Thüringen mit dem größten Lohnplus in Deutschland

Erfurt. Erfreuliche Nachricht für die Beschäftigen in Thüringen: Die Einkommen stiegen in keinen anderen Bundesland in den zurückliegenden fünf Jahren derart stark wie hier.

Die Thüringer waren in den vergangenen Jahren beim Lohn-Zuwachs bundesweit Spitzenreiter. Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

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„Bei der Entwicklung der Bruttolöhne liegt der Freistaat an der Spitze aller Bundesländer“, bestätigte am Sonntag Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Nach den Daten des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ legten die Löhne in Thüringen seit dem Jahr 2010 um 18,9 Prozent zu. Das bringt Thüringen auf den Spitzenplatz, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 18,6 Prozent. Das Schlusslicht ist Hessen.

„Die Abkehr von der Niedriglohnstrategie früherer Jahre beginnt sich für die Beschäftigten in Thüringen auszuzahlen“, kommentierte Tiefensee die Entwicklung. Sowohl die Förderpolitik als auch die Vergabe öffentlicher Aufträge sei im genannten Zeitraum erstmals an faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen gekoppelt worden.

Natürlich hätten auch der wachsende Fachkräftebedarf und die größere Bereitschaft der Thüringer Arbeitnehmer zum Jobwechsel zur positiven Lohnentwicklung beigetragen, betonte der Wirtschaftsminister. „Es gibt selbstbewusstere Beschäftigte und stärkere Betriebsräte in den Unternehmen.“ Das führe allmählich zu einem Umdenken in der Wirtschaft.

Gewerkschaft: Thüringer müssen länger arbeiten

Dagegen sehen die Gewerkschaften in Thüringen kein generelles Abrücken von der Niedriglohnstrategie. „Die wird zwar von der Politik nicht mehr propagiert, aber unabhängig davon, von vielen Firmenchefs praktiziert“, sagte Thüringens DGB-Chef Sandro Witt.

Der beste Beweis dafür, dass viele Unternehmer noch immer auf niedrige Löhne setzten, sei die geringe Tarifbindung der Unternehmen in Thüringen. Dadurch müssten Thüringer auch deutlich länger arbeiten, als Beschäftigte in den alten Bundesländern.

Thüringens DGB-Chef sieht vor allem im eingeführten Mindestlohn einen Grund für gestiegene Einkommen in Thüringen. „Der Mindestlohn hat dazu geführt, dass mehr als 300.000 Menschen in Thüringen statt vier Euro jetzt 8,50 Euro in der Stunde verdienen“, so Witt.

Dessen ungeachtet sei in Thüringen das Lohnniveau generell unverändert noch viel zu niedrig, kritisierte Sandro Witt.

Das räumte auch der Wirtschaftsminister ein. Auch er sieht bei der Lohn- und Gehaltsentwicklung auch künftig großen Nachholbedarf.

Nach wie vor liegt Thüringen bei den Bruttolöhnen auf dem viertletzten Platz. So verdient ein Arbeitnehmer in Thüringen im Jahresschnitt 26.939 Euro, etwas mehr als in Mecklenburg-Vorpommern (25.828 Euro), Sachsen-Anhalt (26.783 Euro) und Sachsen (26.907), aber deutlich weniger als in strukturell vergleichbaren westdeutschen Ländern wie Schleswig-Holstein (28.582 Euro) oder Rheinland-Pfalz (31.072 Euro).

Einkommensspitzenreiter ist Hamburg mit 39.201 Euro.

Zahl der Erwerbstätigen in Thüringen sinkt

  • Im zurückliegenden Jahr hatten laut Landesamt für Statistik 1,042 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz in Thüringen.
  • Damit verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Jahr 2014 um 4200 oder 0,4 Prozent.
  • Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen war damit das dritte Jahr in Folge rückläufig.
  • Bundesweit stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Vorjahr dagegen um 0,8 Prozent auf 43,03 Millionen.
  • Während in Thüringen die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Vorjahr wuchs, gab es weniger geringfügig Beschäftigte.

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