Thüringen sucht in Ungarn Lehrlinge

Die Wirtschaft und Bauern werben verstärkt in Osteuropa um Nachwuchs und jetzt auch im Ruhrgebiet. Zum heutigen Start des Lehrjahres gibt es noch Angebote in fast allen Branchen.

Nicht immer gibt es in allen Branchen genügend Lehrlinge. Schwerpunkte bilden die Industrie, das Handwerk, die Landwirtschaft sowie der Dienstleistungsbereich.

Nicht immer gibt es in allen Branchen genügend Lehrlinge. Schwerpunkte bilden die Industrie, das Handwerk, die Landwirtschaft sowie der Dienstleistungsbereich.

Foto: zgt

Erfurt. Über 1000 Lehrstellen sind mit dem heutigen Start in das neue Lehrjahr allein in den Unternehmen Thüringens noch frei. Grund: Es fehlen die Bewerber. Unbesetzt sind Ausbildungsplätze inzwischen in fast allen Branchen der Thüringer Wirtschaft. Schwerpunkte bilden allerdings die Industrie, das Handwerk, die Landwirtschaft sowie der Dienstleistungsbereich im Freistaat.

Hinzu kommen noch einmal all jene ungenutzten Kapazitäten, die über die Betriebe hinaus der Staat zur Verfügung stellt. Wegen des demografischen Wandels und damit fehlender Jugendlicher sollte diese sogenannte "vollzeitschulische Ausbildung parallel zu den Unternehmen" jetzt weiter zurück gefahren werden, forderte die Erfurter Industrie- und Handels- kammer (IHK) gestern.

Aufgrund des Mangels an Lehrlingen weitet die Thüringer Wirtschaft inzwischen die Suche nach geeigneten Jugendlichen auf die östlichen EU-Mitgliedsstaaten Polen und auch Ungarn aus.

Ab Herbst werden dazu spezielle Praktika mit Sprachkursen gestartet, um den jungen Ausländern den Einstieg zu erleichtern. "Die Entscheidung, eine Lehre in Thüringen zu beginnen, müssen die jungen Polen und Ungarn dann selbst fällen", sagte Erfurts IHK-Chef Gerald Grusser gestern gegenüber unserer Zeitung.

Auch die Bauern wollen verstärkt über die Landesgrenzen hinaus werben. "Grundsätzlich wird das Interesse zunehmen, geeignete Jugendliche etwa in westdeutschen Ballungszentren oder im Ausland zu gewinnen", sagte Agrarminister Jürgen Reinholz (CDU) gestern unserer Zeitung. Dabei gibt es vom Ruhrgebiet bis hin nach Schleswig-Holstein keine regionalen Tabuzonen.

Seit Wochen schalten zudem die Thüringer Kammern eine spezielle Ferienhotline, die noch unversorgten Jugendlichen Angebote unterbreitet und Fragen rund um die Ausbildung beantwortet. "Mit der Einrichtung unserer Telefon-Hotline konnten wir bereits 320 freie Ausbildungsplätze in den Unternehmen besetzen", sagt Grusser.

Immer mehr Jugendliche zeigten sich flexibel und nutzten auch die Angebote außerhalb des Wohnortes. In immerhin 908 Fällen liege der Ausbildungsbetrieb nicht im heimatlichen Landkreis, informierte die Erfurter Kammer nach der Auswertung ihrer Telefonhotline.

Mit der Telefonhotline sei auch das Interesse am Online-Angebot der Kammer sprunghaft in die Höhe geschnellt. Noch immer biete die Online-Lehrstellenbörse allein der Erfurter Kammer 853 betriebli-che Ausbildungsplätze.

Jeder zweite davon kommt aus dem gewerblich-technischen Bereich, 238 Offerten stammen aus kaufmännischen Berufen und 212 aus dem Hotel- und Gastgewerbe. Das Spektrum reicht vom Koch und Restaurantfachmann über den Mechatroniker und die Fachkraft für Süßwarentechnik bis zur Bürokauffrau. Die Wirtschaft macht besonders Real- aber auch Hauptschülern Mut, sich zu bewerben.

Auch die IHK Ostthüringen informiert inzwischen über eine Telefonhotline über freie Lehrstellen in der Region. Dort sind in der Börse noch mehr als 200 betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt, wie die Kammer mitteilte. Auch in der ostthüringer Region fehlen Bewerber vor allem im Metallbereich, aber auch Bürokaufleute und Lagerlogistiker sind gesucht.

Nachwuchs in vielen Unternehmen gesucht

Rund 11 000 Thüringer Jugendliche registrierten sich laut Arbeitsagentur bis Mitte Juli für eine betriebliche Ausbildung.

Bisher sind 12 200 betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet worden.

Unversorgt sind in Thüringen noch 3000 Ausbildungsbewerber, denen noch 4700 offene Lehrstellen gegenüberstehen.

Die Zahl freier Plätze erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel.

Besonders gute Chancen haben derzeit Jugendliche, die eine Ausbildung suchen, in der Glas- und Keramikverarbeitung, in der Kunststoff- und Holzverarbeitung sowie in den Bereichen Metall und Mechatronik.

Gesucht sind junge Leute ebenfalls in Energie- oder Elektroberufen, als Maschinen- und Fahrzeugtechniker, in der Lebensmittelherstellung und Lebensmittelverarbeitung.