Roboter aus Ilmenau sollen nach Operationen bei Genesung helfen

Ilmenau  Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee prophezeit dem Unternehmen Metralabs GmbH eine große Zukunft.

Andrea Scheidig mit „Ringo“, der bald im Krankenhaus eingesetzt werden soll.

Andrea Scheidig mit „Ringo“, der bald im Krankenhaus eingesetzt werden soll.

Foto: Arne Martius

Nach Einschätzung von Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) steht das Ilmenauer Unternehmen Metralabs kurz vor dem großen Sprung. „Was Sie jetzt brauchen, ist ein mutiger und ehrgeiziger Bussiness-plan“, sagte er am Montag bei einem Besuch der Firma, die sich mit der Entwicklung und dem Bau mobiler Serviceroboter beschäftigt.

Dabei hat das Unternehmen bereits einen Fuß in der Tür zu den großen Märkten: So orderte beispielsweise die Modekette „Adler“ mehrere der Assistenten für die Inventur ihrer Filialen. Ziel sei es dabei nicht, Stellen einzusparen, sondern wieder mehr Zeit für die Kunden zu haben, sagte Metralabs-Geschäftsführer Johannes Trabert. Roboter aus Ilmenau sind in anderen Anwendungen unterwegs, um die Käufer zu Produkten zu führen, oder verrichten mit deutlich höherem Tempo stupide Fließbandarbeiten.

Gemeinsam mit der Technischen Universität ist das Unternehmen inzwischen dabei, sich auch im medizinischen Bereich einen Namen zu machen. In einem ersten Test kamen Roboter in einer Klinik zur Anwendung, um dort Schlaganfallpatienten zu begleiten. Nun steht ein neue praktische Bewährung bevor: In den Eisenberger Waldkliniken, eigenen Angaben zufolge die größte universitäre Orthopädie Europas, werden die Helfer eingesetzt, um Menschen nach einer Hüftoperation zu begleiten. Auch hier geht es nicht um den Ersatz des Physiotherapeuten, sondern um ein zusätzliches Angebot, schilderte Projektverantwortliche Andrea Scheidig vom Fachgebiet angewandte Neuroinformatik und kognitive Robotik.

Der elektronische Begleiter ist in der Lage, den Patienten ständig im Auge zu behalten, ihn zu begleiten und ihm Hinweise zu geben. So können Menschen bei ihrem Eigentraining nach dem chirurgischen Eingriff Haltungsschäden vermeiden, so die Wissenschaftlerin. „Der Roboter ist geduldig, stets verfügbar und objektiv“, beschrieb Andrea Scheiding die Vorteile. Bei der Arbeit mit den Schlaganfallpatienten habe sich zudem gezeigt, dass die wenigsten Berührungsängste mit der Technik hatten.

Probelauf wird von wissenschaftlicher Studie begleitet

Aus Sicht von Anke Mayfarth, Referentin der Waldkliniken in Eisenberg, wird das in drei Wochen beginnende Vorhaben „ein spannendes Projekt“. Allerdings ist der anstehende Praxistest nur der Auftakt zu einem längeren Lauf, an dessen Ende im Idealfall die Qualitätsmanagement-Zertifizierung und die Zulassung stehen. Deswegen wird während des Probelaufs in der Klinik eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, die der Frage nachgeht, ob der Robotereinsatz tatsächlich Effekte auf die Genesung der Patienten hat.

Die Geschichte der Metralabs GmbH begann im Jahr 2001 mit der Gründung des Unternehmens. Kurze Zeit später wurde der Fokus mehr und mehr auf Roboter gelegt. Eng verbunden war die Entwicklung immer mit der Technischen Universität Ilmenau und dem Fachgebietsleiter Horst-Michael Groß. Der erste Achtungserfolg stellte sich 2010 ein, als die Wissenschaftler und das Unternehmen den Thüringer Forschungspreis für den weltweit ersten Einkaufsroboter entgegen nehmen konnten.

Die aktuelle Kooperation auf medizinischem Gebiet, die unter dem Projektnamen „Roger“ läuft und auch von europäischen Fördergeldern unterstützt wird, ist eine weitere Etappe. „Das Ziel ist es, einen völlig autonomen Roboter anzubieten. Wie ein Mitarbeiter, der mitdenkt und vorausschauend handelt“, beschrieb Geschäftsführer Trabert den Anspruch. Nach Unternehmensangaben sind weltweit bislang 250 Roboter aus Ilmenau unterwegs, die mittlerweile eine Gesamtfahrleistung von 70.000 Kilometern absolviert haben.

Und auch für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte hat Johannes Trabert schon einen Plan in der Schublade – wenn der große Sprung bevorsteht.