Thüringen verliert jährlich 3200 Hektar Ackerfläche

Erfurt  Zunehmende Versiegelung bedroht die Landwirtschaft, Umwelt und Hochwasserschutz. Das Land will mit Flächen-Management gegensteuern.

Straßen, vor allem aber neue Gewerbe- und Wohngebiete, treiben den Flächenfraß voran.

Straßen, vor allem aber neue Gewerbe- und Wohngebiete, treiben den Flächenfraß voran.

Foto: R. Ehrlich

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Hier ein neuer Supermarkt, dort eine Fabrikhalle – Thüringen wird Stück für Stück zugebaut. Allein im Jahr 2016 gingen im Freistaat durch neue Straßen, Gewerbegebiete und Wohnsiedlungen fast 3200 Hektar Land verloren. Das sind über acht Hektar pro Tag, also zwölf Fußballfelder. Vier Jahre zuvor war es noch die vergleichsweise geringe Fläche von 1965 Hektar, die zubetoniert wurde. Derzeit rechnet man, dass bereits fünf Prozent der gesamten Landesfläche versiegelt sind.

Der Verlust von Grund und Boden geht häufig auf Kosten der Landwirte, weshalb diese regelmäßig gegen den „Flächenfraß“ protestieren. „Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass die Ressource Boden begrenzt ist“, erklärte dazu Reiko Wöllert, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL). Zumal ökologische Ausgleichsmaßnahmen eher kontraproduktiv seien. Denn wenn aufgrund von Versiegelung in der Nähe gelegene Felder aus der Nutzung genommen würden, um etwa Streuobstwiesen auszuweisen, gehe das ebenfalls auf Kosten der landwirtschaftlichen Betriebe.

„Straßen und Bahnstrecken zerschneiden nicht nur die Lebensräume der Tiere, sondern dezimieren vor allen Dingen auch die Artenvielfalt“, sagte Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des Naturschutzverbandes BUND. Hinzu käme, dass Lebensqualität und touristische Attraktivität aufgrund von Naturzerstörung deutlichen sinken würden.

Die zunehmende Versiegelung der Flächen begünstigt auch Überschwemmungen. Und die anhaltende Verknappung der Acker-Flächen ist einer der Haupttreiber für den Anstieg der Pacht- und Bodenpreise. Mittlerweile muss man in Thüringen mindestens 9700 Euro für einen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche hinblättern.

Die Landesregierung hat das Problem erkannt. Und sich langfristig das Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch auf Netto-Null zu senken, heißt es auf Nachfrage im Landwirtschaftsministerium. Für eines der wichtigsten Projekte zum Thema „Flächen sparen“ soll beispielsweise morgen der Startschuss fallen. Dabei handelt es sich um das kostenfrei bereitgestellte Managementtool „Floo“, mit dem sowohl Städte als auch Gemeinden ihre Flächenpotenziale erfassen, analysieren und aktivieren können. „Bevor etwas auf die grüne Wiese gebaut wird, müssen wir schauen, welche anderen Ressourcen wie Baulücken oder Brachflächen zur Verfügung stehen“, erklärte dazu Ministerin Birgit Keller (Linke). Beispielsweise bekommt man einen Überblick über leer stehende Gebäude sowie über geringfügig genutzte Flächen und Restnutzungen.

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