"Nichts geht mehr!" Erfurter Spielbank steht vor dem Aus

Erfurt. Der Spielbankbetreiber Westspiel wird die Konzession für die Spielbank in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt nicht verlängern. Das erklärte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung Mathias Wieland, Sprecher des Dortmunder Unternehmens. "Damit läuft der Betrieb der Spielbank fristgemäß am 31. Dezember 2014 aus", sagte er.

Das Casino-Glücksspiel in Erfurt hat sich ohne Subventionen des Landes nie wirklich gelohnt. Zum Jahresende wird es nun ganz eingestellt. Archivfoto: Alexander Volkmann

Das Casino-Glücksspiel in Erfurt hat sich ohne Subventionen des Landes nie wirklich gelohnt. Zum Jahresende wird es nun ganz eingestellt. Archivfoto: Alexander Volkmann

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Die Belegschaft am Standort Erfurt sei bereits vor "längerer Zeit" über die Entscheidung der Geschäftsführung informiert worden. "Den knapp 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde das Angebot zur bevorzugten Übernahme an einem der anderen Westspiel-Standorte gemacht", so Wieland weiter. Wie es mit dem staatlichen Glücksspiel in Erfurt weitergehen werde, müsse nun die Landespolitik entscheiden.

Im Finanzministerium glaubt man zumindest einen entscheidenden Grund für den Rückzug von Westspiel zu kennen: "Der Bruttospielertrag des Spielbankbetreibers blieb hauptsächlich aufgrund der stetig rückläufigen Gästezahlen hinter den Erwartungen zurück", so ein Sprecher.

Die kurze Geschichte des Casino-Standortes in Erfurt stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Jahrelang hatte sich die Landespolitik mit ihrer Entscheidung Zeit gelassen, wo die einzige Thüringer Spielbank ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen solle. 2005 legte man sich schließlich auf die Räumlichkeiten im Grand-Hotel hinter dem Dom fest. Tatsächlich wurde die Spielbank noch am 15. Dezember 2005 eröffnet.

Doch es fand sich ein Investor erst, nachdem das Land sich bereit erklärte, für die Dauer von zehn Jahren einen Großteil der Monatsmiete von 33.000 Euro zu übernehmen.

Das war möglich, weil der damalige Finanzminister Andreas Trautvetter (CDU) drei Jahre zuvor den Hotelinvestoren gegenüber eine Patronatserklärung abgegeben hatte. Darin bürgte das Land für die volle Mietsumme - egal, wie viel ein künftiger Spielbankbetreiber tatsächlich zahle.

Mieter des Objekts wurde also eine landeseigene Zwischengesellschaft, die die Räume mit hohem Verlust an die Westspiel untervermietete.

Seit 2005 übernahm das Land auf diese Weise vermutlich Mietkosten von mehr als zwei Millionen Euro. Mit dieser Verwendung von Steuergeldern beschäftigte sich am Ende sogar ein Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages.

Spielhallen machten dem Casino Konkurrenz

Doch selbst eine Miete von nur rund acht Euro je Quadratmeter erwies sich als noch zu viel. Vor zwei Jahren sank der Bruttoerlös erstmals unter zwei Millionen Euro pro Jahr.

Ohne klassisches Roulette wollte eine gediegene Spielatmosphäre nicht so richtig aufkommen. Westspiel klagte damals über die zunehmende Konkurrenz durch die Spielhallen und die Folgen des Rauchverbotes.

Der Landtag senkte daraufhin die Spielbankabgabe, die bis zu 60 Prozent betragen kann, und stellte den Betreiber auch bei der Umsatzsteuer besser.

Das Ergebnis ist aus Landessicht ernüchternd. Zwar spült die Spielbankabgabe seit Jahren recht konstant etwas über 200.000 Euro pro Jahr in die Kassen der Ehrenamtsstiftung. Doch der früher ebenfalls sprudelnde Quell der "sonstigen Einnahmen", der direkt dem Landeshaushalt zugute kam, ist seit drei Jahren versiegt.

Einen neuen Betreiber zu finden dürfte unter diesen Umständen schwierig werden. Zumal auch der hoch subventionierte Untermietvertrag Ende des Jahres ausläuft, so die Auskunft aus dem Thüringer Finanzministerium.

Um die Ausschreibung für einen Anschlussmietvertrag mit einer anderen Gesellschaft müsste sich das Thüringer Innenministerium kümmern. "Wir schlagen vor, darauf zu verzichten", so ein Behördensprecher gestern. Die politische Entscheidung hierzu müsse allerdings das Kabinett fällen.

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