Thüringen ist gegen Südlink-Kabel und setzt auf regionale Energie

Erfurt.  Ministerpräsident verspricht Bürgerinitiative Ausschöpfung aller juristischen Möglichkeiten.

Regelmäßig gibt es Proteste von Gegnern der geplanten Stromtrasse Südlink.

Regelmäßig gibt es Proteste von Gegnern der geplanten Stromtrasse Südlink.

Foto: Michael Reichel / dpa

Mehr Einvernehmlichkeit zwischen Bürgerinitiative und Regierungschef ging nicht. „Wir ziehen am selben Strang und werden den Südlink-Strang weiter bekämpfen. Dazu steht die Landesregierung“, sagte Bodo Ramelow (Linke) am Donnerstagnachmittag bei einem Treffen mit Vertretern der Bürgerinitiative „Thüringer gegen Südlink“ in der Staatskanzlei. Gekommen waren der gesamte Vereinsvorstand sowie der linke Kreistags- und Landtagsabgeordnete Patrick Beier, um mit einem aktuellen Gutachten um Unterstützung im Ringen gegen das Erdkabel zu bitten. Ramelow nahm nicht nur das Buch an, sondern bat um weitere Exemplare, um sie unter seinen Ministerpräsidentenkollegen zu verteilen.

In der Studie des Regensburger Wirtschaftswissenschaftlers Lorenz Jarass wird der geplanten Kabel-Trasse ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung würden die Netzausbaukosten nicht berücksichtigt, was die Bedarfsanalyse des Netzentwicklungsplanes (NEP) fragwürdig mache, stellt der Energieexperte fest. Stattdessen könnten mit regionalen Energiekonzepten Kosten und Abhängigkeiten reduziert werden. Würde Überschussstrom vor Ort in Gas umgewandelt, könnten der Netzausbau nach Süden. verringert und neun Milliarden Euro Leitungskosten eingespart werden. Die „Thüringer gegen Südlink“ wollen die Trasse komplett verhindern und setzen auf eine Stromversorgung vor Ort.

Ramelow bekräftigt strikte Ablehnung

Beim Ministerpräsidenten rannten sie damit offene Türen ein. Einmal mehr bekräftigte Ramelow die strikte Ablehnung der Trasse durch das Land. Selbst für den Fall, dass der Strom benötigt werde, sprächen wichtige Gründe gegen das Erdkabel. So verletze der Verlauf das wirtschaftliche Gebot der Geradlinigkeit, wofür Ramelow auch die Haltung Hessens mit verantwortlich machte. Des weiteren würden sinnvolle Alternativen wie die Erweiterung bestehender Oberleitungstrassen ignoriert. Laut MP könnte durch den Vollausbau der 380-KV-Leitung schon heute deutlich mehr Strom nach Süden transportiert werden, was Bayern jedoch blockiere. Ohnehin könne sich Thüringen mittels Stromgewinnung aus nachhaltigen Quellen wie Biomasse, Wind oder Kälte-Wärme-Tausch gut selbst versorgen.

Aktuell beginnt der Vorschlagstrassenkorridor zwischen Gerstungen und Eisenach, verläuft dann in südöstlicher Richtung durch den Land­kreis Schmalkalden-Meiningen und erreicht bei Henneberg die Landes­grenze. Einen Eilantrag des Landes dagegen lehnte das Bundesverwaltungsgericht 2019 mit dem Hinweis ab, dass noch nichts entschieden sei. „Wir werden weiter mit allen juristischen Mitteln gegen die Trasse kämpfen“, versprach Bodo Ramelow gestern.

Derweil teilten die Südlink-Betreiber Tennet und TransnetBW mit, dass parallel zum Genehmigungsverfahren bereits Aufträge für kunststoffisolierte 525-Kilovolt-Erdkabel vergeben wurden. Benötigt würden 2500 Kilometer Kabel. Zur Jarass-Studie wollte TransnetBW-Sprecher Alexander Schilling sich nicht äußern, da sie ihm nicht vorliege. „Der im NEP identifizierte Ausbaubedarf stellt das absolute Minimum dar, da die bestätigten Maßnahmen in allen Szenarien, ob konservativ oder ehrgeizig, notwendig sind. Während in Nord- und Ostdeutschland die Erzeugung die lokale Nachfrage um mehr als das Doppelte übertrifft, herrscht in Süd- und Westdeutschland ein Erzeugungsdefizit“, so Schilling gestern.