Thüringer Firmen bekommen Millionenaufträge von der Bahn

Die Bahn investiert kräftig in Thüringen und vergibt jährlich Aufträge im dreistelligen Millionenbereich an die Mittelständler im Freistaat.

Universalbeton aus Heringen bei Nordhausen lieferte Beton-Elemente für das ICE-Gleisbett. Foto: Sascha Fromm

Universalbeton aus Heringen bei Nordhausen lieferte Beton-Elemente für das ICE-Gleisbett. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Molsdorf. Darauf verwies Bahnchef Rüdiger Grube vor Thüringer Unternehmern im Schloss Molsdorf. Von der Terrasse des Schlosses aus ist das mit Abstand größte Projekt zu sehen. An der ICE-Neubaustrecke in Richtung München verlegt man derzeit die Gleise.

Die Strecke werde eine konkurrenzfähige und umweltgerechte Alternative zu anderen Verkehrsmitteln, ist der Konzernchef überzeugt. "Wir haben in den zurückliegenden fünf Jahren rund 1,4 Milliarden Euro in Thüringen investiert", sagte Grube. Allein in den Ausbau des Erfurter Bahnhofes seien 230 Millionen Euro geflossen. Und dort werde in den kommenden Jahren noch weiter gebaut. So entstehen entlang der Neubaustrecke Stütz- und Lärmschutzwände, werden Weichen und Sicherungstechnik installiert und angeschlossen. Außerdem kaufe das Unternehmen jedes Jahr für 185 Millionen Euro bei Thüringens mittelständischen Unternehmen ein.

Grube räumte Probleme im Fernverkehr der Bahn in den zurückliegenden Jahren ein. Man habe 253 ICE-Züge im Einsatz und keine Puffer, falls einer ausfalle. Zudem müssten die Züge nach einer Anordnung des Eisenbahnbundesamtes derzeit weit häufiger zur Kontrolle in die Werkstätten, als ursprünglich vorgesehen. "Die fehlen uns dann entsprechend."

Er bekommt täglich zwischen 1000 und 3000 Zuschriften mit Lob oder Tadel. Anfangs sei der Stapel mit den Beschwerden weit größer gewesen als derzeit, betonte Grube. "Ich ziehe mir jeden Tag zehn Briefe heraus und rufe die Schreiber persönlich an", schilderte der Bahnchef sein Vorgehen. Das Erstaunen am anderen Ende der Telefonleitung sei dann stets groß. "Einmal war ein Brief von Heidi Klum dabei, bei meinem Anruf meldete sich ihr Vater", so Grube. Der habe ihm nicht glauben wollen, dass er am Telefon sei. "Ich musste ihn erst davon überzeugen."

Sorgen bereitet Grube der Zustand vieler Bahnhöfe, auch in Thüringen. Man habe allein 2011 etwa 850 Millionen Euro für die Erneuerung von Bahnhöfen ausgegeben, das reiche für die Sanierung von etwa 100. Bei diesem Tempo benötige man 32 Jahre, um alle zu sanieren.

Bei der in Thüringen heftig diskutierten Frage der neuen Stromtrassen durch den Freistaat, rechnet der Bahnchef mit baldigen Entscheidungen. Prinzipiell sei ein Bündelung von ICE- und Stromtrassen denkbar, aber die über 80 Meter hohen Masten einer Starkstromtrasse seien natürlich ein anderer Eingriff in die Landschaft, als die 15-Meter-Masten der Bahnstromtrasse.

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Kommentiert von Bernd Jentsch

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