Profiler Mark Hofmann: „Clevere Psychopathen gehen in die Wirtschaft“

Erfurt.  Analyst und Profiler Mark T. Hofmann gibt in Erfurt Bankern und Unternehmern Tipps für den Geschäftsalltag. Seine Ratschläge sind jedoch auch im normalen Alltag nützlich.

Analyst und Profiler Mark T. Hofmann bei seinem Vortrag vor Unternehmern und Führungskräften zum Neujahrsempfang der Bürgschaftsbank sowie der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen in Erfurt. Im Hintergrund Schauspieler der US-Serie Criminal Minds. 

Analyst und Profiler Mark T. Hofmann bei seinem Vortrag vor Unternehmern und Führungskräften zum Neujahrsempfang der Bürgschaftsbank sowie der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen in Erfurt. Im Hintergrund Schauspieler der US-Serie Criminal Minds. 

Foto: Kai Mudra

Ist Hannibal Lecter aus dem Psychothriller „Das Schweigen der Lämmer“ der kannibalische und hochintelligente Serienmörder? Mark Hofmann blickt ins Publikum. „Ich sage ihnen etwas zu Serienmördern. Ihr Intellekt ist enttäuschend einfältig, ihre Methodik simpel. Ihre Fehler sind gravierend, ihr Händedruck ist gewöhnlich.“

Der Mann, der in den USA zum Geheimdienst- und Polizeianalyst ausgebildet wurde, steht in Erfurt vor rund 200 Bankern und Unternehmern, um ihnen auf dem Neujahrsempfang der Bürgschaftsbank und der Mittelständigen Beteiligungsgesellschaft in Thüringen auf unterhaltsame Weise Tipps für den Geschäftsalltag zu geben.

Nicht realistisch sei an Lecter der Doktortitel. Die Anzahl der Promotionen unter Serienmördern liege bei null. Lachen und Raunen verbreitet sich im Publikum. „Vielleicht ist es ja das eine Prozent von ihnen, das nicht gefasst wurde“, ergänzt Mark Hofmann schmunzelnd.

Profiling-Fähigkeiten für den Geschäftsalltag

Er referiert über Profiling-Fähigkeiten für den Geschäftsalltag. „Warum sage ich ihnen, dass Serienmörder dämlich sind?“, hakt der Experte nach. „Ganz einfach. Die cleveren Psychopathen gehen in die Wirtschaft“. Das klinge populistische, räumt er ein. Aber es entspreche dem aktuellen Stand der Forschung.

Ein Prozent der Personen der Gesamtbevölkerung seien Psychopathen, also keine Empathie, kein Gewissen und ein extrem flaches Gefühlsleben. „Im Topmanagement sind es zwei bis sechs Prozent“, ergänzt er.

Mark Hofmann spannt einen rhetorischen Bogen bis hin zu Lügen. 200 Lügen am Tag sieht er für normale Menschen als übertrieben an und kommt damit zu einigen praktischen Ausführungen für die Anwesenden: Woran sind Lügen zu erkennen?

Es gebe darauf keine einfachen Antworten, stellt er klar. Grundvoraussetzung überhaupt sei, zu wissen, wie sich eine Person verhalte, wenn sie ganz normal die Wahrheit sage. Erst darauf aufbauend, könne eingeschätzt werden, ob gelogen werde oder nicht.

Wie merke ich, dass jemand lügt

Beispielsweise würden Lügner ungewollt die Maske kurz nach ihrer falschen Aussage fallen lassen. Der Gesichtsausdruck ändere sich. Lügner würden länger Blickkontakt halten, öfter Blinzeln als in normalen Situationen. Ihre Sprache bei Antworten ist formaler, Alibis könnten Details enthalten, die niemand wissen wollte. Oder es würden die Fragen wiederholt, um etwas Zeit für eine Reaktion zu gewinnen.

Ganz wichtig sei die Aufmerksamkeit, die jemand beispielsweise im Gespräch seinem Gegenüber widme. In Amerika werde deshalb Profiling auch so definiert: „Mit Augen, Ohren, Herz und ungeteilter Aufmerksamkeit, auf Details zu achten.“

Dieses Verhalten könne auch auf den Geschäftsalltag übertragen werden. Bei einer Rolex für 25.000 Euro am Arm stelle sich die Frage, warum trägt jemand eine solche Uhr. „Die Antwort lautet nicht, weil er wissen möchte, wie spät es ist“, betont der Experte. Dafür reiche ein 25-Euro Exemplar.

Menschen vertrauen dem Sehen mehr als dem Hören

Mark Hofmann regt an, lässt die Zuhörer immer wieder spüren und erleben, wie sie unbewusst ihren Mustern folgen. Menschen vertrauen dem Sehen mehr als dem Hören, ist eine solche Erkenntnis, die sich beispielsweise bei Kundengesprächen anwenden lasse.

Und er präsentiert witzige Beispiele. So hält er am Ende seines Vortrags einen Deo-Roller in die Höhe. 96 Stunden Wirkungszeit verspricht der Aufdruck. Wer bitte sprühe sich am Montag in der Hoffnung ein, dass der Duft auch am Freitag noch anhält?