Seit über 100 Jahren Handel in der Kleinen Gasse in Büttstedt

Büttstedt.  Kerstin Sterner führt in Büttstedt eine Familientradition fort. Kleiner Dorfladen ist auch sozialer Treffpunkt im Ort.

Kerstin Sterner betreibt in Büttstedt einen kleinen Dorfladen. Dieser ist auch Treffpunkt für die Rentner im Dorf. In den gleichen Räumen befindet sich ihre Cateringfirma.

Kerstin Sterner betreibt in Büttstedt einen kleinen Dorfladen. Dieser ist auch Treffpunkt für die Rentner im Dorf. In den gleichen Räumen befindet sich ihre Cateringfirma.

Foto: Sebastian Grimm

Seit über 100 Jahren wird in der Kleinen Gasse in Büttstedt Handel betrieben. Und dies soll auch, wenn es nach Kerstin Sterner geht, so bleiben. 2007 übernahm die 49-Jährige den Dorfladen im Gebäudeensemble der Familie ihres Mannes von Bertram Bode. Es sei eine große Herausforderung gewesen als junge Frau, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Man wächst aber mit seinen Aufgaben“, sagt die Unternehmerin. Die sich durch den Blick zurück in die Geschichte der Familie Sterner, auch ein klein wenig verpflichtet fühlt, die Tradition fortzuführen. Denn der Uropa Phillip Sterner von Mann Peter war ein Kaufmann durch und durch.

Er gründete in der Kleinen Gasse ein Unternehmen vor 100 Jahren in dem es eben alles gab „was im Dorf gebraucht wurde“. Karl Sterner führte den Laden weiter, handelte mit Lebensmitteln, Artikeln für die Hausschlachterei und vielem mehr. Seine Frau Maria zog sogar über das Land, brachte Waren auf Märkte und in die Haushalte der Region. Zu DDR-Zeiten wurde der Laden vom Konsum übernommen. Nach der Grenzöffnung vermieten Sterners den Laden an verschiedene Inhaber – bis die Verbundenheit zur Familie und die Liebe zur Heimat Peter Sterner und seine Frau Kerstin aus Essen wieder zurück nach Büttstedt zog.

Produkte aus der Region

Zurück in der Heimat reift der Entschluss, den Laden im elterlichen Haus selbst zu führen. Heute sagt Kerstin Sterner: „Die Kleine Gasse ist eine Lebensaufgabe. Es war zwar so nicht geplant, aber ich mache es gern, und vor allem macht es mir Spaß.“ Lebensaufgabe sei es nicht nur wegen der Familientradition, nein, auch um das Gebäudeensemble zu erhalten. Diese meistere sie mit ihrer Familie. Bestätigt sieht sich die gebürtige Heiligenstädterin am Zuspruch aus dem Dorf, und auch Touristen würden den kleinen Dorfladen besuchen. Wert legt die Ladeninhaberin auf die Regionalität der Produkte. So kommt das Mehl aus der Mühle in Martinfeld, Brötchen und Brot liefert die Landbäckerei Weck aus Bickenriede, und die Landfleischerei Schneider gehört auch zu den Lieferanten. „Samstags ist bei uns richtig was los. Da ist das frische Gehacktes gefragt. Es gehört bei den Eichsfeldern eben zu einem guten Frühstück dazu“, sagt Kerstin Sterner. Doch nicht nur mit Lebensmitteln sorgt sie mit ihrem Team für mehr Lebensqualität im Dorf. So können Schuhe zur Reparatur und Pakete abgegeben werden, ein Reinigungsservice für Kleidung rundet das Angebot ab.

Investitionen in Geschäftsräume

„Es ist für mich eine soziale Verpflichtung. Bei uns trifft man sich und kommt ins Gespräch. Es ist auch nicht so eine Hektik wie in den großen Läden“, erklärt Sterner, die zudem noch vier bis fünf Mal im Jahr mit dem Deutschen Roten Kreuz eine Blutspende im Dorf organisiert. So nach und nach habe sich das zweite Standbein, der Cateringservice, entwickelt. Auch hier setzt die Büttstedterin auf Regionalität und versucht immer auf neue Trends einzugehen. „Angefangen hat alles mit einem Plattenservice. Seit drei Jahren betreiben wir das Catering so richtig intensiv. Wir kochen ohne Konservierungsstoffe und bieten auch viele glutenfreie Speisen an.“ Aufgrund der hohen Nachfrage sei es nun an der Zeit gewesen, die Fläche für das Catering zu erweitern.

Daher investiert die Unternehmerin seit Mitte diesen Jahres in das Areal in der Kleinen Gasse und in neue Technik für eine Küche. Auch die Kunden des Dorfladens können sich freuen. Der werde zwar aufgrund des Umbaus etwas kleiner, aber dafür gibt es eine neue Backstation und Fleischtheke. „Wir brauchten auch einen neuen Stromanschluss für die Geräte. Das war die Voraussetzung für die Erweiterung, denn wir platzen aus allen Nähten.“ Dies gelang, da ein Nachbargrundstück samt Haus erworben werden konnte. „Das kleine Haus haben wir abgerissen.“ Neben dem Stromanschluss konnte so auch ein Kundenparkplatz entstehen.

Die Arbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. „Es wird alles effizienter, da wir nun auch die bisher toten Räume mit nutzen.“ So entsteht ein neuer Hygienebereich, und es wird mehr Platz zum Kochen in einer neuen Küche sein. „Es war ein Kraftakt, bis es los ging“, sagt Kerstin Sterner, für die Arbeitstage mit zwölf Stunden auf der Tagesordnung stehen. „Ohne familiäre Unterstützung würde es gar nicht gehen. Ich hoffe, dass wir im März nächsten Jahres fertig sind“, blickt die Powerfrau aus der Kleinen Gasse in die Zukunft.