"Tragbare Steckdose" soll in Bleicherode gefertigt werden

Bleicherode. Elektro-Müller, ein Bleicheröder Handwerksbetrieb, bekam für die Entwicklung mit einem Würzburger Partner einen Bundespreis. Noch dieses Jahr könnte der Kleinserie eine Serienproduktion folgen.

Olaf Müller (links) und Jürgen Zinecker: Von Bleicherode aus wollen sie mit dem "mobilen Solarkraftwerk" die Welt erobern.

Olaf Müller (links) und Jürgen Zinecker: Von Bleicherode aus wollen sie mit dem "mobilen Solarkraftwerk" die Welt erobern.

Foto: zgt

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<p>Nein, zur Jagd zu gehen, dafür bleibe momentan keine Zeit. Olaf Müller lächelt, ihn bekümmert es mitnichten, auf sein Hobby verzichten zu müssen.</p> <p>Ein Hobby, ohne dass er, der Elektromeister aus der Angerbergstraße, wohl nach wie vor Straßenlaternen, Alarmanlagen oder Solaranlagen installieren dürfte. Wie jeder Handwerksbetrieb von der Größe wie seiner: mit acht Leuten.</p> <p>Auf Pirsch im Bleicheröder Forst war es, als Olaf Müller Jürgen Zinecker kennenlernte: ein Bayer mit Mathematik- und Betriebswirtschaftsstudium und zwei Jahrzehnten Erfahrung im Bereich Softwareentwicklung - das Navigationssystem Navigon zum Beispiel stammt von ihm. Inzwischen hat er sich mit der 20-Mann-Firma Axsol in Würzburg selbstständig gemacht.</p> <p>Am Dienstagnachmittag stehen beide Herren gemeinsam in Bleicherode vor Journalisten, erzählen, dass Bleicherode eine neue Produktionsstätte im Gewerbegebiet bekommen könnte, eventuell schon in einigen Monaten von hier aus die von ihnen entwickelte "tragbare Steckdose" in die Welt geliefert wird. Gespräche mit der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen laufen bereits.</p> <p>Die Euphorie liegt förmlich in der Luft in diesem kleinen, so gar nicht hippen Büro mit den gestärkten Gardinen, dem schon in die Jahre gekommenen Mobiliar: Es ist keine zwei Wochen her, da stellten beide ihre Entwicklung auf der internationalen Handwerksmesse IHM in München vor, bekamen prompt den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk des Bundeswirtschaftsministeriums.</p> <p>Produktion soll noch dieses Jahr starten</p> <p>"Unser Stand war ständig umringt", erzählt Müller. Seinem Partner überlässt er es, das Produkt zu beschreiben. "Arvey" ist gewissermaßen ein mobiles Solarkraftwerk: Solarpanels erzeugen aus Sonnenenergie Strom, dieser wird in Hochleistungsbatterien gespeichert. Das Innovative ist die elektronische Technik zwischen beiden Systemkomponenten, so dass sich elektrische Geräte bis zu 1000 Watt mobil betreiben lassen. Ohne jedes Stromkabel. Binnen weniger als einer halben Stunde sei das System betriebsbereit, so Zinecker.</p> <p>Die Batterie kann bis zu 460 Wattstunden an Energie zum freien Verbrauch speichern - und das bei einem Gesamtgewicht von gerade einmal zehn Kilogramm. Benzin- oder ölfressenden, lärmenden Generatoren soll der Rang abgelaufen werden. Dass diese Rechnung aufgehen könnte, deutete sich schon an, nicht nur auf besagter Messe. Zinecker berichtet davon, dass der weltweit führende Hersteller von Notunterkünften vom Nutzen der Technologie überzeugt, die Entscheidung für eine Serienproduktion eigentlich schon gefallen sei. Nur die Größenordnung stehe noch nicht fest.</p> <p>Auch Nichtregierungsorganisationen wie die Welthungerhilfe hätten "ziemlich positive" Signale gegeben. Strom ist selbst in der Wüste wichtig - für Handy oder Ventilator, Licht oder auch nur zum Milcherwärmen. Auch Wasserpumpen ließen sich mit "Arvey" betreiben, beschreibt Zinecker ein weiteres Einsatzfeld im humanitären Sektor. Der potenzielle Bedarf ist riesig: 300 Millionen Menschen haben keinen Stromzugriff.</p> <p>In der westlichen Welt geht es eher um noch höheren Komfort: Strom auf Reisen im Auto, im Wohnwagen oder auf See zu haben, ist angenehm. Die Marktfrau müsste damit nicht mehr einen Stromanschluss mieten; der Veranstalter eines Musikfestivals müsste keine Kabel mehr ziehen, um sein Zelt zu beschallen. Und der Lkw-Fahrer müsste fürs Heizen oder Fernsehschauen nicht mehr den Motor seines Trucks laufen lassen.</p> <p>Wie er auf die Idee für das "mobile Solarkraftwerk" gekommen sei? Zinecker schmunzelt, erzählt von einem Freund, der Ausstattungen für medizinische Labore liefere, auch Systeme für Krankenhäuser an die Weltgesundheitsorganisation: "Nur hatten zwei Drittel der Krankenhäuser keinen Strom. Ich sagte, ich besorge ihm ein mobiles Energiesystem - und staunte selbst, dass es so etwas noch nicht gibt."</p> <p>Das liegt drei Jahre zurück. Kurze Zeit später erzählte er seinem Bleicheröder Jagdfreund Müller davon - beide wurden Geschäftspartner.: "Er hatte Kanäle in die Zulieferindustrie, das Know-how in Sachen Solarinstallation."</p> <p>Warum nun Bleicherode Produktionsstandort werden solle? Das liege nicht nur am Know-how von Elektro-Müller: "Bei uns in Würzburg herrscht Vollbeschäftigung. Der Arbeitskräftemarkt ist leer gefegt." Nicht zuletzt lobt der Würzburger Stadtchef Frank Rostek (CDU), der sofort seine Kontakte aktivierte, den Kontakt zu LEG und Banken herstellte.</p>

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