Staatssekretärin verlangt in Heiligenstadt ein „Umdenken in der Gesellschaft“

Heiligenstadt.  Die Thüringer Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst diskutiert in Heiligenstadt mit Mitarbeitern mehrerer Firmen über Fachkräftemangel, Ausbildung und Digitalisierung.

Staatssekretärin Valentina Kerst (SPD) besucht zwei Firmen in Heiligenstadt, darunter Leitec. Es geht um das Thema Digitalisierung.

Staatssekretärin Valentina Kerst (SPD) besucht zwei Firmen in Heiligenstadt, darunter Leitec. Es geht um das Thema Digitalisierung.

Foto: Daniela Huppach

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Es ist Vormittag, als Staatssekretärin Valentina Kerst (SPD) in der Firmenzentrale von Volimea in der Kreisstadt ankommt. „Ich möchte Sie kennenlernen, und mich interessiert, was Sie denken“, sagt die Staatssekretärin zur Begrüßung. Das Kennenlernen beginnt mit einem Rundgang durch die Firma. Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) und die im Landkreis Zuständige für Digitales, Diana Gerlach, sind ebenfalls zu Gast. Anschließend finden sich alle Mitarbeiter zusammen. Nach einer kurzen Präsentation des Unternehmens beginnt auch schon die Diskussions- und Fragerunde.

Die Mitarbeiter von Volimea interessiert vor allem der Fachkräftemangel im Handwerk. Doch das ist nicht das einzige Thema, das die Angestellten beschäftigt. Auch die Zukunft, insbesondere die der Kinder, steht im Vordergrund. Es geht um Auftragsüberlastung der Handwerker, die aufgrund fehlenden Nachwuchses schon lange nicht mehr alle eingehenden Aufträge bearbeiten können. „Handwerk funktioniert im Hier und Jetzt“, sagt Kerstin Dorenwendt-Zarski, Geschäftsführerin von Volimea. „Wenn sich ein Kunde für ein Produkt entscheidet, möchte er nur noch wissen, wann er dies haben kann.“ Wegen fehlender Auszubildender kann die große Auftragslast aber nicht mehr schnell genug bearbeitet werden.

Die Staatssekretärin für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitales und Bürgermeister Spielmann sind sich einig: Gespräche mit der Handwerkskammer sind dringend notwendig, um schnelle Lösungsansätze zu finden. Darum wollen sie sich kümmern. Doch auch in der Gesellschaft müsse ein Umdenken stattfinden, denn noch immer schicke eine Vielzahl von Eltern ihre Kinder für das Abitur aufs Gymnasium und später zum Studium. Und das, obwohl die Verdienstmöglichkeiten mit einer Ausbildung, speziell im Handwerk, mittlerweile fast besser stehen. „Die Erwachsenen müssen verstehen, dass ihre Kinder nicht als weniger gebildet angesehen werden, wenn sie statt Abitur eine Ausbildung absolvieren. Das findet aber zunächst in den Köpfen der Gesellschaft statt“, ist sich Valentina Kerst sicher und stößt damit auf Zustimmung. Ein gutes Beispiel sei aber auch das Handwerksabitur, das bisher ausschließlich in Erfurt angeboten wird, bei dem handwerkliche Fächer anstelle von Mathe und Deutsch im Fokus der Ausbildung stehen. „Weitere solcher Einrichtungen, könnten das Problem ebenfalls lösen“, heißt es im Raum.

Valentina Kerst ist an diesem Tag noch in einem anderen Unternehmen, gleich nebenan bei Leitec. Auch hier geht es um einen intensiven Austausch. Die Geschäftsführer Bernd und Michael Apitz, aber auch Ulrich Gabel, der Geschäftsführer der Eichsfeldwerke, wollen über die anstehenden Herausforderungen der Digitalisierung in der Region Eichsfeld sprechen, aber auch wirtschaftliche Belange und den Breitbandausbau thematisieren. Der Faktor Mensch im Digitalisierungsprozess in Wirtschaft und Verwaltung - das bildete den Abschluss der Gesprächsrunde mit der Staatssekretärin. Mit der Unternehmensbesichtigung stellte Geschäftsführer Bernd Apitz der Staatssekretärin und auch Ulrich Gabel direkt die digitalgesteuerte Energie- und Gebäudetechnik bei Leitec vor. „Es waren interessante Gespräche“, lautete die Bilanz.

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