Offizieller Lückenschluss an der ICE-Brücke bei Langewiesen

Seit gestern ist die mit 1681 Metern längste Brücke Thüringens durchgängig begehbar. Zumindest für die Bauarbeiter. Die Lücke an einem wichtigen Bauwerk der künftigen ICE-Strecke Erfurt - Nürnberg wurde gestern Mittag 50 Meter über dem Ilmtal geschlossen.

Verkehrsminister Christian Carius (2. v. re) platzierte den letzten Beton im Kreise weiterer Ehrengäste. Foto: Ralf Ehrlich

Verkehrsminister Christian Carius (2. v. re) platzierte den letzten Beton im Kreise weiterer Ehrengäste. Foto: Ralf Ehrlich

Foto: zgt

Langewiesen. Margit Kühn schaut entspannt auf das Gewimmel. Es ist "ihre" Brücke, die gestern im Mittelpunkt stand. Noch nicht ganz fertig, aber das wichtigste, der Lückenschluss für die längste Brückenbauwerk Thüringens war geschafft - ausgenommen eine kleine Grube ein paar Hundert Meter vom südlichen Widerlager entfernt. Die musste noch verfüllt werden, symbolisch. Politiker und Bahnvertreter in der Rolle der Bauarbeiter.

Thüringens längste Brücke
Thüringens längste Brücke

Doch zuvor die Würdigung der eigentlichen Erbauer, die hätten eine Meisterleistung vollbracht, der Tenor aller Redner. Strahlende Gesichter, die Sonne schloss sich an. Wobei dies nur der Auftakt sei, kündigte Olaf Drescher, der Gesamtprojektleiter für den ICE-Abschnitt Erfurt - Nürnberg an. Rund zwei Dutzend Fertigstellungen, Tunnelanschläge und - durchschläge gebe es 2011 zu feiern. Was heiße, man sei zeitlich wie inhaltlich auf dem richtigen Weg. Wobei eine Gelegenheit bereits verpasst wurde, im Januar waren "in aller Stille" die Arbeiten am nur ein paar Meter vom Südende der Ilmtal-Brücke entfernten Tragberg-Tunnel abgeschlossen worden. Doch der zählt zu den kleineren Bauwerken, im Gegensatz zur Ilmtal-Brücke. Die sei im Bahndeutsch laut Drescher eine schlichte Eisenbahnüberführung. Aber als solche besonders bedeutsam, stelle sie doch die Verbindung zwischen der Flachstrecke im Norden und den Einstieg in den Thüringer Wald dar.

Vor vier Jahren war der Bau begonnen worden und Ende 2011 sollen die Arbeiten beendet sein. Planmäßig, obwohl nicht frei von Komplikationen. 2008 kam es auf der Nordseite zu einem tödlichen Arbeitsunfall. Anlass, das Sicherheitskonzept noch einmal zu überarbeiten. Seither blieb man solch schweren Unfällen verschont. Allerdings nicht von ein "paar Fehlern". Damit meinte Drescher auch die Havarie, die 2010 den Bau für fast vier Monate stoppte. Ende März platzte an einem vorgeschobenen Takt Beton ab. Betroffen eine Fläche von 40 Quadratmetern und bis zu 27 Zentimetern stark - die Hälfte der Dicke der Bodenplatte. Die Untersuchungen ergaben, dass stählerne Spannglieder, die der Konstruktion Stabilität geben, falsch eingelegt worden waren. Beim Spannen zogen diese sich in die richtige Lage und sprengten den störenden Beton weg. Nach geglückter Reparatur wurde im August der Vorschub wieder aufgenommen. Da fehlten noch 13 Takte. Noch vor Jahresende schoben die Hydraulikpressen den letzten Takt aus der Schalung. Die verbliebene Lücke von gut 100 Metern wurde mit Hilfe einer stationären Schalung geschlossen.

Ein Meisterstück deutscher Ingenieurkunst würdigte Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) den Bau und beeilte sich den Anteil des Freistaates ins rechte Licht zu rücken. Immerhin habe der 242 Millionen Euro aus EFRE-Mitteln bereitgestellt, um den Fortgang des Projekts zu unterstützen.

Nachdem die Ehrengäste im Krankorb auf die Brücke gelangt waren, schwebte um 12.45 Uhr der letzte Beton für den Oberbau des 29 Millionen Euro teuren Bauwerks ein. Schulterschluss beim symbolischen Lückenschluss zwischen Bahn, Landes- und Kommunalpolitik. Verkehrminister Carius und Ilmkreis-Vizelandrat Rainer Zobel griffen zur Schaufel, andere wie Lange Berg-VG-Chefin Beate Misch und Langewiesens Bürgermeister Horst Brandt zur Maurerkelle.

Nun gehe es unaufhaltsam der Fertigstellung entgegen, meinte Michael Ahlgrimm, Leiter der Großprojekte Nord der DB zuversichtlich. Er hoffte auch für die restliche Bauzeit auf Verständnis bei den Anwohnern. Laut Horst Brandt habe es in Langewiesen bislang keine Probleme gegeben.