Thüringer Fleischmarkt-Chef: Kontrollen allein lösen Probleme nicht

Bad Langensalza.  Der Geschäftsführer der Fleischmarkt GmbH in Aschara begrüßt „intensivere Kontrollen“ angesichts von Corona-Fällen in Schlachtbetrieben außerhalb Thüringens. Die Ursache sieht er jedoch woanders.

Die Wurst- und Fleischproduktion läuft auch während der Corona-Krise in der Fleischmarkt GmbH in Aschara weiter (Archivbild).

Die Wurst- und Fleischproduktion läuft auch während der Corona-Krise in der Fleischmarkt GmbH in Aschara weiter (Archivbild).

Foto: Alexander Volkmann / TA

„Intensivere Kontrollen sind gut.“ Sebastian Müller, Geschäftsführer der Fleischmarkt GmbH in Aschara (Unstrut-Hainich-Kreis), unterstützt die Ankündigungen der Politik angesichts der jüngsten Corona-Fälle in Schlachtbetrieben außerhalb Thüringens. Die Inspektionen allein beseitigten aber nicht die Probleme, sagt er. Sein Unternehmen werde auch ohne die nun bekannt gewordenen Corona-Infektionen in Schlachthöfen regelmäßig von den Thüringer Behörden überprüft. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Wenn massiv Fachkräfte fehlten, seien vor allem die großen Unternehmen gezwungen, Arbeitskräfte auch über Subunternehmen und Werkverträge aus dem Ausland zu beschäftigen, die dann in Sammelunterkünften übernachten würden. Hinzu käme der massive Preisdruck für Fleischprodukte, der kaum noch Gewinnmargen ermögliche. Dem Vorschlag von Grünen-Sprecher Robert Habeck, einen Mindestpreis für Tierprodukte einzuführen, könne er sich nur anschließen, so Sebastian Müller.

Die Fleischmarkt GmbH ist erst im April erneut nach dem Internationalen Lebensmittelstandard (IFS) durch den Tüv Süd zertifiziert worden und hat dabei abermals das Prädikat „Higher Level“ erhalten. Alle zwei Jahre wird zudem das QS-Siegel der Stufe 1 erteilt. Alljährlich muss ein umfangreicher Katalog mit 260 Kriterien für das Gütesiegel überprüft werden, erklärt der Geschäftsführer. Eine der Voraussetzungen sei, für die Wurst- und Fleischproduktion genau nachverfolgen zu können, welche Tiere für welche Produkte geschlachtet wurden. Das sei möglich, weil der Fleischmarkt in Aschara von Landwirten aus der Region beliefert werde.

Das zu verarbeitende Fleisch nimmt allerdings den Umweg über Schlachthöfe, die aber in das Zertifizierungsverfahren mit einbezogen werden. In Aschara selbst erfolge die Weiterverarbeitung der geschlachteten Tiere. 50 festangestellte Mitarbeiter produzieren am Stadtrand von Bad Langensalza vor allem Wurst. Leiharbeiter seien nicht beschäftigt. Die Erzeugnisse werden dann in 14 Geschäften in der Region und auf dem Erfurter Wochenmarkt angeboten. Hinzu kommen bundesweit zahlreiche Kunden, erklärt der Chef. Fünf Auszubildende erlernen aktuell das Fleischerhandwerk.

Der 1991 gegründete Wursthersteller legt viel Wert auf Kontinuität. „Für uns bedeutet das, die Rezepturen nicht zu verändern“, so Sebastian Müller. Wichtiger sei, die Qualität zu halten, an die sich die Kunden gewöhnt hätten, auch wenn die Preise für die Zutaten schwanken. Aber es werde natürlich auch experimentiert, vor allem bei der Bratwurst: Sorten mit Apfel, Käse oder Chili seien bereits im Angebot. Die jüngsten Kreationen mit Steinpilz oder Kürbis wurden auf der diesjährigen Thüringen-Ausstellung mit Gold und Silber geehrt.

Einer der Schlachthöfe mit denen der Fleischmarkt in Aschara zusammenarbeitet, befindet sich in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Dort werden auch Schweine aus Thüringen verarbeitet. Alle der rund 2500 Mitarbeiter des Fleischkonzerns in dieser Region sollen nach Angaben der Behörden freiwillig auf das Corona-Virus getestet werden, um einen Ausbruch der Pandemie zu verhindern.

In der Fleischmarkt GmbH ist bisher nach Angaben der Geschäftsführung niemand an Covid-19 erkrankt. Keiner der Beschäftigten befinde sich in Quarantäne.

Bisher sei das Unternehmen glimpflich durch die Krise gekommen, sagt der Geschäftsführer. Zwar hätten Kunden, die ihre Kioske und Läden schließen mussten, über Wochen keine Wurst mehr abgenommen, aber der Lebensmitteleinzelhandel sei kontinuierlich weiter beliefert worden.

Nun hofft Sebastian Müller, dass mit dem Sommer auch die Grillsaison beginnen wird.