Thüringer müssen zwölf Wochen auf einen Handwerker warten

Weimar  Während auf der einen Seite bei den Betrieben volle Auftragsbücher für Zufriedenheit sorgen, sind die Gewerke auf der Suche nach Fachkräften und Lehrlingen

Die große Koalition hat sich in der Vorwoche darauf verständigt, für zwölf Handwerksberufe die Meisterpflicht wieder einzuführen. 2004 war die Meisterpflicht in mehr als 50 Berufen weggefallen.

Die große Koalition hat sich in der Vorwoche darauf verständigt, für zwölf Handwerksberufe die Meisterpflicht wieder einzuführen. 2004 war die Meisterpflicht in mehr als 50 Berufen weggefallen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Volle Auftragsbücher und immer längere Wartezeiten - das ist aktuell die Situation im Thüringer Handwerk. Auch die öffentliche Hand bekommt das zu spüren. Handwerksbetriebe können in dieser Situation verstärkt private Auftraggeber bedienen. Die Zusammenarbeit sei einfacher und unbürokratischer, sagte Stefan Lobenstein, Präsident des Thüringer Handwerktags, dieser Zeitung.

Noch nie sei die Auftraglage so gut wie derzeit gewesen. Kunden müssten deshalb im Schnitt zwölf Wochen auf einen Handwerker warten. Besonders nachgefragt seien Metall- und Elektrogewerbe sowie der Bereich Sanitär und Heizung und natürlich das Baugewerbe mit all seinen Gewerken.

Im Notfall, beispielsweise bei einer gebrochenen Wasserleitung oder wenn ein Haus ohne Strom dastehe, müsse sich aber niemand in Thüringen Sorgen machen. Für diese Fälle gebe es Havariepläne, sodass den betroffenen Kunden schnell geholfen werden könne.

Thüringer Handwerkstag gibt erstmals eigenen Kalender heraus

Das Thüringer Handwerk suche weiter händeringend Fachkräfte und Lehrlinge. Um verstärkt junge Menschen für die Gewerke zu begeistern, habe sich der Thüringer Handwerkstag entschlossen, erstmals in diesem Jahr das Gesicht des Handwerks zu küren und einen eigenen Kalender herauszugeben, in dem sechs Thüringer Handwerkerinnen und sechs Handwerkern stellvertretend für ihre Gewerke vorgestellt werden.

Mit Natalie Rosner und Jan Schlennstedt werden eine Augenoptikermeisterin aus Leinefelde-Worbis im Eichsfeld sowie ein Bierbrauer aus Erfurt für ein Jahr die Gesichter des Thüringer Handwerks sein.

Aus Sicht von Stefan Lobenstein ändere die kürzlich beschlossene Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen nur wenig bei fehlenden Lehrlingen. Grundsätzlich begrüßt er aber die von der großen Koalition in Berlin festgelegte Rückkehr zur Meisterpflicht. Im Freistaat erwerben jährlich etwa 400 Handwerker ihren Meisterbrief. Knapp 6900 Lehrlinge hätten Ende des Vorjahres einen Handwerksberuf erlernt. Das sei immerhin eine Steigerung um etwa sieben Prozent, erklärte Stefan Lobenstein dieser Zeitung am Rande des Tags des Handwerks am Samstag in Weimar. In der Klassikerstadt präsentierten sich Dutzende Thüringer Handwerksbetriebe an rund 50 mobilen Werkstätten oder Ständen und stellten ihre Gewerke und beruflichen Fertigkeiten vor. Tausenden Besuchern bot sich die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, Handwerksarbeiten zu erwerben oder auch über Aufträge zu verhandeln.

Arbeitsplätze im Handwerk so sicher wie lange nicht mehr

Stefan Lobenstein zeigte sich Samstagabend zufrieden mit dem Tag. Die Veranstaltung sei auch eine weitere Möglichkeit, junge Menschen für einen Beruf in den 130 Thüringer Gewerken zu begeistern. Im Freistaat gibt es knapp 30.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 150.000 Menschen beschäftigt sind.

Ihre Arbeitsplätze seien wegen der guten Auftragslage so sicher wie lange nicht mehr, betonte der Präsident. Er gehe davon aus, dass das auch in den nächsten Jahren noch so sein werde.

Rückkehr zur Meisterpflicht

Die Thüringer Handwerkskammern und der Handwerkstag haben immer wieder die Rückkehr zu Meisterpflicht gefordert. Nur so könne die Qualität der Arbeiten garantiert werden, lauteten ihre Argumente.

Die große Koalition in Berlin hatte sich in der Vorwoche darauf verständigt, für zwölf Handwerksberufe die Meisterpflicht wieder einzuführen - unter anderem für Fliesen-, Platten-, Mosaik- und Parkettleger, aber auch für Raumausstatter, Lichtreklamehersteller sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Im Jahr 2004 war die Meisterpflicht in mehr als 50 Berufen weggefallen.

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