Prinz zur Lippe möchte Ordensburg Liebstedt nicht mehr kaufen

Liebstedt (Weimarer Land). Der sächsische Winzer Dr. Georg Prinz zur Lippe (Weingut Schloss Proschwitz) wird die Ordensburg Liebstedt nicht kaufen.

Dieses Bild von 2011 zeigt Georg Prinz zur Lippe in seinem Weinberg zwischen Schöndorf und Kromsdorf. Foto: Maik Schuck

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Auf Nachfrage sagte der Unternehmer: "Wir nehmen definitiv Abstand davon." Eine Investition in eine Kelterei werde es in dem Dorf nicht mehr geben. Man fühle sich dort einfach nicht willkommen.

Dabei sah es für den Prinzen im Sommer gut aus. Der Kaufvertrag hätte vollzogen werden können. Damals lehnte das Thüringer Oberverwaltungsgericht die Berufung der Gemeinde gegen ein Verwaltungsgerichtsurteil vom Sommer 2012 ab. Das Gericht hatte die Klage zur Durchsetzung des Vorkaufsrechtes abgewiesen. Damit war der Rechtsweg für das Dorf an dieser Stelle ausgeschöpft.

Liebstedt pochte 2011 auf das Vorkaufsrecht

Das Vorkaufsrecht machte die Gemeinde 2011 geltend, als die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) die bis heute im Landeseigentum stehende historische Immobilie an den Prinzen verkauft hatte. Dieser wollte in der Vorburg investieren, um sein Lesegut aus den Weinlagen um Weimar-Schöndorf künftig ortsnah und nicht in Meißen verarbeiten zu müssen. 2008 war dort aufgerebt worden; 46 Hektar werden für das Weinhaus zu Weimar inzwischen erfolgreich bewirtschaftet.

Wofür sich der Prinz aus Sicht der Liebstedter nicht interessierte, das war die dörfliche Infrastruktur, beispielsweise für Zufahrt und Abwasser.

Die LEG sah sich gestern außer Stande, eine Stellungnahme abzugeben. Auf Nachfrage hieß es nur: "Es laufen Gespräche sowohl mit dem Prinzen als auch darüber, wie es weitergehen könnte...

Dass er nun nicht mehr kaufen wolle, habe nichts damit zu tun, dass er das Geld dafür nicht aufbringen kann, versicherte zur Lippe. Das sei unproblematisch, weil er die Finanzierung ja vorher geklärt haben musste, bevor er überhaupt mit der LEG in die Kaufverhandlung eintrat. Aber das Klima im Ort sei eben so, dass er nun nicht mehr mag. Dabei sei er kompromissbereit gewesen, meint zur Lippe. Und es habe auch Stimmen gegeben, die seine Investition befürwortet hätten, differenzierte er.

Schadenersatz-Forderung steht noch im Raum

Nun indes sind viele Jahre ins Land gegangen, man habe weit über 100.000 Euro an Planungsgelder umsonst investiert, wegen der langwierigen Verzögerung Zusatzkosten. Kurz: "Es ist ein Riesenschaden entstanden", so der Prinz. Deshalb sei nach wie vor juristisch zu klären, inwieweit es jetzt, da das Vorkaufsrecht obsolet geworden ist, gerechtfertigt ist, dass die Gemeinde gegen die Baugenehmigung für die Kelterei in Widerspruch ging. Die Forderung von Schadenersatz gegenüber der Gemeinde behalte er sich vor.

Parallel zur Frage nach dem Vorkaufsrecht war zu klären, ob die Baugenehmigung zu Recht erteilt wurde. Diese liegt zwar gültig vor, ist aber (derzeit) nicht wirksam. Grund: Einen Bescheid des Landesverwaltungsamtes in der Angelegenheit gibt es bis heute nicht. Das Amt war Anfang des Jahres 2013 einbezogen worden, nachdem die Untere Bauaufsicht dem Widerspruch der Gemeinde nicht abhelfen konnte.

Auch das Verwaltungsgericht, das die Gemeinde wegen der Baugenehmigung anrief, hat in dieser Sache noch nicht entschieden. Allerdings wurden vom Gericht bis Anfang Dezember schriftliche Stellungnahmen angefordert. Ausgang offen.

Mit der Absage des Winzers rückt nun möglicherweise eine andere Option wieder ins Zentrum - die einer noch zu gründenden Stiftung. Ins Spiel gebracht worden war diese Idee vor geraumer Zeit durch den Freundeskreis Ordensburg Liebstedt. Dessen Ziel ist laut dem Vorsitzenden Roul Rommeiß die finanzielle Unterstützung der Stiftungsidee. Als Stiftungskapital könnte die Burg (Immobilienkapital) plus weiteres Kapital von Stiftern genutzt werden. Für den Erwerb der Burg wollten bislang Gemeinde, ein privater Investor und eine Agrarfirma Geld aufbringen. Stiftungszweck könnte sein: Nutzung und Erhalt der Ordensburg als öffentliches Kulturerbe. Abwarten muss man, ob die LEG, die ja verkaufen will, im Fall der Fälle anbeißt.

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