Regional verwurzelte Bank will Stadtvillen in Gotha anstelle einer Kette von Flachbauten

Gotha. Mit einem Brief, die städtebauliche Entwicklung des Areals zwischen Gartenstraße und Moßlerstraße betreffend, wandte sich die Raiffeisenbank Gotha im März an die Fraktionen im Gothaer Stadtrat.

Das von Bürgermeister Klaus Schmitz-Gielsdorf Anfang 2014 gezeigte Modell deutet auf einen Plan, der Flächen einbezieht, die der Raiffeisenbank gehören. Diese wird nicht verkaufen. Den konkreten Bauantrag darf die Stadt nicht veröffentlichen, weil die Firma Saller dies ablehnte. Archiv-Foto: Lutz Ebhardt

Das von Bürgermeister Klaus Schmitz-Gielsdorf Anfang 2014 gezeigte Modell deutet auf einen Plan, der Flächen einbezieht, die der Raiffeisenbank gehören. Diese wird nicht verkaufen. Den konkreten Bauantrag darf die Stadt nicht veröffentlichen, weil die Firma Saller dies ablehnte. Archiv-Foto: Lutz Ebhardt

Foto: zgt

Der Brief, der unserer Zeitung vorliegt, eröffnet eine völlig neue Perspektive, nachdem das Einkaufszentrum, im Volksmund auch "Glitzerpalast" genannt, westlich des Verwaltungsgebäudes der Bank gescheitert war. Der Bebauungsplan Nummer 89 bekam im Sommer 2014 keinen Satzungsbeschluss des Stadtrates, weil der Erschließungsvertrag für das Gelände vom Investor Saller abgelehnt wurde. Die Straßenbau-Kosten waren dem Unternehmen zu hoch, wie eine telefonische Nachfrage unserer Zeitung ergab.

Doch noch bevor das mehrstöckige Einkaufszentrum gescheitert war, bekundete die Bank 2012 ihr Interesse am Bau sogenannter Stadtvillen, in denen ihre Verwaltung und für altersgerechtes Wohnen geeignete Wohnungen untergebracht werden sollten. Zu diesem Zweck habe sie auch Grundstücke im Ostteil des Areals erworben. Dann habe sie, erinnert die Bank in ihrem jetzigen Schreiben, bei der Baugesellschaft Gotha mehrfach den Antrag gestellt, daran angrenzende weitere Grundstücke zu erwerben. Ein schriftliches Kaufangebot habe es im Januar 2014 gegeben.

Die Bank hatte sogar auf ihre Kosten ein Wertermittlungsgutachten bei einem von der Stadt benannten Sachverständigenbüro in Auftrag gegeben. Am 13. März bot die Bank sogar noch einen höheren Kaufpreis für die Grundstücke. Doch die Stadt hatte die vorliegenden Entwürfe der Kaufverträge mit der stadteigenen Baugesellschaft mit der Begründung abgelehnt, es bestehe noch Klärungsbedarf.

Eine Anfrage unserer Zeitung, worin dieser bestehe, könne nicht beantwortet werden, da sie ein Bauantragsverfahren betreffe, hieß es von dort. Die Firma Saller hatte es bereits Ende 2014 abgelehnt, dass die Stadt über den Inhalt ihres aktuellen Bauantrages informiert. Dies geht aus dem Protokoll der Stadtratssitzung vom 27. November 2014 hervor.

Nahe liegt jedoch, dass Saller langfristig das gesamte Areal bebauen will. Im Internet weist die Firma bereits jetzt einen zweiten Standort östlich des Bankgebäudes aus. "Solche Fachmarktzentren verkommen häufig, insbesondere wenn sie nur von einer Seite angefahren werden können", heißt es dazu im Schreiben der Bank.

Das sieht offenbar die Fraktion Grüne/Piraten im Stadtrat ähnlich. Sie hält Stadtvillen hingegen für optimal. Auch die Linken finden Gefallen an diesen Plänen für den Oststeil, teilte Bernd Fundheller mit.

Sie nehme den Brief sehr ernst, die Option müsse mit einbezogen werden, sagt Bärbel Schreyer von den Freien Wählern. Obwohl der Brief der Bank noch vor einer Fraktionssitzung bei SPD/FDP ankam, erklärte Peter Leisner, man habe sich noch keine Meinung gebildet, er werde jedoch häufig von Bürgern nach einem Einkaufszentrum gefragt. Max Fliedner von der CDU meinte, der Brief bedeute nicht, nun sofort die Pläne der Raiffeisenbank zu unterstützen. Letztere erklärte jedoch, die ihr bereits gehörenden Flächen im Ostteil auf keinen Fall verkaufen zu wollen.