So schwierig ist die Arbeitssuche für Menschen mit Handicap

Erfurt.  In Thüringen waren im November 4455 schwerbehinderte Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, das sind mehr als acht Prozent aller Erwerbslosen.

Nicht nur Blinde haben Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Nicht nur Blinde haben Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Foto: Foto: Peter Michaelis

Die 1132 Unternehmen in Mittelthüringen mit mehr als 20 Mitarbeitern beschäftigen 7555 Menschen mit einer anerkannten Behinderung. „Dennoch sind auch in unserem Agenturbezirk noch immer 1047 Schwerbehinderte arbeitslos“, sagte die Chefin der Arbeitsagentur Erfurt, Beatrice Ströhl, gestern in Erfurt.

Nicht nur angesichts des Fachkräftemangels in den Unternehmen lohne es sich auch für die Wirtschaft, das Potenzial von Menschen mit Handicaps zu erschließen, warb Ströhl für die Inklusion. Immerhin hätten drei Viertel der Behinderten in der Region eine abgeschlossene Berufsausbildung. „Fünf Prozent dieser Menschen haben sogar einen akademischen Abschluss“, sagte Ströhl.

Die tägliche Praxis beweise, dass Behinderte nicht nur hochmotiviert an ihre Arbeit gingen, diese Menschen seien auch loyal und treu gegenüber ihrem Arbeitgeber, so die Agenturchefin zur Eröffnung der Woche der Menschen mit Behinderungen.

Noch immer dauere es fünf bis sechs Monate länger als bei Nichtbehinderten, einen Arbeitslosen mit Handicap wieder in Arbeit zu bringen. In der Realität müssten Betroffene bis zu eineinhalb Jahren auf einen neuen Job warten, räumte Ströhl ein.

Immer mehr Firmen würden sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und Menschen mit Handicaps beschäftigen, erklärte die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt Cornelia Haase-Lerch. „Diese Unternehmen berichten uns von motivierten Mitarbeitern, die sich im Interesse der Firmen einbringen“, so Haase-Lerch.

Gerade kleinere Unternehmen würden sich engagieren, beklagten aber einen unübersichtlichen Förder-Dschungel bei diesem Thema. Die Kammer sensibilisiere nicht nur Unternehmer in dieser Frage, sie biete ebenso Beratungen an. Man arbeite eng mit den Arbeitsagenturen und Integrationsämtern zusammen und verweise unter einander auf die jeweils zuständigen Stellen weiter, sagte Haase-Lerch.

„Probieren Sie aus, ob Sie zusammen passen“, warb Sylvia Schie von der Erfurter Arbeitsagentur für Praktika oder eine Probebeschäftigung von Behinderten, die bis zu drei Monate lang möglich sei.

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