Thüringen nicht mehr Schlusslicht bei Löhnen

Erfurt. Thüringen ist nicht mehr das Schlusslicht bei Löhnen. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wird schlechter bezahlt.

Thüringen verabschiedet sich Schritt für Schritt vom Ruf des Billig-Lohnlandes. Archiv-Foto: Jens Büttner/dpa

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Thüringen verabschiedet sich Schritt für Schritt vom Ruf des Billig-Lohnlandes. "Tarifgebundene Betriebe zahlen inzwischen so gut wie Westlohn", sagt Rolf Düber vom DGB Thüringen. Er bezieht sich dabei auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Danach erhalten Beschäftigte vor allem in den größeren Thüringer Unternehmen fast zu 100 Prozent die gleichen Löhne wie in Hessen oder Bayern.

"Das Problem in Thüringen liegt allerdings in der vergleichsweise geringen Tarifbindung der Unternehmen. Vor allem mittelgroße oder kleine Firmen zahlen sehr viel weniger", so Düber.

In Thüringen halte sich nur ein Viertel der Betriebe an Tariflöhne, so der DGB. "Da dies vor allem größere Betriebe betrifft, kommt immerhin jeder zweite Arbeitnehmer in den Genuss einer fairen Bezahlung", sagt Düber. Er sieht "eine solide Erfolgsgeschichte für jene Firmen, in denen Tarifverträge gelten". """"Arbeitnehmer zwischen Suhl und Nordhausen zählten über Jahre hinweg zu den schlecht bezahltesten in ganz Deutschland. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind mittlerweile jene beiden Länder, in denen bundesweit am wenigsten verdient wird.

Wer schlecht bezahlt wird, wandert ab

Verlierer beim Thema Lohn sind in Thüringen viele Beschäftigte in Kleinbetrieben, Zeitarbeiter sowie Mitarbeiter in Branchen, die besonders schlecht bezahlen. Dazu gehören neben dem Handel die Gas-tronomie und die Logistik.

Sehr gut verdient wird dagegen im Energiebereich, bei Banken sowie in der Metall- und Elektro-Industrie.

"Wir können uns gar nicht leisten, unseren Leuten in der Metallbranche schlechtere Löhne als in Hessen oder Bayern zu bieten", so eine Sprecherin des Thüringer Arbeitgeberverbandes. "Dann sind sie ganz schnell weg und ab im Westen", fügt sie hinzu.

Auch aus Sicht der Landesregierung ist das Thema Abwanderung wegen schlechterer Bezahlung längst noch nicht vom Tisch. So haben die neuen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auch ergeben, dass ein Beschäftigter in Thüringen immer noch mehr als zehn Euro pro Stunde weniger verdient als nebenan in Hessen.

"Wir haben nach wie vor viele hoch Qualifizierte, die wegen besserer Bezahlung in die westlichen Nachbarländer abwandern", räumt Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ein. Dies sei aber vor allem Sache der Tarifpartner, so der Minister. "Natürlich versuche das Land, jene Unternehmen besonders zu fördern, die innovative und damit gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen.

"Auch mit dem Mindestlohn ist es dem Land gelungen, uns vom Ruf eines Billig-Lohnlandes zu verabschieden", so Tiefensee. Bei Thema Fachkräftemangel und junge Absolventen aber müssten die Unternehmen noch sehr viel mehr tun als in der Vergangenheit. Manche Firmen hätten die Dramatik immer noch nicht begriffen, warnt der Minister.

Thüringer mit den meisten Arbeitsstunden in Deutschland:

Thüringer haben mit 1389 Stunden jährlich die längste Arbeitszeit in Deutschland. Damit schaffen sie 90 Stunden länger als die Bayern.

Bei den Verdiensten ist es genau umgekehrt. Hier erhält der Thüringer im Durchschnitt – vom Billigarbeiter bis zum Beamten – einen Stundenlohn von 22,69 Euro. In Bayern bewegt sich der Durchschnittslohn dagegen bei 31,76 Euro, in Hessen liegt er sogar bei 33,11 Euro.

Die gute Nachricht: In den letzten Jahren ging es auch für die Thüringer bei den Reallöhnen wieder bergauf. Die Inflation eingerechnet, hatten sie seit 2012 rund vier Prozent mehr Lohn in der Tasche.

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