Thüringer Wirtschaft erholt sich weiter

Die Thüringer Wirtschaft schwimmt weiter auf einer Woge des Erfolges und der Aufträge. Zunehmende Sorgen bereitet die Gewinnung von Fachkräften. Denn jede dritte Firma muss in den nächsten fünf Jahren zehn Prozent der Belegschaft ersetzen - immer mehr Alte gehen in Rente.

Autoteile, wie der hier von Wiebke Ruppe gezeigte Turbolader von IHI in Arnstadt,  sind weltweit gefragt. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Erfurt. Es brummt in den Unternehmen - damit werden gute Leute gesucht. "Seit der Aufschwung die Firmen erreicht hat, wird das Problem fehlender Fachkräfte drängender", sagte Wolfgang Zahn, Präsident des Verbandes der Wirtschaft Thüringens, gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. An dieser hatten sich die Chefs von 112 Mitgliedsunternehmen des Verbandes beteiligt.

Zu verdanken sei die schnelle Erholung vor allem dem Export, so Zahn. Diese hohe Abhängigkeit von den Auslandslieferungen fordere aber "eine besondere Flexibilität in sämtlichen Bereichen, um auf die Schwankungen des Weltmarktes reagieren zu können". Hinter diesen Allgemeinplätzen versteckt sich die Verteidigung der Zeitarbeit, von Arbeitszeitkonten und einer Bezahlung, "wo Thüringen schon sehr gut dasteht". Damit verwahrte sich der Arbeitgeberchef gegen den Vorwurf, im bundesdeutschen Vergleich als Land der Billiglöhne dazustehen. Auf Nachfrage hin allerdings wurde deutlich: Nur jedes fünfte Thüringer Unternehmen zahlt offiziell laut Tarif. Nimmt man all jene Firmen dazu, die ihren Beschäftigten stillschweigend Tariflöhne gewähren, dann ist es jede zweite - bei oft längerer Arbeitszeit als im Westen

In der Summe ist die konjunkturelle Stimmung bestens: 40 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer guten und 45 Prozent von einer befriedigenden Auftragslage für 2011 aus. Aktuell liegt die mittlere Kapazitätsauslastung der thüringischen Unternehmen zwischen 85 und 90 Prozent. Eher im Nebensatz wurde das Wichtigste mitgeteilt: Der 2010 in vielen Unternehmen begonnene Beschäftigungsaufbau wird sich fortsetzen. Auch das Thema "Knappheit beim Eigenkapital" sei vom Tisch, weil viele Firmen jetzt in guten Zeiten Geld zurücklegten. Allerdings: Immer mehr Thüringer Unternehmen weigern sich, ein offenes Urteil über ihre Hausbank abzugeben.

Interessant ist auch jene knappe Passage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung: Nur jeder zweite Betrieb sieht die Unternehmensinteressen durch die Wirtschaftspolitik des Freistaats vertreten. Noch vor zwei Jahren waren es fast 70 Prozent. Ob die wachsende Unzufriedenheit vielleicht mit dem Wechsel des Wirtschaftsressorts von der CDU hin zur SPD zusammenhängt - dies wollte Wolfgang Zahn nicht kommentieren.

Beim Thema Fachkräftebedarf und Fachkräftesicherung allerdings herrschte weitgehende Klarheit: Der Ersatzbedarf der nächsten fünf Jahre liege - gemessen an der aktuellen Beschäftigtenzahl - bei 5,7 Prozent und damit auf dem Niveau der Ausbildungsquote. Immerhin: 80 der befragten Unternehmen bilden aus. Es werde aber schwieriger, geeignete Bewerber zu finden, was zu unbesetzten Lehrstellen führt.

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