Opel: Geheimtreffen in Erfurt

Erfurt  Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) trafen sich am Donnerstag unter anderem mit PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier.

PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier (rechts) und Christian Kiel von Opel.

PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier (rechts) und Christian Kiel von Opel.

Foto: Sascha Fromm

Ernste Gesichter bei PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier aber auch bei Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Beide verlassen gestern Vormittag, neun Minuten nach elf Uhr, die Staatskanzlei in Erfurt. Ziemlich genau eine Stunde dauert zuvor ein Gespräch im Regierungssitz zwischen dem Vertreter des französischen PSA-Konzerns, der seit dem Vorjahr auch Opel-Eigner ist und der Landesregierung.

„Kein Kommentar“, so lautet danach die kurze Erklärung des Automanagers. Es wird auf die Opel-Zentrale im hessischen Rüsselsheim verwiesen. Von einem offenen und konstruktiven Gespräch ist dort am Nachmittag die Rede. „Darüber hinaus äußern wir uns dazu nicht“, sagt ein Sprecher.

Auch Wolfgang Tiefensee winkt ab, bittet um Verständnis. Dann beschreibt er die Gesprächsatmosphäre als ernst, aber konstruktiv. Sagt es und rauscht im Dienstwagen davon.

Landesregierung beharrt auf zweitem Modell

Kurz danach fährt auch Regierungschef Ramelow vom Hof der Staatskanzlei. Einzig die Eisenacher Oberbürgermeisterin, Katja Wolf (Linke), ergänzt diese Einschätzung noch etwas. Die Landesregierung habe deutlich gemacht, dass sie für das Eisenacher Werk erwarte, dass künftig ein zweites Modell produziert werde, um die Zukunft zu sichern. Diese Forderung ist nicht neu, wurde nun aber erstmals von der Landesregierung mit Vertretern des neuen Opel-Mutterkonzerns besprochen.

PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier bereist in Deutschland gerade die Länder mit Opel-Standorten. Denn bereits am Mittwoch dieser Woche traf er sich mit Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU). Die hessische Regierung organisierte danach einen Fototermin und gab eine Erklärung heraus.

Für Thüringen ist das Gespräch mit der französischen PSA-Spitze eher geheim. Jedenfalls fast, denn Regierungschef Ramelow hatte vor zwei Tagen doch kurz darauf hingewiesen.

Die deutschen Opel-Werke seien unverzichtbar, erklärt Ramelow auf TA-Anfrage später. Vor allem dann, wenn PSA in Deutschland produzierte Qualitätsautos in die Welt zu exportieren wolle. Daher müsse auch eine Auslastung des Opel-Werkes in Eisenach zugesagt werden, die den Beschäftigten eine Perspektive über das Jahr 2020 hinaus gebe, so Bodo Ramelow.

Bisher hat PSA für das Werk in Eisenach ab kommendem Frühjahr die Fertigung des SUV „Grandland“ auf Basis einer modernen Plattform des französischen Mutterkonzerns zugesagt. Ab 2020 soll zudem in Eisenach eine Hybridvariante des Geländewagens gefertigt werden. Opel-Chef Michael Lohscheller zeigte sich am Montag im TA-Gespräch optimistisch, dass damit eine zweischichtige Auslastung des Werkes erreicht werde.

Der Opel-Betriebsrat und die Gewerkschaften kritisieren dagegen, dass so das Eisenacher Werk gerade einmal zur Hälfte ausgelastet sei, und somit auch die Hälfte der 1800 Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.

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