsident Ohoven: Betriebe bei Abgaben entlasten

Mario Ohoven (64), Bundesverband mittelständische Wirtschaft, sagt im Interview mit unserer Zeitung eine zweite Finanzkrise voraus. Er rechnet mit Kreditknappheit für deutsche Unternehmen.

Herr Ohoven, Sie warnen vor einer zweiten globalen Finanzkrise. Gerade jetzt, wo sich die deutsche Wirtschaft erholt?

Den Zeitpunkt für Krisen können wir uns leider nicht aussuchen. In den USA bläht sich gerade die nächste gigantische Immobilienblase auf. Bei der ersten Krise waren es faule Hypothekenkredite für Eigenheime, jetzt geht die Gefahr von Krediten für Gewerbeimmobilien aus.

Wie wird diese Krise die deutschen Unternehmen treffen?

Die Krise trifft die Klein- und Mittelbetriebe an ihrer empfindlichsten Schwachstelle, der Liquidität. Das ist wie beim Domino: In dem Moment, wo die Banken Milliardenverluste abschreiben – und das werden in diesem Fall auch deutsche Banken tun müssen –, verringert sich ihr Eigenkapital. Dadurch können sie weniger Kredite an den Mittelstand ausreichen, die Unternehmen brauchen die Kredite aber dringend, um investieren zu können. Weniger Investitionen bedeutet weniger wirtschaftliches Wachstum. Insofern sind Wachstumsprognosen für das kommende Jahr mit Vorsicht zu genießen.

Wie kann sich der deutsche Mittelstand denn gegen diese zweite Krise schützen?

Die Unternehmer müssen ihre Liquidität sichern, indem sie beispielsweise verstärkt alternative Finanzierungsformen nutzen und über genügend Sachwerte verfügen. Hier ist aber in erster Linie die Politik gefragt. Die Betriebe müssen bei den Abgaben entlastet werden, weil das ihre Eigenkapitalbasis stärkt. Die Bundesregierung steuert im Moment einen gefährlichen Kurs: Anstatt bei den Ausgaben anzusetzen, versucht sie, den Haushalt des Bundes vor allem über höhere Einnahmen zu sanieren.

Kommt der langsame Aufschwung beim deutschen Mittelstand überhaupt an?

Im Großen und Ganzen ja. Es gibt Branchen, wie der stark exportorientierte Maschinenbau, die Chemie oder der Automobilbau, da läuft es hervorragend. So erklärt sich auch der mit 3,6 Prozent vergleichsweise hohe Tarifabschluss in der Stahlbranche.

Im Einzelhandel . . .

. . . sieht es schon wieder anders aus. Das Problem ist, dass die Wirtschaft zwar insgesamt klar im Aufwärtstrend liegt, wir haben es aber deswegen noch lange nicht mit einem selbsttragenden Aufschwung zu tun.

Gespräch: Steffi Dobmeier

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