Spatenstich für Milliardenprojekt im Industriegebiet Erfurter Kreuz

Arnstadt/Berlin  Chinesische Investoren wollen zeigen, dass sich in Thüringen Zellen für E-Autos wirtschaftlich produzieren lassen und investieren dafür fast zwei Milliarden Euro.

Die Firma CATL vollzog Freitagvormittag den Spatenstich im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz. In den nächsten fünf Jahren soll ein Werk für Akkus und Batterien für die E-Mobilität entstehen. Es wird mit bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet.

Die Firma CATL vollzog Freitagvormittag den Spatenstich im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz. In den nächsten fünf Jahren soll ein Werk für Akkus und Batterien für die E-Mobilität entstehen. Es wird mit bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet.

Foto: Ralf Ehrlich

Investitionen von 1,8 Milliarden Euro, bis zu 2000 neue Jobs, Kunden von BMW über Bosch bis Volvo: Der chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus CATL (Contemporary Amperex Technology Ltd.) klotzt bei seinem ersten Produktionsausflug nach Europa. Am Freitag haben bei Arnstadt die Bauarbeiten für ein großes Werk begonnen, aus dem in den nächsten Jahren massenhaft Zellen für die Batterien von Elektroautos in Europa kommen sollen.

Matthias Zentgraf, Europa-Chef von CATL, blickt voraus: „Die Investitionssumme von 1,8 Milliarden Euro soll nach den Planungen innerhalb von 60 Monaten umgesetzt werden – natürlich abhängig von der Marktentwicklung bei Elektrofahrzeugen“, sagt er. In der ersten Etappe würden 2020 die ersten 200 Arbeitsplätze entstehen.

Für Thüringen ist die Zellproduktion nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eine große Chance, zumal das Land kräftig in die Batterieforschung, vor allem in Jena, investiert. Thüringen, wo Autozulieferer Indus-trieschwergewichte sind, könnte „zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für Batterietechnologie aufsteigen“, hofft der Minister. Fast ein Jahr hatte Tiefensee mit einem Team um die Ansiedlung gekämpft.

BMW ordert bei CATL Batteriezellen im Wert von vier Milliarden Euro

Einige CATL-Kunden, darunter BMW, haben bereits konkrete Bestellungen abgegeben. Der Münchner Autokonzern, der auch in Leipzig produziert, orderte am Tag der CATL-Entscheidung bei den Chinesen Batteriezellen im Wert von vier Milliarden Euro. Davon sollen Zellen im Wert von 1,5 Milliarden Euro ab 2021 aus Arnstadt kommen, kündigte der BMW-Vorstand an.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht davon aus, dass 7,0 bis 10,5 Millionen E-Autos bis 2030 in Deutschland rollen müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das Auto-Institut rechne mit einem „breiten Marktdurchbruch 2020 und 2021“. Die deutsche Autoindustrie, die sich bei Zellen bisher weitgehend auf Lieferungen von Anbietern aus Asien verlässt, hat ein Auge auf das Arnstädter Projekt. Ist CATL mit einer Produktion in Thüringen erfolgreich, wachse der Druck, dass auch deutsche Hersteller in die Fertigung einsteigen, heißt es unter Automobilfachleuten.

Amt Wachsenburg und Arnstadt versprechen sich steigende Steuereinnahmen und Einwohnerzuwachs

In der Politik und der Branche wird seit Jahren über die Marktmacht asiatischer Hersteller diskutiert und die Frage, ob deutsche und europäische Autohersteller dadurch in eine zu große Abhängigkeit geraten, wenn der Verkauf von E-Fahrzeugen wie erhofft stark anzieht.

Das Amt Wachsenburg und die Stadt Arnstadt versprechen sich von der Neuansiedlung steigende Steuereinnahmen und einen Einwohnerzuwachs. Die Dimension des Werks wird aber auch mit Skepsis betrachtet – unter anderem, weil die Straßen im Erfurter Kreuz schon jetzt an der Belastungsgrenze sind. Sie sollen ausgebaut werden, allerdings dürfte das noch sechs bis sieben Jahre dauern.