Shitstorm gegen Zalando nach TV-Reportage über Arbeitsklima in Erfurt

Erfurt. Der Online-Versandhändler Zalando steht nach einer Reportage des TV-Senders RTL unter Kritik. Eine Reporterin arbeitete drei Monate undercover im Erfurter Lager und beklagt massive Missstände. Zalando meint jedoch, 88 Prozent aller Mitarbeiter hätten Spaß.

Zalando wird derzeit stark kritisiert. Archiv-Foto: Oliver Berg/dpa

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Die Reporterin Caro Lobig hatte sich drei Monate lang als Mitarbeiterin in ein Zalando-Lager in Erfurt eingeschleust, um laut "Meedia.de" den Vorwürfen der Gängelung, Bespitzelung von Mitarbeitern und sogar offenkundige Verstöße gegen das deutsche Arbeitsrecht nach zu gehen.

Laut Lobig herrscht in Erfurt "ein Klima, geprägt von ständiger Angst." Die Reporterin soll 18 Kilometer bis 20 Kilometer, an Spitzentagen sogar 27 Kilometer täglich gelaufen sein. Das alles während einer einzigen 8-Stunden-Schicht und "Sitzen wird nicht gern gesehen".

"Man ist nervlich am Boden"

Diese Arbeitsbedingungen sollen laut RTL ihren Tribut fordern: Nach fünf Wochen Lagerarbeit stößt Caro Lobig an ihre Grenzen und kämpft mit Kreislaufproblemen - Hilfe wird ihr nicht angeboten. Und auch andere Mitarbeiter sollen über die gesundheitlichen Folgen der Arbeit klagen: "Man ist nervlich am Boden. Zalando hat mich krank gemacht." Selbst Mitarbeitern eines Rettungsdienstes sei aufgefallen, dass bei Zalando kaum ein Tag vergeht, an dem kein Rettungswagen angefordert wird.

Nach der Ausstrahlung der RTL-Doku hagelt es Kritik in den sozialen Netzwerken. Doch anders als Amazon, das sich vor einem Jahr einem ähnlichen Shitstorm ausgesetzt sah, reagiert man bei Zalando. Boris Radke Sprecher des Online-Händlers twitterte: "Liebes @RTLde wenigstens für ein paar Fakten hättet ihr mal Rücksprache mit uns halten können. Das sind wirklich krasse Lügen. #Zalando"

Unterdessen erklärt das Unternehmen auf seiner Internetseite, den Dingen auf den Grund zu gehen. "Wir werden genau prüfen, inwieweit Kritik zutrifft & ob es sich um systematische Probleme oder Fehler Einzelner handelt." Ver.di nutzt derweil die Aufmerksamkeit um sich für die Rechte der Arbeitnehmer stark zu machen und twittert: "#RTL-Doku zu #Zalando zeigt, dass sich Beschäftigte wie bei #Amazon wehren müssen. Versandhandel braucht Betriebsräte & Tarifverträge."

Facebookuser skandieren "Sklavando"

In den sozialen Netzwerken sieht sich der Modeversand, der dort "Sklavando" genannt wird, derzeit einem Shitstorm ausgesetzt. Die Unternehmensführung von Zalando hat umgehend reagiert, zeigte sich "entsetzt" und dementierte.

Auch bei Facebook sorgt die Doku für Empörung. Facebookuser Christos Papakostas schreibt auf der Zalandoseite: "Die Doku lügt nicht... das ist einfach menschenunwürdig was ihr da abzieht." Martin Schirghuber meint: "Merkt euch eines ein für alle Mal!!! Wir Konsumenten haben die Macht! Wenn wir wollen, dass ihr den Bach runter geht, dann machen wir das auch!"

"Bespitzelung durch Kollegen in guter alter DDR Manier"

Facebooknutzer "Mic Mic" schreibt: "Ich zitiere einen User von heute Morgen, für alle die die Doku nicht gesehen haben. Mehr gibt‘s nicht zu sagen über das Arbeitslager in Erfurt: "keine bezahlten Pausen, Weg zur Kantine und Taschenkontrolle wird von der Pausenzeit abgezogen, Bespitzelung durch Kollegen in guter alter DDR Manier; Chefs, die eigentlich ein weißes T-Shirt im Lager tragen, ziehen gerne mal ein schwarzes Shirt der einfachen Lagerarbeiter an, damit man sie nicht gleich erkennt und sie die Leute aushorchen können. Jeder Chef kann anhand der Scans zu jeder Zeit sehen, wie lange und wo sich der Mitarbeiter irgendwo aufhält. Man muss sich rechtfertigen, wenn man auf Klo geht, die Zeit wird sogar notiert. Verpetzt man einen Kollegen, kann man schneller aufsteigen."

Demgegenüber steht eine Pressemitteilung des Online-Händlers: "Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten. Unser Ziel und Anspruch ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein. Dass wir hierbei auf einem guten Weg sind, bestätigen uns auch unsere Mitarbeiter, die die Bedingungen vor Ort am besten kennen. Laut einer vertraulichen Mitarbeiterumfrage mit einem externen Meinungsforschungsinstitut aus dem Oktober 2013 bestätigen uns die mehr als tausend Teilnehmer allein am Standort Erfurt ein positives Arbeitsklima:

  • 88 Prozent unserer Mitarbeiter macht ihre Tätigkeit Spaß
  • 84 Prozent unserer Mitarbeiter planen, langfristig bei Zalando zu bleiben
  • 80 Prozent der Mitarbeiter sind stolz, bei Zalando zu arbeiten"

Auch auf Facebook hat Zalando reagiert: "Liebe Follower, auch wir sind über den Beitrag erschüttert. Wir setzen uns kritisch mit dem eigenen Unternehmen auseinander und nehmen die Vorwürfe sehr ernst", heißt es in einem aktuellen Facebook-Beitrag. Das gibt der Empörung jedoch keinen Abbruch. Mittlerweile haben tausende Facebookuser ihrem Frust auf der Seite von Zalando freien Lauf gelassen - Tendenz steigend.

Geteilte Meinungen über die Erweiterung von Zalando

Zalando bezieht zu den Kritikpunkten von RTL Stellung

Zalando bestreitet Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen

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