Lage für die Thüringer Kartoffeln ist vergleichsweise gut

Heichelheim.  Thüringens Landwirtschaftsstaatssekretär Torsten Weil gab jetzt den symbolischen Startschuss für das Projekt „Kids an die Knolle“ in Heichelheim (Weimarer Land).

Fachgespräch am Kartoffelacker in Heichelheim (Weimarer Land): Dietmar Barthel, Geschäftsführer der Karland Agrarprodukte GmbH und des THÜKAV (l.) mit Landwirtschaftsstaatssekretär Torsten Weil an einer Kartoffelschleuder.

Fachgespräch am Kartoffelacker in Heichelheim (Weimarer Land): Dietmar Barthel, Geschäftsführer der Karland Agrarprodukte GmbH und des THÜKAV (l.) mit Landwirtschaftsstaatssekretär Torsten Weil an einer Kartoffelschleuder.

Foto: Sibylle Göbel

Thüringens neuer Landwirtschaftsstaatssekretär Torsten Weil outete sich jetzt in Heichelheim (Weimarer Land) als Fan der Kartoffel – und das nicht nur, weil Nudeln zu Beginn der Corona-Krise vielerorts „aus waren“, wie er trocken anmerkte. Nein, Weil mag Kartoffeln einfach und gestand dabei auch, die Faule-Leute-Variante zu bevorzugen: faustgroße Erdäpfel, die besonders schnell geschält sind.

So neu im Amt sind allerdings die Kenntnisse des Staatssekretärs zum Kartoffelanbau und zur -vermarktung noch ein bisschen rudimentär. Deshalb traf es sich gut, dass Torsten Weil in Heichelheim, wo seit Jahren Kinder und Prominente auf Einladung des Fördervereins „Heichelheimer Kartoffel“ Kartoffeln legen und lesen, mit einem Spezialisten ins Gespräch kam. Denn als Geschäftsführer der Karland Agrarprodukte GmbH und des Erzeugnisverbandes Thüringer Kartoffeln (THÜKAV), mithin als Interessenvertreter der Thüringer Kartoffelwirtschaft, kennt sich Dietmar Barthel bestens aus. Er konnte dem Gast deshalb unter anderem erklären, warum in Thüringen die Kartoffel-Anbaufläche nach der Wende von zigtausend auf nur noch rund 1700 Hektar zurückgegangen ist: „Früher gab es einen Staatsplan, und jede LPG musste Kartoffeln anbauen – ganz gleich, wie der Boden beschaffen war. Doch mit den damaligen Erträgen von 150 bis 200 Dezitonnen je Hektar kämen wir heute nicht mehr weit“, sagte Barthel.

Nachfrage nach Pommes extrem eingebrochen

Deshalb sei der Anbau überall dort, wo es beispielsweise wie in Suhl oder Heiligenstadt „steinreiche“ Böden gibt, ebenso eingestellt worden wie von jenen Erzeugern, die nicht in großem Stil in das Produkt Kartoffeln investieren wollten. Sprich: in Legemaschinen, schonende Pflege- und Erntetechnik sowie Lagerkapazitäten. „Außerdem“, ergänzte Barthel, „ist der Pro-Kopf-Verbrauch gesunken.“ Zu DDR-Zeiten habe er bei 75 Kilo gelegen, heute seien es um die 50 Kilo.

In den vergangenen beiden Jahren ernteten die Thüringer Kartoffelerzeuger im Schnitt etwa 300 Dezitonnen je Hektar, einige Betriebe wie die Balling, Bütter, Wilk GbR in Nottleben (Landkreis Gotha) seien indes auf 450 bis 500 Dezitonnen gekommen. „Dieses Unternehmen hat aber auch schon 1996 zehn Millionen in die Hand genommen, einen Tiefbrunnen gebohrt und auf einem großen Teil seiner Fläche Leitungen verlegt“, sagte Barthel.

Im Moment sehe es für die Thüringer Kartoffeln vergleichsweise ganz gut aus: Nachdem sie in den ersten Wochen nach dem Legen von ihrer Substanz gelebt und gekeimt hätten, sei der Regen zum Wochenwechsel genau richtig gekommen, um Wurzeln und jeweils 15 bis 20 kleine Knollen auszubilden.

In Heichelheim, wo der Förderverein „Heichelheimer Kartoffeln“ vor knapp zwei Wochen in Vertretung für die Prominenten je sieben Reihen der Sorten Venezia, Wendy und Queen Anne legte, bekamen die Früchte rund 20 Millimeter ab. „In spätestens vier Wochen müsste es aber noch einmal so viel sein“, sagte der Kartoffelexperte und erklärte dem Staatssekretär auch, welches die Besonderheit der Thüringer Kartoffel ist: Auf nährstoffreichen Standorten lagere sie bis zu drei Prozent mehr Stärke ein als anderswo, was sich in einem kräftigeren Geschmack bemerkbar macht – und in der guten Eignung für Klöße.

Themen des Fachgesprächs waren aber auch der Einbruch des Pommes-Marktes – eine Folge der Corona-Krise und der Schließung von Kantinen und Restaurants.. „Zum Glück betrifft die hiesigen Kartoffelbauern dieses Problem nicht“, sagte Barthel und wandte sich mit einer Bitte an den Staatssekretär: Könnte der Kartoffelanbau nicht auch in Thüringen Schulstoff sein? Denn die Kinder sollten wissen, dass die Erdäpfel nicht im Supermarkt wachsen – ganz besonders in einer Zeit, in der regional Erzeugtes im Trend liegt. Torsten Weil nahm die Anregung nach Erfurt mit – und die Hoffnung, dass die Kartoffelernte im September wieder zusammen mit dem Kindern stattfindet.

Heichelheimer Acker diesmal in aller Stille bestellt