Nordhäuser Zellen für Londoner Taxis

Nordhausen. Unternehmen startet mit Investor aus Großbritannien neu durch. Bei guter Entwicklung Umzug ins Industriegebiet Goldene Aue denkbar.

Ministerpräsident Bodo Ramelow machte sich ein Bild von den Produkten der EAS Germany GmbH. Das Nordhäuser Unternehmen kauft die Grundstoffe zu und ist darüber hinaus ein vollwertiger Produzent von Lithiumzellen. Foto: Marco Kneise

Ministerpräsident Bodo Ramelow machte sich ein Bild von den Produkten der EAS Germany GmbH. Das Nordhäuser Unternehmen kauft die Grundstoffe zu und ist darüber hinaus ein vollwertiger Produzent von Lithiumzellen. Foto: Marco Kneise

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Bodo Ramelow und Michael Deutmeyer kennen sich. Der Nordhäuser Unternehmer reiste mit Thüringens Ministerpräsident nach Kasan, in die Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan. Am Montag trafen sie sich wieder, diesmal in Nordhausen.

Bei der EAS Germany GmbH ist in jüngster Zeit viel passiert. Ein englischer Investor hat das Unternehmen Anfang 2015 übernommen. Er möchte die hier produzierten Lithiumzellen gern für seine Taxiflotte verwenden und für einen extra leicht gebauten Bus, der derzeit entwickelt wird.

Deutmeyer kam mit diesem Wechsel nach Nordhausen. Sein Ziel: EAS nach vorn zu bringen. Kaum ein Markt ist derzeit so gefragt wie der der Energiespeichermedien. Aber der neue Chef weiß auch, es ist Eile angesagt. In wenigen Jahren schon könnten die Preise für Batterien stark sinken. Bis dahin muss ein guter Kundenstamm aufgebaut sein, müssen Verträge bestehen, muss EAS gezeigt haben, dass es innovativer ist als viele andere.

Jedes Jahr möchte der Betrieb künftig seinen Umsatz verdoppeln. "Noch ist die Produktion sehr händisch, wir müssen stark automatisieren", gibt Deutmeyer die Richtung vor. Extreme Arbeitsplatzzuwächse erwartet er deshalb nicht. Momentan arbeiten 36 Leute hier.

Bodo Ramelow kennt nicht nur den Geschäftsführer. Er hat auch die gesamte Geschichte des Standortes im Kopf, an dem EAS derzeit eingemietet ist. Er weiß um den vergeblichen Kampf des einstigen IFA-Chefs Otto Brandt nach der Wende, hier modernste Dieselmotoren herzustellen.

Heute geht es nicht mehr um Brennstoffe, heute geht es um Speichermedien. "Nicht nur in die Stromerzeugung müssen wir investieren, sondern vor allem in das Speichern von Strommengen", meint der Regierungschef. "Bisher setzt Thüringen stark auf Wasserkraft. Was Sie hier machen, ist die notwendige Brücke in die Zukunft", richtet er sich an Michael Deutmeyer. In der Hand einen kleinen runden Zylinder. Sie sehen harmlos aus, die Lithiumzellen, doch in ihnen steckt genug Kraft, um Träger für Raketen auszustatten. Russland beliefert EAS bereits, Indien soll folgen.

"Wir gehen dahin mit unseren Produkten, wo andere wenig engagiert sind", sagt der Geschäftsführer. Heißt, die Nordhäuser stürzen sich nicht auf die Automobilbranche, sondern auf die Raumfahrt und Marine. Schiffe fahren mit ihren Zellen, Spaß-U-Boote, und wenn alles läuft, demnächst auch die großen Unterwasserboote.

Nordhäuser Zellen für russische Raketenträger

Gehen die Pläne der neuen Investoren auf, wird EAS perspektivisch neu bauen. Bevorzugter Standort: das Industriegebiet Goldene Aue. "Eine solche Ansiedlung wäre genau das, was wir uns wünschen", meint Bodo Ramelow. Ein solch wertvolles Stück Land müsse man nicht für einen Logistiker erschließen, der nur eine Halle zum Unterstellen benötigt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass EAS dieses Jahr noch keine Gewinne einfährt. Der Investor schießt zu. Das soll sich ab kommendem Jahr ändern. Eine gemäßigte Steigerung stellt Deutmeyer sich vor.

Viele, viele Gespräche stehen derzeit in seinem Kalender, in zwei Wochen etwa mit Thyssen Krupp. Der Mann ist sicher: "In 15 Jahren kauft niemand mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren." Der Markt ändert sich rasant. Bisher produziert EAS die Zellen, die man für sich nicht nutzen kann. Künftig will das Unternehmen auch gleich die Batterien herstellen, in de-nen die Zellen eingebaut sind.

In diesem Segment ist Gaia unterwegs, der Betrieb, aus dem die EAS Germany GmbH 2011 hervorgegangen war. "Bis zu einer halben Million Zellen könnten wir produzieren", blickt Deutmeyer voraus und verweist darauf, dass momentan nur im Ein-Schicht-System gearbeitet wird. "Wir wollen wieder zu drei Schichten kommen."

An die Politik richtet er nur einen Wunsch: nicht nur in die Forschung zu investieren, sondern auch der Wirtschaft Wege zu ebnen, um gegen die asiatische Konkurrenz, die stark gefördert wird, bestehen zu können. Den Rest müssen die innovativen Nordhäuser selbst hinbekommen. Im nächsten Jahr soll die Kleinserienproduktion für die Taxis starten.